Euphorische Stimmung in Agenturbranche hält an

Dienstag, 04. Juli 2000

Der positive Trend in der Agenturbranche ist ungebrochen und heizt die Euphorie weiter an. Zwischen 6 und 8 Prozent Zuwachs hält die Mehrheit der von HORIZONT befragten Top-50-Agenturen in diesem Jahr für realistisch. Einige glauben sogar an ein zweistelliges Wachstum. Die Ergebnisse der Halbjahresumfrage spiegeln sich im Sommermonitor des Gesamtverbands Werbeagenturen wider. Drei Viertel der GWA-Agenturen sind mit der Entwicklung des ersten Halbjahrs zufrieden. Im Durchschnitt wird eine Umsatzsteigerung von 6,5 Prozent erwartet. Angesichts der Dynamik im Markt hält es GWA-Präsident Lothar S. Leonhard jedoch durchaus für möglich, dass diese Prognose noch übertroffen wird. „Ein größerer Anstieg ist nicht auszuschließen.“ Die drei führenden Agenturgruppen BBDO, Grey und Publicis sind zugleich Spitzenreiter in puncto Billingzuwachs, wobei Publicis nach New-Business-König BBDO Platz 2 belegt. „Die Entwicklung der Umsätze lässt nichts zu wünschen übrig“, freut sich Publicis-Chef Georg Baums, der für die Agentur ein Wachstum von stolzen 13,4 Prozent vorhersagt. Bei BBDO dürften es rund 12 Prozent sein, Grey-Chef Bernd M. Michaels nennt fast schon zurückhaltend 9,8 Prozent. Ein Motor der Hochkonjunktur ist zweifellos die Entwicklung im Dotcom-Bereich. 43 Prozent der GWA-Agenturen verfügen bereits über viel Erfahrung mit dieser neuen Kundengeneration, die jedoch nicht nur das Neugeschäft ankurbelt, sondern auch ganz neue Anforderungen an die Agenturen stellt. Als gravierendste Unterschiede zu klassischen Kunden werden knappe Timings, sprunghafte Entscheidungen sowie Defizite in Marketing-Know-how und strategischer Ausrichtung genannt. Im Agenturalltag wirkten sich diese Besonderheiten vor allem auf Arbeitsabläufe, Mitarbeiterqualifizierung, Zeitmanagement und Agenturvergütung aus. Zudem entwickle sich die junge Industrie zu einer echten Konkurrenz am Personalmarkt, wo sich bereits die Agenturen untereinander einen harten Wettbewerb liefern. Doch schon werden wieder Stimmen laut, die über das Ende des Dotcom-Booms spekulieren. WOB-Vorstand Frank Merkel etwa rechnet mit einer „Versachlichung der Start-up-Hysterie“. Gleichzeitig werden immer mehr traditionelle Unternehmen ihre Aktivitäten in die interaktive Welt verlagern, ist Leonhard überzeugt. „Die Agenturen müssen sich extrem umstellen, denn die Dotcom-Industrie wird in Zukunft den größten Teil unseres Geschäfts ausmachen.
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