Der 19. Kreativ-Workshop des VDZ: Ein Tagebuch

Freitag, 08. Oktober 2010
Die Teilnehmer des 19. VDZ-Kreativworkshops auf Mallorca
Die Teilnehmer des 19. VDZ-Kreativworkshops auf Mallorca


In dieser Woche fand der 19. Kreativ-Workshop des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) statt. Im Academy Resort Carrossa auf Mallorca arbeiteten, diskutierten und lernten Nachwuchskreative mit Profis aus der Werbe- und Medienbranche. Das Leitthema des diesjährigen Kreativworkshops heißt "Innovationen in Medien und Werbung". Zu diesem Thema werden unter anderem Andreas Mengele, Co-Gründer Heimat Berlin, Britta Poetzsch, Executive Creative Director McCann Erickson, Kai Röffen, Geschäftsführer von Kempertrautmann West, Eric Schoeffler, Executive Creative Director DDB Düsseldorf, Carolin Rottländer und Markus Hurek vom Focus sowie Nils Müller, CEO von Trendone Hamburg auf der Insel erwartet.

Die Teilnehmer berichten auf HORIZONT.NET in Form eines Tagebuches von ihren Erlebnissen auf Mallorca.


Der kreative Nachwuchs bei der Arbeit
Der kreative Nachwuchs bei der Arbeit

Sonntag, 3.Oktober 2010
Dass wir das noch erleben dürfen

Den Tag der Deutschen Einheit verbringt man am besten im Ausland. Konkreter im 17. Bundesland: auf Mallorca. Außentemperatur 26°, Wassertemperatur 24°, Cruzcampo Cerveza Pilsen 7°.

Referent Markus Hurek, Focus
Referent Markus Hurek, Focus
Fünf Gruppen mit bis zu vier Nachwuchswerbegöttern aus Deutschlands feinsten Agenturen lassen es sich gut gehen. Doch vor allem wird hart gearbeitet. Bis kurz vor Mitternacht bringen VDZ-Geschäftsführer Holger Busch, Markus Hurek vom "Focus" und Kai Röffen von Kempertrautmann uns das Briefing näher: Den lieben Sponsor "Focus" (zumindest kommunikativ) mit dem "Spiegel" auf Augenhöhe zu bringen. Fragezeichen bleiben, Poolparties bleiben aus.

Vorerst. Denn wenn unsere lieben Kollegen um 9 Uhr im Montagsmeeting sitzen, werden wir schon zwei Stunden gearbeitet haben: Dies ist nicht die Zeit für Tresensport. Dies ist die Zeit für Ideen. Die Zeit für Relevanz. Für Haltung, Optimismus und starke Bilder. Für das Wahre, das Schöne und das Gute. Und in diesem Moment, in dem nichts so wichtig ist wie Orientierung, springt eine Generation in die Bresche, die schon als abgeschrieben galt. Warum? Diese Frage klären wir morgen.


Trendscout Nils Müller von Trendone
Trendscout Nils Müller von Trendone
Montag, 4. Oktober 2010

Gerne würden wir Ihnen diesen Text auf ihre interaktive Kontaktlinse schicken. Inklusive unseren GPS-Daten, Gemütszuständen und kulinarischen Eindrücken. Aber bis zum Jahr 2021 ist es noch etwas hin und so muss altertümliche Technik herhalten: das Internet.
Schade, denn Zukunft zu schreiben, ist, wie wir heute gelernt haben, eigentlich ganz einfach. Man muss sich nur was trauen.

Unser erster Referent, Kai Röffen, ist darin Spezialist. Seine Botschaft nach vierundzwanzig Jahren Berufserfahrung: Nur wer weit springt, kann auch begeistern. Doch wer weit springen will, muss erst einmal wissen, wohin. Sprich: das Kundenproblem wirklich verstehen.

Und damit beginnt der Spaß. Regeln brechen, neue Wege einschlagen, experimentieren. Nicht als Selbstzweck, sondern als echte Lösung eines Kommunikationsproblems. Dabei spielt klassische Werbung eine wichtige Rolle. Aber nicht unbedingt immer die erste Geige.
Manchmal liegt die Lösung nämlich viel näher. Wie zum Beispiel, würden Sie Kinder dazu motivieren, sich häufiger die Hände zu waschen? Würden Sie mahnende Anzeigen schalten? Oder vielleicht doch eher ein cooles Spielzeug in die Seifenstücke einbetten? Eben.

