"Es hat sich ausgepeitscht": Fischer-Appelt-Vorstand Behrendt über die Germanwings-Blamage

Dienstag, 13. Dezember 2011
Frank Behrendt, Vorstand Fischer Appelt AG
Frank Behrendt, Vorstand Fischer Appelt AG

Mitte vergangener Woche sorgte ein Domina-Spot von Germanwings für Aufsehen - und eine Flut an negativen Kommentaren. Am Freitag dann zog die Airline die Reißleine und nahm das Commercial, kreiert von der Hamburger Agentur Lukas Lindemann Rosinski, wieder aus dem Netz. Die offizielle Begründung von Germanwings: die auferlegten Altersbegrenzung von Youtube. "Wer`s glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann", reagiert Frank Behrendt, Vorstand von Fischer Appelt, und kommentiert den Vorfall in einem Gastbeitrag für HORIZONT.NET. "Germanwings, die Lowcost-Tochter von Lufthansa, will mehr Geschäftsreisende anlocken. So weit, so gut. Auch die Strategen der Konzernmutter sind schon seit einiger Zeit emsig dabei, die Premium-Brand und ihre Billigtochter besser miteinander zu verzahnen, zum gemeinsamen wirtschaftlichen Nutzen. Bei der Werbung ging der Schuss aber jetzt gehörig nach hinten los. Während die ehrbare und stolze Lufthansa mit schönen Bildern und emotionalen Texten um Kunden wirbt, schickten die Werber von Lukas Lindemann Rosinski für Germanwings einen Geschäftsmann in unvorteilhafter weißer Feinrippunterhose vor einer Peitschenschwingenden Domina auf die Knie.

War das witzig? War das verkaufsfördernd? War das Imagebildend? Die Internet-Gemeinde war sich weitgehend einig: Nein! „Peinlich“, „Fremdschämen“, „Blöd“ waren die Kommentare auf Facebook & Co. Irgendwie beruhigend, dass es ein neues kollektives Korrektiv im Netz gibt, das uns Peinlichkeiten dieser Art zunehmend erspart. Wo früher nur der wütende Leserbrief, das Brüllen auf eine Service-Hotline oder das Dampfablassen am Stammtisch blieben, gibt’s heute im Social Web eine wunderbare Auskotz-Arena mit gebündeltem Shitstormfinale. Jeder kann mitmachen, die verbale Peitsche schwingen und wird gehört - wie man auch im aktuellen Germanwings-Fall sieht.

Was die Werber von LLR, die im vergangenen Jahr noch das wirklich witzige und oft prämierte „Planemob“-Viral für die Airline kreierten bei dem neuesten Spot geritten hat, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, ob es Lufthansa-Boss Christoph Franz mit Überschallgeschwindigkeit aus dem Chefsessel gerissen hat, als er das neueste werbliche Machwerk seiner ungezogenen Tochter sah. Nun ist es weg. Gottseidank. Angeblich, weil man den Usern nicht zumuten wollte, sich im Zuge der neuen Altersbegrenzung auf Youtube vor dem Ansehen der Domina zu registrieren.

An der Kritik im Netz hat es natürlich nicht gelegen. Wer`s glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Es war wohl vielmehr die späte Einsicht der Germanwings-Besatzung, dass man besser mal Schaden von der eigentlich gut positionierten Marke abwehrt, bevor sie weiter beschmuddelt wird. Und wahrscheinlich ist den Marketingpiloten nach der aufpoppenden Kritik wohl auch gedämmert, dass speziell die Klientel Geschäftsreisende, die man ja so gerne öfter im Ledersitz begrüßen würde, nicht wirklich in irgendeiner Form mit dem peinlichen nach Bestrafung lechzenden Wurm in Verbindung gebracht werden möchte.

Und die am Airport versammelte Damenwelt - smarte Ground-Hostessen und hübsche Stewardessen an Bord inklusive - hätten bei den Anzug- und Schlipsträgern mit Germanwings-Ticket womöglich an genauso miese Schlüpper gedacht, wie ihn der Typ im Sado-Maso-Viral auf der Homepage trägt. Nicht wirklich sexy. Vor dem Hintergrund haben die Lufthansa Konzernstrategen den Spot vielleicht doch gut gefunden, denn er stärkte definitiv das tadellos saubere Image der Kernmarke mit dem Kranich, die bekanntlich Geschäftsreisende am meisten liebt. "

Frank Behrendt, Vorstand Fischer Appelt AG

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