DDV steckt in der Krise

Donnerstag, 25. März 2004

Die schwelende Debatte nach dem Rauswurf von Geschäftsführer Holger Albers Ende 2003 hat sich mittlerweile zu einem Flächenbrand im Deutschen Direktmarketing Verband (DDV) ausgeweitet. Vizepräsident Thomas Lammoth und Agentur-Council-Chef Jens Grunewald haben ihre Ämter niedergelegt, Pressesprecherin Karen Gellrich hat gekündigt. Aktuell sorgen die Klage von Geschäftsführungsassistentin Nuria Algans gegen ihre fristlose Kündigung sowie ihre Strafanzeige gegen DDV-Präsidentin Kerstin Plehwe wegen Verletzung des Post- und Briefgeheimnisses für Zündstoff.

Algans Kündigung war ein HORIZONT vorliegendes Schreiben an den DDV-Vorstand vorausgegangen, in dem sie Plehwe vorwirft, sie habe im Verband "ein System der Aushorchung und Intrigen sowie politischer Machtspiele" aufgebaut. Mitarbeiter des DDV hätten "Angst vor der Willkür von Plehwe, die Menschen benutze, um ihre ureigensten wirtschaftlichen, politischen und sozialen Interessen durchzusetzen".

Plehwe weist die Vorwürfe zurück: Der Vorstand habe die Kündigung von Algans einstimmig beschlossen. Ihre Interessen bestünden darin, "den DDV für die Zukunft inhaltlich und strategisch gut aufzustellen". Allerdings sieht sich die Präsidentin nicht nur der Kritik der beiden gekündigten Mitarbeiter Albers und Algans ausgesetzt. Auch unter den Mitgliedern des DDV regt sich verstärkt Unmut über die Verbandsführung und ihre Informationspolitik. "Die Umstände der Entlassung des Geschäftsführers haben auch innerhalb des Verbands zu Unruhe geführt. Dieser Zustand wurde insbesondere durch die in sich zurückhaltende und nicht ausreichende Informationspolitik des Vorstands erzeugt", heißt es etwa in einem Brief eines Mitglieds an den DDV-Ehrenrsenat.

Dabei werden die in den Augen einiger Mitglieder "undurchsichtigen Gründe für die fristlose Entlassung von Albers" mittlerweile offen angezweifelt. Schließlich empfiehlt der Rechnungsprüfungsbericht DDV 2003 der Mitgliederversammlung "dem Vorstand und der Geschäftsleitung nach Abschluss der Buchführung Entlastung zu erteilen". Von einem Griff von Albers in die Kasse könne also nicht die Rede sein, sagt ein Verbandsmitglied.

Der Ehrensenat des DDV unter Leitung des früheren Verbandspräsidenten Heinz Fischer hat dem Vorstand mittlerweile sein Missfallen ausgedrückt. Seiner Aufgabe, bei Streitigkeiten innerhalb des Verbands zu schlichten, konnte das Gremium allerdings nicht nachkommen - die Fronten sind verhärtet. Zu einer Klärung im Falle Albers könnte es an diesem Donnerstag bei einem Gütetermin vor Gericht kommen. Wie es mit dem Verband und seinem Vorstand weitergeht, wird die Mitgliederversammlung am 2. April in Berlin zeigen. ems
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