So weit die Theorie. Das praktische Handwerkszeug hatten - praktischerweise - Nils Müller und Konstanze Kossack von Trendone im Gepäck. Ihr Blick in die Zukunft reichte von druckbaren Lautsprechern über die virtuelle Anprobe der neusten Sonnebrillenmodelle bis hin zum essbaren Kochbuch - und damit weit über den Tellerrand hinaus.

Mehr und mehr gesellte sich zu der strahlenden Sonne Mallorcas das wohlig warme Gefühl, dass die Werbung ihre besten Zeiten vielleicht sogar noch vor sich hat.
So machten wir uns entsprechend motiviert an die Lösung unseres Workshop-Briefings. Ganz ohne interaktive Kontaktlinsen. Aber dafür mit einem geschärften Blick dafür, was schon heute wirklich wichtig ist.


Heimat-Geschäftsführer Andreas Mengele
Heimat-Geschäftsführer Andreas Mengele

Dienstag, 5. Oktober 2010
Nach einer weiteren Nacht auf dem paradiesisch gelegenen, ehemaligen Gutshof holte uns schon am Morgen die gestrige Zukunft wieder ein. Beim Frühstück war Nils Müller das Gesprächsthema Nummer 1. Mit seiner Präsentation schien er bei uns allen einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Wow!

Auch nach dem Frühstück ging es mit dem Thema Zukunft weiter. Andreas Mengele, Geschäftsführer, Heimat Berlin, steuerte nicht nur seine Keynote-Präsentation über sein iPhone, er verdeutlichte uns auch, dass es einfacher sein kann, Zukunft zu machen, als nur darüber zu reden. Dies bewies er uns schon anhand des Präsentationstitels "House of Ochestra of Integrated Ideas of Innovation and Hubble". Nach vielen interessanten Fallbeispielen stellte er uns die fünf wichtigsten Regeln für die Kreativkarriere vor und das anhand seines Kunden Hornbach.

1. "Es ist in dir, lass es raus"
2. "In jedem Projekt steckt ein Teil von dir"
3. "In jeder Hütte steckt ein Heim"
4. "Mach es zu deinem Projekt"
5. "Du kannst es dir vorstellen, also kannst du es auch bauen."

Also: Wir sind Hornbach.

Referentin Britta Poetzsch mit VDZ-Geschäftsführer Holger Busch
Referentin Britta Poetzsch mit VDZ-Geschäftsführer Holger Busch

Britta Poetzsch, CCO McCann Erickson, leitete die zweite Tageshälfte ein. Ihr Vortrag "Manchmal muss man einen Flop wagen um am höchsten zu springen" beinhaltete spannende Cases, die uns erneut verdeutlichten, dass es keine Regeln für innovatives Denken gibt. Kurz vor dem Mittagsessen wurden wir von Britta auf Weight Watchers gebrieft. Das Völlegefühl nach dem Essen brachte uns der Zielgruppe näher und half uns dadurch bei der Ideenfindung. Nach kürzester Zeit wurden die unterschiedlichsten Ideen aller Gruppen vorgestellt.

Um 16 Uhr erreichte der Reisebus das Seminarhotel und unser Ausflug nach Colònia de Sant Pere konnte beginnen. Unsere Gruppe teilte sich dann dort auf. Ein Teil konnte mit Heinz dem Kapitän in einem Schlauchboot über das Meer rasen und der andere Teil konnte sich erst mal an den Strand legen. Nachdem alle getoastet und durchgeschüttelt waren ließen wir den Abend im Hafen Restaurant ausklingen. Die Zukunft muss dann wohl bis morgen warten.


