Cannes: Voyeur-Grand Prix sorgt für Zündstoff

Donnerstag, 26. Juni 2008
Motiv der "Voyeur"-Kampagne
Motiv der "Voyeur"-Kampagne

Die New Yorker Online-Agentur Big Spaceship fühlt sich von der Cannes-Jury übergangen. Stein des Anstoßes sind mehrere Löwen, die BBDO für die gemeinsame HBO-Kampagne "Voyeur" erhalten hat. Big Spaceship kritisiert sowohl die Organisatoren des Cannes-Festivals als auch den New Yorker Agenturpartner und beansprucht ein Stück von der HBO-Awardtorte für sich. Der CEO von Big Spaceship und Jurymitglied der Cyber Lions Michael Lebowitz fordert, dass jede beteiligte Agentur in den Gewinnerlisten aufgeführt werden sollte. Insbesondere in Cannes sei das Award-System veraltet. Die Regel "Ein Löwe für einen Gewinner" sei den modernen Verhältnissen der Agenturszene nicht mehr angemessen. An der Realisierung einer integrierten Kampagne im Ausmaß von "HBO Voyeur" seien verschiedene Agenturen beteiligt, ohne die die Idee nie hätte umgesetzt werden können. So war Big Spaceship für den Internetauftritt und damit für die Digitalisierung des Kampagnenkonzepts verantwortlich.

Der Kreativchef von BBDO, David Lubars, verteidigte die Rolle seiner Werbeagentur gegenüber dem US-Fachtitel "Ad Age". Nach Lubars ist die Tochter der Omnicom-Gruppe Ideengeber und damit Initiator aller nachfolgenden Maßnahmen. BBDO habe die Idee entwickelt, den Film gedreht und hätte Big Spaceship lediglich mit der Digitalisierung beauftragt, so Lubars weiter. Als Lösung des Problems schlägt der Kreative eine Palme d'Or für digitale Produktion vor.

Dieser Vorschlag dürfte bei Leibowitz wenig Anklang finden. Schließlich wirft er BBDO vor, seine Interactive-Agentur als Produktionsfirma abzutun. Das sei aber angesichts der kreativen Leistung der digitalen Spezialisten eine Herabwürdigung ihrer Arbeit. Das Verhältnis von Werbeagentur und Kollaborateuren müsse neu definiert werden, fordert Leibowitz. 
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