Cannes: Martin Sorrell beklagt schwache Marketingabteilungen

Freitag, 25. Juni 2010
Sorrell: Marketingmanager können sich intern nicht gegen ihre Einkaufsabteilungen durchzusetzen
Sorrell: Marketingmanager können sich intern nicht gegen ihre Einkaufsabteilungen durchzusetzen

Martin Sorrell, CEO der weltgrößten Kommunikationsholding WPP, beklagt den geringen Einfluss vieler Marketingabteilungen in den werbungtreibenden Unternehmen. Bei einem Vortrag vor MBA-Kandidaten der Berlin School of Creative Leadership in Cannes sagte der WPP-Boss, dass viele Marketingmanager nicht stark genug seien, um sich intern gegen ihre Einkaufsabteilungen durchzusetzen. In vielen Fällen gelinge es nicht klarzumachen, welchen Beitrag Marketing und Werbung zum Erfolg eines Unternehmens leisten. "Wir tragen mit unserer Arbeit zur Steigerung des Umsatzes unserer Kunden bei", betonte Sorrell. Das müsse noch stärker verdeutlicht werden - auch innerhalb der Unternehmen, die sich seit einiger Zeit vorrangig für die Kostenseite interessierten.

Gleichzeitig appellierte Sorrell an die Adresse der Agenturen, ihre Leistungen und Angebote besser darzustellen - inklusive der Unterschiede. "Es geht um Differenzierung", so der 65-Jährige Holdingmanager. Dies sei nicht zuletzt nötig, um die richtigen Talente für die Branche zu gewinnen.

Einmal mehr wies Sorrell darauf hin, dass er das größte Wachstumspotenzial im Digital-Geschäft sowie in den sogenannten BRIC- (Brasilien, Russland, Indien, China) und Next-11-Staaten sieht. Diese Entwicklung werde auch sein eigenes Unternehmen verändern. "WPP wird in den nächsten Jahren digitaler und asiatischer werden", sagte Sorrell.

Auf die Frage, was er anders machen würde, wenn er heute noch einmal eine Agenturgruppe starten würde, erklärte Sorrell, dass er wohl nicht mehr an die Börse gehen würde. Privates Kapital ermögliche mehr Flexibilität. Ans Aufhören scheint er allerdings noch lange nicht zu denken. "Ich mache so lange weiter, wie man mich lässt", so Sorrell. Schließlich sei WPP sein Baby. In Anlehnung an einen Ausspruch des schottischen Fußballspielers und -trainers Bill Shankly sagte er: "WPP ist keine Sache von Leben und Tod - es ist wichtiger als das." mam 
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