VDZ-Geschäftsführer Holger Busch
VDZ-Geschäftsführer Holger Busch
Mittwoch, 6. Oktober 2010

Ladies and Gentlemen, Damen und Herren. Willkommen im Jahr 2010. Wow! Heute schlossen wir nicht die Augen, denn wir hatten die Reize unserer Zeit fest im Blick. Oder auch nicht, denn der Beamer blieb an diesem Morgen erstmals aus. Die Tücken der Technik verzögerten Holger Buschs Vortrag. Sein Thema: "Print wirkt - aber wie?" Nun ja, dies wäre wohl einer dieser Momente gewesen. Aber kein Papier war weit und breit in Sicht. Stattdessen eine souveräne Lösung. Holger entschied sich einen Hauch von Future zurückzuholen und begann einfach mit dem 2. Teil seines Vortrags. "Wie Anzeigen in Magazinen wahrgenommen werden - Erste Ergebnisse aus dem AIM-Anzeigentracking."

Die Erkenntnisse waren erschütternd. Wieder einmal wurde anhand modernster Markforschungstechniken bewiesen, dass negative Wörter in Headlines einfach nicht verkaufen. Ein attraktiver Preis in 80 Punkt Schriftgröße mit 0 % Angeboten dafür um so besser. Soweit die Theorie. Dass es in der Praxis anders funktionieren kann, liegt es nun an uns zu beweisen. Im zweiten Teil des Vortrags - der ja eigentlich der erste war - hatten wir die schwierige Aufgabe uns 53 Anzeigen im 4 Sekunden Takt zu merken. Während die meisten schon nach Mon Cherie und Mercedes aufgaben, brachte es Denny auf stolze 25 und bewies damit ein fast fotografisches Gedächtnis. Zur Belohnung bekam er eine Flasche Wein und wir gleich die nächste Aufgabe. Den Dalmatiner, der auf einer anderen Anzeige versteckt sein sollte, suchen aber die meisten von uns noch immer.
Der Rest des Tages verlief in den einzelnen Arbeitsgruppen weitgehend unspektakulär. Höchste Zeit also, wieder ein Sprung in die Zukunft zu machen...

Es ist jetzt 0.20 Uhr. Die Zikaden zirpen. Der Wein knallt. Die Daumen glühen. Wir sitzen noch an den Präsentationen bis Manolo uns bittet Schluss zu machen. Wow, das ist Gegenwart!

 
Dozent Eric Schöffler mit Kai Röffen und Holger Busch (v.l.)
Dozent Eric Schöffler mit Kai Röffen und Holger Busch (v.l.)

Donnerstag, 7. Oktober 2010
Copy (nicht aufteilen oder Absätze reinmachen):


Wecker... wieder... und dann wieder... und dann vielleicht wieder... Donnerstag... Schlusspurt... schreibt sich mittlerweile schon seit längerer Zeit mit drei s... macht nix, is noch früh... doch nicht: Kurz vor. Brötchen rein. Kaffee drauf. Nikotin. Hält... Noch ein Dozent: Eric Schöffler... Egal. Hoffentlich macht er nicht so lang... Brauchen noch Zeit für unsere Präsen... wie, schon zwei Stunden rum? geiler Typ... geiler Vortrag... Quintessenz: Der Mann hat ein iPad. Aber seine Tochter den Plan, wie man es benutzt... und wir sind  die Schnittstelle: "Eure Chance"... stürmischer Applaus. Gefühlte Windstärke 10 von 10... Sogar die Veranda-Tür macht mit... Begeisterung vorbei... Zeit für Panik... 5 MacBooks öffnen sich... Die Himmelsrichtungen rotten sich zusammen... zwischen hektischen, kritischen und Schulterblicken treiben die Gruppen Powerpoint, Photoshop und InDesign bis an ihre Grenzen... Irgendwo rutscht noch eine Suppe durch... Meeresfrüchte... Dachte, wir hätten das Mittelmeer schon leer gefuttert... Mist... Vielleicht läuft ja heute Abend doch noch ne Kuh vorbei... Einlass: Der Saal wird abgedunkelt... Beamer an... falscher Adapter... Apple, die Abzocker... anderer Rechner her... läuft... Jetzt genießt der Focus die balearischen Früchte unserer Arbeit... Sabroso! Ein strategischer Gaumenschmaus, gespickt mit individuellen Kernbotschaften an einem herzhaften Allerlei aus erfrischender Kreation... in 5 Gängen... Dann endlich... wird geteilt: Ovationen für alle... For free... aber auch nicht gerade unverdient...

Durchatmen...

Und jetzt ab  zur Mallorquinischen Nacht. Nummer fünf...

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