Diskussionen im GWA um Vieregge-Abschied

Donnerstag, 31. Juli 2008
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Die Nachricht vom bevorstehenden Abschied des GWA-Hauptgeschäftsführeres Henning von Vieregge hat in Verbandskreisen für reichlich Wirbel gesorgt. Nicht wenige Mitglieder kritisieren die Art und Weise und die Begründung für die Trennung. Vor allem das Argument Generationswechsel scheint bei einigen Beitragszahlern nicht gut anzukommen. "Ich finde es zynisch, wenn wir einen 61-Jährigen für zu alt erklären, um dieses Amt auszuüben", sagt zum Beispiel Helmut Sendlmeier und verweist einerseits auf die Diskussion um längere Lebensarbeitszeit und andererseits auf entsprechende Antidiskriminierungsregeln. "Gerade in Verbänden sollte Platz für erfahrene Leute sein", so der Chef der deutschen McCann-Gruppe.

Kritisch äußern sich auch die Chefs einiger Inhaberagenturen wie Stiehl/Over in Osnabrück und Wefra in Neu-Isenburg. "Es verwundert immer aufs Neue, dass Agenturen - Profis auf dem Gebiet der Kommunikation - so unprofessionell interne Probleme lösen" sagt Matthias Haack, Geschäftsführender Gesellschafter von Wefra.

Wefra-Chef Matthias Haack: Es verwundert immer aufs Neue, dass Agenturen - Profis auf dem Gebiet der Kommunikation - so unprofessionell interne Probleme lösen."“
Andere Agenturchefs sprechen sogar davon, dass sie angesichts der jüngsten Entwicklungen ihre künftige Rolle im GWA überdenken wollen. Vereinzelt soll es sogar zu Austrittsdrohungen gekommen sein. Einer, der sich "entsetzt" über die aktuellen Vorgänge zeigt, ist Stephan Heller von der Münchner Agentur Heller & Partner. In einer E-Mail an von Vieregge, die gleichzeitig an alle GWA-Mitglieder adressiert war, bezeichnet er es als "Riesenfehler, Sie so ziehen zu lassen". Was jetzt passiere, sei "unwürdig und ich schäme mich für das Verhalten unseres Verbands Ihnen gegenüber", schreibt das ehemalige Mitglied im GWA-Vorstand.

Vermutungen, mit seinem Engagement verfolge er nicht zuletzt eigene Interessen und Ambitionen, möglicherweise sogar auf das Präsidentenamt, erteilt Heller eine Absage: "Mich drängt es nicht zurück in Amt und Würden. Aber ich war bisher stolz, im GWA zu sein, und möchte, dass das so bleibt. Dramatische Fehler wie dieser helfen dabei nicht."

Spannend wird die Frage, wie es nun in der Geschäftsstelle weitergeht. Präsident Holger Jung und sein mutmaßlicher Nachfolger Peter John Mahrenholz wollen sich nach wie vor nicht zur Sache äußern. Insidern zufolge sind aber bereits Gespräche mit möglichen Kandidaten für den Posten des Hauptgeschäftsführers angelaufen. Offenbar richtet sich das Augenmerk diesmal darauf, einen Profi aus dem Agenturumfeld für das Amt zu gewinnen. Langjährige Verbandserfahrung scheint dagegen nicht unbedingt im Vordergrund zu stehen.

Mehr zum Thema lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 31/2008 vom 31. Juli

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