Der VDZ-Workshop 2009: Ein Tagebuch

Donnerstag, 08. Oktober 2009
Der Kreativ-Workshop des VDZ: Arbeiten unter der Sonne Mallorcas
Der Kreativ-Workshop des VDZ: Arbeiten unter der Sonne Mallorcas

In dieser Woche findet der 18. Kreativ-Workshop des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) statt. Im Academy Resort Carrossa auf Mallorca arbeiten, diskutieren und lernen Nachwuchskreative mit Profis aus der Werbe- und Medienbranche. Das Leitthema des diesjährigen Kreativworkshops heißt "Innovative Printwerbung" und soll sich nach Angaben des VDZ mit "neuen Wegen in der Markenkommunikation in einer vernetzten Medienwelt" auseinandersetzen. Zu den Referenten gehören unter anderem Neil French, ehemaliger Kreativdirektor der WPP Group PLC, Ove Gley, Creative Director in Berlin, Matthias Spaetgens, Geschäftsführer Kreation bei Scholz & Friends in Berlin, Stephan Vogel, Geschäftsführer Kreation bei Ogilvy & Mather in Frankfurt, Jochen Wegner, Chefredakteur Focus Online, Frank-Michael Müller, Geschäftsführer des Focus Magazin Verlags, beide in München, sowie Nils Müller, CEO und Gründer von Trendone, Hamburg.

Die Teilnehmer berichten auf HORIZONT.NET in Form eines Tagebuches von ihren Erlebnissen auf Mallorca. 

Montag, der 5. Oktober 2009

Montag, 5. Oktober 2009

Der VDZ-Workshop 2009 mit Referent Oliver Handlos
Der VDZ-Workshop 2009 mit Referent Oliver Handlos
Der Pool. Die Sonne spielt mit unseren bildschirmgebleichten Leibern. Hübsche Mädchen plantschen mit den Füßen im Pool, während der laue Wind der Balearen durch ihre Locken fährt.

Der Softdrink ist schon wieder alle, doch die Aussicht den Hügel hinab Richtung Meer ist einfach zu herrlich, als dass man sich davon loseisen könnte. Was liegt da näher, als über die Deutsche Bahn nachzudenken.

Doch der Reihe nach: Die Sonne war noch nicht aufgegangen, da saßen die 20 hochmotivierten Jungwerber schon im Seminarraum und konnten es gar nicht glauben: Sie hatten ihre Pässe wiederbekommen. "Pyrotechniker" Jochen Wegner gab einen kurzen und informativen Einblick in die Zukunft der explodierenden Online-Medien. Der User bezieht seine Nachrichten nicht mehr aus einem einzigen Kanal, sondern wird statt dessen auf zahlreiche Kanäle wie Twitter, RSS-Feeds etc. zugreifen.

Der nächste Referent Oliver Handlos zerriss erstmal den "Spiegel" und haute uns die Printanzeigen um die Ohren. Anhand von Meeresschnecken und Meerschweinchen wurde uns der Weg zum Löwen aufgezeigt. Mit diesem Input gerüstet, verteilten sich die einzelnen Kreativteams in die Kaktusfeigen-Haine und Orangenplantagen, um bei geschätzten 30 Grad für die Deutsche Bahn DIE innovative Printlösung zu suchen.

Dann wie gesagt Pool. Noch mehr Sonne und ein - wie unsere zwei Quoten-Ösis sagen -  "urleiwandes" Abendessen. Zum Nachtisch labten wir uns an der Crème de la Crème der Werbung - den aktuellen Clio-Awards. Morgen dann Meer.

Dienstag, der 6. Oktober

Dienstag, 6. Oktober 2009

Nils Müller und Daniel Bischoff von Trend One
Nils Müller und Daniel Bischoff von Trend One
Unterwegs mit Captain Future

Liebes Tagebuch,
heute haben wir viel gelernt! Zuerst haben wir erfahren, was der Künstler Piet mit guter Printwerbung zu tun hat: Ein stringentes Kommunikationsmuster. Holger Busch, Geschäftsführer Anzeigenmarketing des VDZ, hat in seinem Vortrag "Das Auge sitzt vor dem Verstand - oder: Wie Print wirkt" verdeutlicht, wie wichtig die Wiedererkennbarkeit von Marken in der Printkommunikation ist.

