Carat fordert von Opel-Lobbyist Volker Hoff und Reinhard Zoffel Schadenersatz

Mittwoch, 19. Januar 2011
Volker Hoff beim Ruzicka-Prozess (Bild: pdh-Foto / Wolfgang Hörnlein)
Volker Hoff beim Ruzicka-Prozess (Bild: pdh-Foto / Wolfgang Hörnlein)

Den ehemaligen Gesellschaftern der Werbeagentur Zoffel, Hoff und Partner (ZHP), Volker Hoff und Reinhard Zoffel droht im Zuge der Ruzicka-Affäre womöglich doch noch ein Zivilverfahren. In einem Mahnbescheid fordert Ruzickas einstiger Arbeitgeber Carat von dem CDU-Politiker Hoff und seinem früheren Geschäftspartner Zoffel auf 2,5 Millionen Euro Schadenersatz. Hoff ist seit einem Jahr Vice President Regierungsbeziehungen bei dem Rüsselsheimer Automobilkonzern Opel. Wie eine Aegis-Sprecherin gegenüber horizont.net bestätigt, ergingen die Mahnbescheide wenige Tage vor Jahresende, um die Verjährungsfrist zu wahren. Das "Manager Magazin" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass wiederum Hoff den Eingang des Mahnbescheids bestätigt und gleichzeitig ankündigt, dagegen Widerspruch einlegen zu wollen. "Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen", zitiert das Magazin den ehemaligen hessischen Europaminister.

Damit könnte es zu einem weiteren Gerichtsverfahren kommen, das der Prozess gegen Aleksander Ruzicka nach sich zieht. Der ehemalige Manager der Wiesbadener Mediaagenturgruppe Aegis Media, zu der auch das Netzwerk von Carat gehört, wurde im Mai 2009 wegen schwerer Untreue zu elf Jahren und drei Monaten Haft rechtskräftig verurteilt. Der Karlsruher Bundesgerichtshof bestätigte dieses Urteil kurz vor Weihnachten.

Im Zuge der Ermittlungen gerieten unter anderem auch die Inhaber der Wiesbadener Werbeagentur Zoffel, Hoff und Partner (ZHP) ins Visier der Staatsanwaltschaft. Hoff war bis 2006 einer der geschäftsführender Gesellschafter der Agentur, die später in Wunschkind umbenannt wurde. Das Wiesbadener Landgericht sah es als erwiesen an, dass Ruzicka 5,3 Millionen Euro über die Konten der ZHP gewaschen und veruntreut hat. Hoff, der während des Ruzicka-Prozesses als Zeuge geladen war, hatte dies vor Gericht bestritten.

ZHP beziehungsweise deren Rechtsnachfolger Wunschkind stellte Ende 2009 allerdings einen Insolvenzantrag und entging damit der Schadensersatzklage von Carat auf 7,5 Millionen Euro. Nun versucht die Mediaagentur offensichtlich einen Teil der Schadensumme auf dem direkten Weg über Hoff zurückzubekommen. Der Fall ist in mehrfacher Hinsicht politisch brisant. Der CDU-Politiker ist seit 1991 Mitglied des hessischen Landtags und war von 2006 bis 2009 in der Regierung von Roland Koch als hessischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Bevollmächtigter des Landes beim Bund tätig. Anfang 2010 trat er als Chef-Lobbyist bei dem Opel-Konzern an, der wiederum in puncto Media von der Aegis-Tochter ACT Europa betreut wird. ejej
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