Cannes: Magere Ausbeute bei den Press-Lions

Donnerstag, 24. Juni 2010
DDB holt Gold mit der VW-Golf-Kampagne (Motiv: "Rock")
DDB holt Gold mit der VW-Golf-Kampagne (Motiv: "Rock")

Keine guten Nachrichten gibt es aus der Wettbewerbssparte Press: Nur drei Löwen gehen nach Deutschland. Damit fällt das Ergebnis noch schlechter aus als in den vergangenen Jahren - 2009 hat die Jury fünf Statuetten an deutsche Werber verliehen, 2008 waren es sieben. Den Kreativen von DDB Düsseldorf vermiest das die Stimmung nicht. Sie können über Gold für ihre VW-Golf-Kampagne ("Moose", "Tree", "Rock") jubeln.  Ogilvy in Frankfurt heimst gleich zwei Löwen ein: Die umstrittene Arbeit für das „Rolling Stone Magazine" wird mit einem silbernen und einem bronzenen Lion veredelt. Umstritten deshalb, weil einige deutsche Kreative angemerkt hatten, die Kampagne sei noch gar nicht geschaltet. Das jedoch würde den Wettbewerbsregularien widersprechen, nach denen nur Arbeiten eingereicht werden dürfen, die bereits veröffentlicht worden sind. Beide Gewinnerarbeiten holten bereits Löwen in der Kategorie Outdoor.

Mit Silber veredelt: die Ogilvy-Arbeit für "Rolling Stone" (Motiv "Baby")
Mit Silber veredelt: die Ogilvy-Arbeit für "Rolling Stone" (Motiv "Baby")
Insgesamt gesehen ist das Ergebnis für die deutschen Kreativschmieden enttäuschend - ließen doch doppelt so viele Shortlistplatzierungen (44; 2009: 23) als im Vorjahr eigentlich auf ein besseres Ergebnis hoffen. Doch am Ende stehe fest, Anzeigen sind für hiesige Agenturen offenbar kein großes Thema mehr, sagt Jurymitglied Britta Poetzsch. „Große Marken, die früher sehr stark in Printkampagnen investierten, legen ihren Fokus jetzt auf andere Medien", so die Kreativchefin von McCann-Erickson. Volkswagen sei da eine der wenigen Ausnahmen.

Im Bereich Press hält der Trend an, mit intelligenten Arbeiten Kontakt zum Konsumenten aufzunehmen. „Viele Anzeigen stellen mittlerweile oft nur den Startpunkt für eine integrierte Kampagne dar. Sie verweisen auf die Verlängerung des Auftritts in andere Kanäle."

Die brasilianische Kampagne für das "Billboard"-Magazin erhält den Press Grand Prix
Die brasilianische Kampagne für das "Billboard"-Magazin erhält den Press Grand Prix
Bei der Diskussion um den Grand Prix konnte sich letztlich Almap BBDO aus Brasilien mit ihren Promi-Anzeigen für das „Billboard"-Magazin durchsetzen. Ursprünglich wollte das Gremium eine Kampagne für den Spieleklassiker Scrabble von Ogilvy in Mexiko mit dem Best-of-Show-Award prämieren. Kurz vor der Preisverleihung gestern Abend stellte sich jedoch heraus, dass diese Arbeit bereits vor zwei Jahren in Cannes eingereicht war und somit ungültig ist, weil laut den Wettbewerbsregularien keine Arbeit zweimal ins Rennen geschickt werden darf.

Insgesamt hat die Jury 73 Löwen verliehen, zwei mehr als im Vorjahr. Das Nationenranking führt Brasilien mit neun Löwen an, dicht gefolgt von Großbritannien und Frankreich mit jeweils 8, auf Platz 4 liegt Indien mit sechsmal Edelmetall. jm
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