Doch plötzlich tauchten Captain Future Nils Müller (CEO und Founder von Trendone) und sein "Brain" Daniel Bischoff mit ihrem Raumschiff voller Trends aus dem Jahre 2021 auf und entführten uns in die Zukunft. Unser Seminarraum wurde dank ihnen zur interaktiven Schaltzentrale der futuristischen Medien. Nach einem Crashkurs in Sachen neuster Technologien wie zum Beispiel Augmented Reality, Outernet und Digital Layer waren wir in der Lage eigene Innovationen zu kreieren:  Das Mobile Apartment Searchtool, um nur eines von vielen zu nennen, das die virtuelle Wohnungssuche mit Hilfe eines Augmented Layers vereinfacht.

Nach diesem Ausflug wurde es Zeit für uns, wieder Bodenkontakt aufzunehmen. Strandkontakt um genauer zu sein. Neben Sonne tanken und Ideen ausbrüten ging es mit dem Speedboot die mallorquinische Küste entlang. Kulinarische Köstlichkeiten aus dem Meer und dem umliegenden Weideland verdeftigten uns den Abend, den wir beim Schreiben dieses Lageberichts auf Carossa ausklingen ließen.

00:30 Uhr Ortszeit und wir sind gespannt auf morgen und Neil French! Over and out.

Mittwoch, der 7. Oktober 2009

Mittwoch, der 7. Oktober 09

Sonnenaufgang auf Mallorca
Sonnenaufgang auf Mallorca
Für ein paar Sekunden stand er da oben auf der Terrasse. Es war beinah windstill, der Mond stand über dem wuchtigen Berg, der sich vor ihm erhob, während die Sonne dem Nebel, der die Täler der endlosen Berglandschaft umhüllte, einen schwachen gelblichen Schimmer verlieh. Mittags würde er von hier aus sogar das Meer sehen können, hatte man ihm gesagt.

Als Kreativdirektor wusste er normalerweise mit Ästhetik umzugehen, aber dieser Anblick rührte ihn zutiefst. Ergriffen von so viel Schönheit, die sich vor seinen Augen breit machte, sog er noch einmal tief die nasse Luft in seine Lungen, bevor er die Treppe wieder hinabging und sich in Richtung Haupthaus begab.

Referent Ove Gley bei seinem Vortrag
Referent Ove Gley bei seinem Vortrag
Es war 8.05 Uhr als Ove Gley den Frühstücksraum betrat, in dem die Seminarleitung mit zwei jungen Kreativen gemeinsam ihr Frühstück einnahm. Noch 55 Minuten hatte er Zeit die unglaubliche landschaftliche Impression zu verarbeiten, bevor er den 20 Teilnehmern des Workshops sein Wissen vermitteln würde.

Ob es die Begegnung mit der Natur am frühen Morgen war, oder das Gespräch mit den Nachwuchs-Kreativen am Vorabend am Pool, die ihn dazu hinrissen, seinen Vortrag nach vierzig Minuten in eine offene Diskussionsrunde zu verwandeln, bleibt dahingestellt - in jedem Falle wurde die Chance des offenen Diskurs von den Teilnehmern begrüßt. Ove Gley demonstrierte der Runde, dass man aus dem Hosenschild einer Levi's Jeans eine Printanzeige für Minolta-Kameras entwickeln kann. Die Art Directors ermunterte er,  Typographie kreativ einzusetzen und den Textern erklärte er, dass die gute alte Longcopy noch weit vom Aussterben entfernt wäre. 

Dann war es auch schon wieder so weit. Es war 10.30 Uhr. Ove Gley's Vortrag war zu Ende und seine Arbeit auf Mallorca erledigt. Noch einmal schaute er sich das unglaubliche Panorama an, nahm seine Tasche und stieg in den Wagen, der ihn an den Flughafen fahren sollte.

"Mister Copywriting" Neil French mit den Nachwuchskreativen
"Mister Copywriting" Neil French mit den Nachwuchskreativen
Die Sonne hatte mittlerweile die Nebelschwaden aus den Tälern vertrieben und auf der Finca warteten nun alle auf das Eintreffen von "Mister Copywriting himself", the one and only Neil French. Und während ein Nachwuchskreativer gefährlich lebt, wenn er zu spät kommt, ist das bei einem Star natürlich eine völlig andere Sache. Neil French kam zu spät zu seinem Vortrag, aber pünktlich zum Mittagessen.

