Effie-Streit: "Die Amerikaner brauchen uns mehr als wir sie"

Freitag, 08. Oktober 2010
Der Streit um den Effie geht weiter
Der Streit um den Effie geht weiter

Im Streit mit dem Lizenzinhaber Effie Inc. über die zukünftige Ausgestaltung des Effie-Wettbewerbs, über den HORIZONT bereits exklusiv berichtet hat, hat der GWA seine Position erläutert. Der deutsche Agenturenverband ist nicht bereit, die Forderungen der US-Partner zu akzeptieren. Diese laufen auf eine stärkere Standardisierung des Wettbewerbs hinaus, der zu einer globalen Marke gemacht werden soll. Nach Auffassung von GWA-Präsident Peter John Mahrenholz und Geschäftsführer Ralf Nöcker würden die Änderungen dazu führen, "die harte Währung Effie in Deutschland aufzuweichen". So wollen die internationalen Effie-Macher die Bewertungskriterien, vor allem aber die Gewichtung der Ergebnisse, weltweit vereinheitlichen. Die Resultate einer Kampagne sollen demnach mit 30 Prozent in die Jurybeurteilung einfließen. Ausgangssituation, Idee sowie die kreative und mediale Umsetzung mit jeweils 23 Prozent.

Warnt vor "Würgegriff" der Amerikaner: GWA-Präsident Peter John Mahrenholz
Warnt vor "Würgegriff" der Amerikaner: GWA-Präsident Peter John Mahrenholz
Beim deutschen Effie werden Konzept, Idee und Umsetzung mit 40 Prozent gewichtet, die Ergebnisse mit 60 Prozent. An dieser Gewichtung will der Verband weiterhin festhalten. Derzeit laufen Verhandlungen mit dem Lizenzinhaber, wie eine Lösung aussehen könnte. Der GWA hat seine Vorschläge vorgelegt. Sie sehen eine stärkere Berücksichtigung der nationalen Eigenheiten vor. Ziel ist es, den deutschen Effie in seiner bisherigen Form zu erhalten. "Wir wollen keinen Effie für alle Länder nach US-Vorbild", sagt GWA-Chef Mahrenholz.

Letztlich gehe es den US-Kollegen darum, den Wettbewerb international zu monetarisieren. Das zeige sich auch an Kosten, die künftig für die Aufbereitung der Einreichungen und für die entsprechenden Datenbanken anfielen - ganz zu schweigen von möglichen Vorgaben für das sonstige Prozedere und die Gala. "Wir wollen nicht in den Würgegriff der Amerikaner kommen und uns der Gefahr aussetzen, zu einer Adaptions- und Ausführungsstelle von Effie Inc. werden", so Mahrenholz.

Auch andere europäische Länder wie Frankreich, Holland, Tschechien und Polen haben massive Bedenken gegen die Pläne die Vereinheitlichungspläne und sind in Verhandlungen eingetreten. Ein Land, nach Informationen von HORIZONT.NET die Schweiz, soll sich bereits dazu entschieden haben, nicht mehr beim Effie mitzumachen und seinen Wettbewerb eigenständig fortzusetzen - unter anderem Namen. Der Schweizer Agenturenverband BSW will diese Information allerdings nicht bestätigen.

Wie es mit dem deutschen Effie weitergeht, ist ungewiss. Der GWA zeigt sich zuversichtlich, mit den Lizenzgebern zu einer Lösung zu kommen, und zwar zu den eigenen Bedingungen. "Die brauchen uns mehr als wir sie", sagt Geschäftsführer Nöcker. Eine Lösung muss bis Ende Juni 2011 gefunden sein, dann endet das Fiskaljahr der US-Partner. Parallel zu den Verhandlungen werden bereits Pläne gemacht, wie man den Wettbewerb alleine beziehungsweise unter einer neuen europäischen Marke fortsetzen könnte, die stärker auf die Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern eingeht. mam     
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