Ex-Telemaz-Chef Jürgen Bertrams geht mit neuer Firma an den Start

Dienstag, 06. März 2012
Tim Menzel, Stephanie Kowalski, Jürgen Bertrams (v.l.)
Tim Menzel, Stephanie Kowalski, Jürgen Bertrams (v.l.)


Jürgen Bertrams, bekannt als Kopf der mittlerweile insolventen Telemaz Düsseldorf, hat eine neue Filmproduktion gegründet. Gemeinsam mit Tim Menzel, 33, startet der 55-Jährige die Firma Cloud mit Sitz in Düsseldorf. Die Leistungen sollen das Kerngeschäft Werbefilm mit technologischen Neuerungen verbinden, ein Startthema ist beispielsweise Augmented Reality.
"Natürlich waren wir uns bewusst, dass der Name Cloud momentan vielfältig genutzt wird", bekennt Bertrams. Cloud passe aber einfach perfekt zum Anspruch, Kompetenzen aus Kreation und Technik zu verbinden, daher habe man sich letztlich dafür entschieden. Um den eigenen Anforderungen gerecht zu werden, arbeitet Cloud mit Michael Zöllner, Professor für Interaction Design an der Hochschule Hof, zusammen. Intern besteht die Firma aus einen sechsköpfigen Team, zu dem auch Stephanie Kowalski, ehemals Leiterin des Regie-Departments bei Telemaz, gehört. Für den Chef der einst drittgrößten Werbefilmproduktion Deutschlands dürfte das verhältnismäßig klein sein - einerseits. Andererseits war auch die Telemaz Düsseldorf zuletzt nicht mehr viel stärker aufgestellt. Nur zwei Mitarbeiter hätten nach der Insolvenz nicht mit zu Cloud gewechselt, dies aber auf eigenen Wunsch, heißt es. Auch einige Kunden habe man aus früheren Beziehungen behalten können, darunter die Agenturen DDB Tribal und Saatchi & Saatchi.

Jürgen Bertrams blickt bei der Neugründung auf viel Erfahrung im Werbefilmgeschäft zurück. 1987 gründete er die Produktionsfirma Telemaz Commercials und etablierte sie erfolgreich in der Branche. Nach Markenfilm und Neue Sentimentalfilm stand Telemaz noch vor wenigen Jahren auf Platz 3 der größten Werbefilmfirmen des Landes. Der Niedergang begann Ende 2008, nachdem Telemaz und Neue Sentimentalfilm sich zur Holding Mood and Motion zusammen taten. Der Plan, von der gemeinsamen Größe zu profitieren ging nicht auf. Telemaz wurde von Investor PVM übernommen, kurz darauf meldeten die Offices in Hamburg und Düsseldorf Insolvenz an. In Berlin existiert noch ein Büro mit drei Mitarbeitern, das aber dem Vernehmen nach nur noch die laufenden Jobs abwickelt und dann ebenfalls geschlossen wird. Der Name bleibt im Besitzt von PVM, unter dem Label Telemaz findet aber vorerst kein operatives Geschäft mehr statt. 

Und auch die ehemalige Schwester Neue Sentimental Film (NSF) war bei Mood and Motion offenbar nicht mehr gut aufgehoben. Erst letzte Woche gab Großaktionär Wige Media bekannt, dass er die NSF-Niederlassungen in Hamburg und Frankfurt gekauft hat (HORIZONT.NET berichtete), allerdings ohne Geschäftsführerin Elinor de la Forge, die die Firma vorher verlassen hatte. Auch Gründer Tom Gläser wird ab April nicht mehr an Bord sein.

  Nach dem Verkauf von NSF bleiben Mood and Motion Beteiligungen an den Firmen Lift in Barcelona und Mexico City sowie an Group.IE in Frankfurt, die Zukunft der Holding ist äußerst ungewiss. jf 
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