Das Rennen um Scholz & Friends ist eröffnet

Donnerstag, 03. Februar 2011
Die Scholz & Friends-Holding soll verkauft werden
Die Scholz & Friends-Holding soll verkauft werden

Für die Agenturgruppe Scholz & Friends und ihre Muttergesellschaft Commarco wird ein neuer Eigentümer gesucht. Laut einer Meldung von Reuters hat der Finanzinvestor Cognetas, der 69 Prozent der Anteile an Commarco hält, die Investmentbank Rothschild damit beauftragt, einen Käufer für das Kommunikationsunternehmen zu finden. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es allerdings nicht. Ein möglicher Interessent ist die britische WPP-Gruppe. Nach Informationen von HORIZONT beschäftigt sich die Holding hinter den Kulissen bereits mit dem Thema. Konzernchef Martin Sorrell hält sich dazu naturgemäß bedeckt. Im Interview mit HORIZONT bekräftigt er allerdings sein Interesse an Akquisitionen in Deutschland - und zwar in allen Disziplinen: "Deutschland ist für uns ein schnell wachsender Markt. Deshalb sehen wir uns in allen Bereichen um."

WPP könnte hierzulande im Bereich Werbung durchaus Verstärkung gebrauchen. Von den vier Werbenetworks, mit denen die Gruppe in Deutschland aktiv ist, steht eigentlich nur Ogilvy gut da. Grey hat an Strahlkraft verloren, JWT und Y&R kämpfen seit Jahren um eine Rückkehr zu ihrer früheren Marktbedeutung.

Bei Commarco beziehungsweise Scholz & Friends weiß man von einem WPP-Interesse bisher nichts. Dass die Gruppe, zu der auch Agenturen wie GKK und Deepblue Networks gehören, früher oder später verkauft werden soll, liegt auf der Hand. Finanzinvestor Cognetas will sein Investment versilbern. Das Private-Equity-Haus hatte 2003 die Herauslösung von Scholz & Friends bei Cordiant ermöglicht. Die Transaktion hatte damals ein Volumen von 50 Millionen Euro.
WPP-Chef Martin Sorrell sondiert Übernahmeziele in Deutschland
WPP-Chef Martin Sorrell sondiert Übernahmeziele in Deutschland


Schon in der Vergangenheit hat es Gespräche mit potenziellen Käufern gegeben, darunter auch große internationale Werbeholdings. Bisher haben die Gespräche aber nicht zum Erfolg geführt. Auch für den US-Werbekonzern Interpublic könnte der Deal interessant sein. Immerhin hat Scholz & Friends zuletzt den internationalen Etat von Opel gewonnen - gegen die Interpublic-Tochter McCann. Der Opel-Mutterkonzern General Motors ist einer der größten Kunden der Holding. Zudem wird gerade nach einem neuen Deutschland-Chef für McCann gesucht. Womöglich könnte Interpublic mit der Übernahme von Commarco mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Neben dem Verkauf an einen strategischen Investor kommt aber auch die Möglichkeit infrage, die Agenturgruppe an einen anderen Finanzinvestor zu veräußern. Dies würde dem operativen Management um die beiden Commarco-Chefs Frank-Michael Schmidt und Christian Tiedemann die Chance eröffnen, die Gruppe weiter auszubauen und zu internationalisieren - wenn sie vom neuen Eigentümer mit ausreichend Kapital ausgestattet werden. Das aktive Management und die früheren Agenturchefs Thomas Heilmann und Sebastian Turner halten 31 Prozent der Anteile an Commarco.

Eine Übernahme des Unternehmens wäre der größte Deal im deutschen Agenturmarkt. Die Gruppe erzielte in Deutschland 2009 einen Honorarumsatz von 126 Millionen Euro. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. mam

Ein Interview mit WPP-Chef Martin Sorrell lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 5/2011 vom 3. Februar.
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