Drei Jahre alte Maredo-Kampagne wird für Scholz & Friends zum Problem

Mittwoch, 21. März 2012
Ein Motiv aus der umstrittenen Brandzeichen-Kampagne.
Ein Motiv aus der umstrittenen Brandzeichen-Kampagne.

Eine Kampagne, die schon Jahre her ist und darüber hinaus nie offiziell verwendet wurde, wird nun zum Problem für Scholz & Friends. Im Jahre 2009 entwarf die Berliner Zweigstelle der Agentur die "Brandeisen-Kampagne" für die Steakhauskette Maredo. Die Motive machen sich über vegetarischen Lebensstil lustig - besonders eines allerdings sorgt nun im Internet für mächtig Ärger. Man sieht eine rustikale Arbeitsplatte aus Holz, darauf liegt ein saftiges Steak. Und darin eingebrannt ist der Spruch: "Tofu ist schwules Fleisch". Ein anderes Motiv zeigt ebenfalls ein großes Stück Fleisch, doch diesmal ist darauf "Wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch?" zu lesen. Unter politischen Gesichtspunkten sicherlich fragwürdig - in kreativer Hinsicht jedoch ein Highlight. Fand zumindest der ADC und zeichnete die Kampagne im Jahre 2009 mit einem silbernen Nagel aus.

Das dicke Ende kommt nun mit dreijähriger Verspätung: Auf bisher unbekannte Weise geriet das Tofu-Motiv bei Facebook und Twitter in Umlauf - die Empörung der Politisch-Korrekten ließ nicht lange auf sich warten. Allerdings entlud sich der Zorn der Webgemeinde zunächst auf Maredo, das für die Kampagne verantwortlich gemacht wurde. Die Kreativen waren jedoch schnell als Urheber ausgemacht: Der Grünen-Politiker Volker Beck etwa twitterte: "Homophober Übeltäter ist Scholz & Friends, nicht Maredo"

Offenbar war die Furcht vor einem Imageschaden bei der Restaurantkette so groß, dass man sich zu einer Stellungnahme gezwungen sah: "Dies war, ist und wird niemals Werbung unseres Hauses. Vielmehr war dies ein Wettbewerbs-Beitrag einer Werbeagentur, den wir nie beauftragt oder genehmigt haben. Wir distanzieren uns ausdrücklich von diesen Inhalten", heißt es auf der Maredo-Homepage. Scholz & Friends sei 2008 ungefragt an Maredo herangetreten und habe die Kampagne entworfen. Das umstrittene Motiv sei damals jedoch noch nicht dabei gewesen, erst im Nachgang habe man davon erfahren. Von der Agentur habe man damals die Löschung der Motive gefordert - und tue dies auch jetzt wieder.

Scholz & Friends zeigt sich unterdessen reumütig: Dass das Motiv enstanden ist, sei auf ein Missverständnis innerhalb der Agentur zurückzuführen. Deswegen sei keine Abstimmung mit dem Kunden erfolgt, so ein Sprecher gegenüber HORIZONT.NET. Für das homophobe Motiv, das man so heute nicht mehr entwerfen würde, entschuldige sich die Agentur ausdrücklich. ire
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