Effie-Gala-Absage: Angeblicher Hauptsponsor dementiert GWA-Vereinbarung / Umfrage unter Agenturgrößen

Donnerstag, 15. September 2011
Effie 2010: Moderator Oliver Kalkofe (l.) mit GWA-Präsident Peter John Mahrenholz
Effie 2010: Moderator Oliver Kalkofe (l.) mit GWA-Präsident Peter John Mahrenholz


Die ohnehin schon peinliche Absage der großen Effie-Gala zum 30-jährigen Jubiläum des Awards droht eine noch peinlichere Wendung zu nehmen. Der aus dem Umfeld des Veranstalters GWA kolportierte Hauptsponsor RWE weiß nichts von seiner angeblichen Zusage für die Finanzierung der Effie-Gala. "Es ist tatsächlich so, dass RWE als Sponsor für die Veranstaltung angefragt worden war. Die zuständige Abteilung hat das auch geprüft, hat sich aber dagegen entschieden. Es handelt sich also nicht um die Absage einer zugesagten Unterstützung", teilt der Energiekonzern auf Anfrage mit. Die Verbandsspitze hatte die Situation in einer E-Mail an die Mitglieder anders dargestellt. Dort heißt es: "Der Verband möchte Sie darüber informieren, dass sich einer unserer Hauptsponsoren der Effie-Gala kurzfristig nicht in der Lage sieht, sein seit langem zugesagtes Engagement im sechsstelligen Bereich zu leisten."

Sollte damit tatsächlich RWE gemeint sein, wie aus dem GWA-Umfeld zu erfahren war, dann werfen die Auskunft des angeblichen Geldgebers und der GWA-Spitze massive Fragen auf. Zum Beispiel, ob es überhaupt eine unterschriebene Kooperations- beziehungsweise Sponsorenvereinbarung gab. Diese Frage lässt der Verband unbeantwortet. Allerdings legt Geschäftsführer Ralf Nöcker Wert auf folgende Feststellung: "Es gab einen Hauptsponsor. Dieser musste seine Zusage zurückziehen. Wichtig ist hierbei, dass die Zusage über mehrere Monate Bestand hatte und bereits erste gemeinsame operative Schritte zur Vorbereitung der Gala erfolgt sind. Es gab aus unserer Sicht über einen langen Zeitraum keinerlei Veranlassung, an diesem Sponsoring zu zweifeln."

Die GWA-Mitglieder reagieren unterdessen unterschiedlich auf die Absage der Gala. Während einige durchaus Verständnis zeigen und den Schritt nachvollziehen können, äußern andere deutliche Kritik. Fakt ist: Wenige Wochen vor der Mitgliederversammlung Gerät der scheidende Verbandspräsident Peter John Mahrenholz weiter unter Druck - nicht zuletzt bei der Suche nach einem Nachfolger. Nachdem Ogilvy-CEO Thomas Strerath seine Bereitschaft zur Kandidatur wohl zurückgezogen hat, wurden zuletzt mehrere Chefs großer Agenturen angesprochen, bislang allerdings erfolglos. Eine Notfall-Option könnte sein, dass die beiden amtierenden Vizepräsidenten Strerath und Frank Merkel den Verband bis zur nächsten turnusmäßigen Wahl im kommenden Jahr führen. mam

Die Statements zur Effie-Absage von Karen Heumann, Michael Samak, Michael Trautmann, Lothar Leonhard, Ronald Focken, Martin Wider, Andreas Winter-Buerke, Andreas Geyr, Joachim Strate, Mathias Valentin und Andreas Trautmann finden Sie auf den folgenden Seiten

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Karen Heumann, Vorstand Jung von Matt

Natürlich ist die Absage der großen Effie-Gala traurig. Aber es war wohl nicht anders machbar. Und ich bin der festen Überzeugung, dass der kleinere Rahmen auch eine Chance sein kann. Durch die Verdichtung und Konzentration auf die Preisträger kann eine Form der Ernsthaftigkeit entstehen, die dem Glamour großer Galas manches voraus hat. Unter diesem Aspekt hat die Absage vielleicht sogar einen reinigenden Effekt. Ich freue mich jedenfalls auf den Abend.



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Michael Samak, CEO Saatchi & Saatchi

Wahrscheinlich wäre es konsequenter gewesen den Effie komplett abzusagen. In der modifizierten Form verliert der „Effie Light“ an Strahlkraft und Gewicht als Kommunikationsplattform der ganzen Branche. Es bleibt abzuwarten, ob das ein Ausrutscher bleibt.





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Michael Trautmann, Co-Gründer Kemper Trautmann

Dass Sponsoren in der heutigen Zeit absagen, kommt vor. Ich begrüße es aber ausdrücklich, dass der GWA in einer solchen Situation nicht in die Kasse greift. Ich kann die Entscheidung, die große Gala ausfallen zu lassen, jedenfalls gut nachvollziehen und bin mir sicher, dass es trotz kleinerem Rahmen eine gute Veranstaltung wird.



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Lothar Leonhard, Ex-GWA-Präsident

Ich halte das für eine unglückliche Entscheidung und habe das auch dem Präsidenten klar gesagt. Die Gala ist die einzige Ikone des GWA mit Breitenwirkung in die Wirtschaft. Gerade im Jubiläumsjahr kann man so etwas nur absagen, wenn es wirklich nicht anders geht. Nach meiner Überzeugung hätte der Verband den Ausfall stemmen sollen. Die Rücklagen sind von Georg Baums genau für solche Fälle initiiert worden. Ich war dabei.