Nachdem er lieber Rotwein als Wasser zu sich genommen, und das gemeinsame Mittagessen mit seinen Sprüchen in eine gelungene Comedy-Show verwandelt hatte, ging es gleich noch viel besser weiter. Im Konferenzraum der Finca hagelte es Sprüche und Anekdoten aus dem Leben eines Mannes, der über Jahrzehnte hinweg weltweit der Werbung seinen Stempel aufgedrückt hatte. Schon nach wenigen Sekunden, wusste jeder wieso. Neben seinen einzigartigen Kampagnen, die ihn auszeichneten, war es auch sein väterliches „Son" zu den Jungs und „Darling" zu den Mädels, oder mal ein „Bloody Bastard", dass ihn so sympathisch machte. Aber auch seine Expertise in der Beurteilung der Aufgabe, die die Teilnehmer bei ihm zu erledigen hatten, verdeutlichte warum er weltweit solch ein Ansehen genoss. Seine lässigen, lockeren, aber trotzdem immer sachlichen Einschätzungen verdeutlichten allen Teilnehmern, dass Werbung nicht nur addy sein sollte, sondern so gut, das er sich darüber aufregen könnte.

Der Meister der Longcopy entließ dann alle seine liebgewonnen Schäfchen zurück in die Obhut Dr. Stephan Vogels, der bei allen Teilnehmern noch mal die Fortschritte der Workshop-Aufgabe begutachtete und mit Tipps und Tricks zur Seite stand. Nach einem weiteren Abendessen mit viel Vino und Wasser kamen die jungen Kreativen erneut in den Genuss unglaublicher Geschichten aus dem ereignisreichen Leben des Referenten. Ob Rockmusik oder Stierkampf, Neil French hatte nicht zu viel ausgelassen in seinem abenteuerlichen Leben.

Gegen 23.00 Uhr entließen frische feuchte Abendluft, Bier und Wein die Kreativen in die Nacht. Es war ein ereignisreicher Tag gewesen mit einem dichten Programm, aber auch einer Menge Spaß. 

Donnerstag, der 8. Oktober 2009

Donnerstag, der 8. Oktober 2009

Valentin Burkhard
Valentin Burkhard
Die Fakten, Fakten, Fakten zum Donnerstag

6: Anzahl, wie oft Neil French den Mittelfinger erhoben hat

SmartAss of the day: Valentin Burkhard

Brave, Creativity. Self-Confidence; Prinzipien in der Werbung laut Neil French

Neil French Award Ranking: Heimat - Gold, Leo Burnett - Silber, TBWA - Bronze

5,3: Reichweite des Focus in Millionen

45.000: Kosten für eine 1/1 Anzeige im Focus in Euro

68: Anzahl der Sonderwerbeformen, die im Focus möglich sind

RFID: Mafo-Tool des Tages

17: Anzahl der Focus-Hefte, die für die Präsentationen zerschnitten, beklebt und zerrissen wurden

22: Anzahl der Vorschläge für Sonderwerbeformen für die Deutsche Bahn

Frank-Michael Müller, Geschäftsführer Focus Magazin Verlag
Frank-Michael Müller, Geschäftsführer Focus Magazin Verlag
10: Anzahl der Ideen, die in die Finalisierung gehen

20: Seufzer der Erleichterung nach der Präsentation

3: Gestorbene Lämmer für den Grillabend

5: Länge der Buffettafel in Meter

39,5: Körpertemperatur der Sängerin von FireNight

2: Kochlöffel mit denen auf Bongos getrommelt wurde

72: getrunkene Biere während der ganzen Woche

13: Länge der Zigarre von Holger Busch in Zentimeter

Marlboro: Zigarettenmarke des Tages

Der Mann mit dem meisten Feuer: Réné Ewert

Der Mann mit den meisten Zigaretten: Ist eine Frau

Frau mit dem schönsten Lockenkopf: Eva-Annabella v.d. Schulenburg

2: Uhrzeit der Spitzennutzung des Pools

2: Anzahl der Leute, die im Pool mit Kleidung gebadet haben

Chlorwasser: Meist getrunkene Flüssigkeit nach 3 Uhr

9: Aspirin, für den morgen danach

3: Anzahl der Gänge pro Mahlzeit

86: Anzahl der nicht gegessenen Fischgerichte

1: Gesichtete Ufos

2: Sternschnuppenerni

380 Wörter/Sekunde: Sprechgeschwindigkeit eines echten Darmstädters

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