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Ronald Focken, Geschäftsführer Serviceplan

Das kommt zur Unzeit. Die Absage des Effie hat Signalwirkung hinsichtlich des GWA-Images im Kommunikationsmarkt. Zumal es sehr kurzfristig ist. Damit wird es eine weitere Grundsatzdiskussion zur zukünftigen Führung des Verbandes geben.





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Martin Wider, CEO JWT Germany

Ich finde es richtig die Gala abzusagen und sich auf die Preisverleihung und die Gewinner zu konzentrieren. Das tut dem Preis keinen Abbruch und führt auch zu einer willkommenen „Entgalaisierung“ des Jahresendes.







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Andreas Winter-Buerke, Geschäftsführer Kolle Rebbe

Das ist wirklich eine Leistung, die den Effie nicht verdient hat. Abspecken: ja. Aber statt kleiner Kreis, Verzicht auf Buffet und Smoking. Wir brauchen den Austausch, kein Showprogramm im Admiralapalast. Zur Not: Turnhalle, Würstchen und Kartoffelsalat. Der Effie ist für den Kunden nach wie vor wertvollste Währung guter Arbeit. Auf die Veranstaltung als Forum für aktuelle Themen zu verzichten, ist ein Armutszeugnis der Branche und entwertet den Preis.



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Andreas Geyr, CEO Euro RSCG und GWA-Vorstand

Ich finde es richtig, sich der aktuellen Situation anzupassen und in Zeiten, in denen die Börsen nach unten rauschen, Unternehmen ihre Marktkapitalisierung halbieren und Staaten vor der Insolvenz stehen, nicht um jeden Preis an einer großen Party festzuhalten. Auf Verbandsgelder zuzugreifen, um Sponsorenlöcher zu stopfen, ist jedenfalls keine Option. Die Rücklagen haben eine andere Funktion. Die Effizienz der Werbung wird ohnehin weiter ausgezeichnet, wenn auch in einem äußerlich kleineren Rahmen. Vielleicht sollte man aber darüber nachdenken, die Sponsorensuche zu professionalisieren.

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Joachim Strate, Ex-Geschäftsführer Ogilvy Düsseldorf

Die Absage der diesjährigen Effie-Gala empfinde ich als peinliche Katastrophe. Peinlich für den GWA, peinlich für die Preisträger, peinlich für die Werbewirtschaft insgesamt. Immerhin stellt der Effie wohl die einzige aus Klientensicht akzeptable Award-Währung dar. Nicht zuletzt deshalb tragen die Kunden ja auch bei der Vorbereitung der Einreichungen substanziell bei. Nun bekommen also die Preisträger ihre Trophäen im Rahmen einer Not-Veranstaltung in die Hand gedrückt. Es fällt schwer, Verständnis dafür aufzubringen, wie der GWA einen Monat vor der Veranstaltung in eine solche Lage geraten konnte. Sponsorzusagen müssten doch schon lange in vertraglich sicherer Form vorliegen. Wenn aber ein Sponsor seit einiger Zeit als unsicher galt, dann hätte man als Veranstalter doch schon längst einen Plan B entwickeln müssen, mit alternativen Sponsoren und mit einem alternativen Veranstaltungsplan. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Gau den Startschuss zu einer Runderneuerung des Verbands gibt. Die Jahreshauptversammlung am 13. Oktober wäre eine gute Plattform dafür.

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Mathias Valentin, Vorstandsvorsitzender Pact

Ruf und Bedeutung des Effie basieren auf seinem Inhalt, nicht auf seiner Gala. Aber klar, eine richtige Preisverleihung sucht natürlich auch unmittelbares Publikum, welches die Preisträger würdigt. Insofern trägt diese Entscheidung bestimmt dem Geist dieser Veranstaltung nicht zu. Aus dieser Sicht ist es sicher eine Katastrophe für den wichtigsten Preis der Branche. Andererseits, geht es dem Verband nicht anders als seinen Mitgliedern und den Mitgliedern nicht anders, als ihren Kunden. Die letzten Jahre waren nicht einfach, der Markt hat sich sehr verändert. Mehr Arbeit und Leistung verdient zunehmend weniger Geld. Damit bleibt auch weniger für alles, was nicht direkt, unmittelbar und sofort Wert schöpft. Und das scheint kein kurzes Tal zu sein, sondern neue Realität. Aktuell können und sollten alle wohl nur einsetzen, was ihnen aktuell zur Verfügung steht. Auf pump in die Zukunft hätte auch ich die Gala nicht finanziert.

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Andreas Trautmann, CEO McCann Worldgroup Deutschland

Persönlich finde ich es sehr schade, dass die Effie Gala in diesem Jahr abgesagt werden soll. Der Effie ist ein sehr wichtiger Preis für die Branche und die Gala eines der jährlichen Veranstaltungs-Highlights, bei denen Kunden und Agenturen gleichermaßen gut vertreten sind. Zudem wird ein enormer zusätzlicher Aufwand in den Agenturen bei der Erstellung der Einreichung betrieben, der dann auch mit einer Teilnahme an der Gala belohnt werden sollte. Es verwundert mich zwar nicht, dass der GWA in Zeiten, in denen über Beitragssenkungen nachgedacht wird, die Gala nicht aus eigenen Mitteln bestreiten will, aber dass die Sponsoren-Suche sich so schwierig gestaltet, überrascht mich dann doch. Der beste Ansatzpunkt scheint mir daher, die Attraktivität der Sponsoren-Packages zu überprüfen.

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