Cannes Lions: Kein Gold für deutsche Anzeigen

Donnerstag, 19. Juni 2008
Der silberne Press Lion
Der silberne Press Lion

Von den Press Lions kehren die deutschen Teilnehmer auch in diesem Jahr ohne Goldmedaille zurück. Allerdings gab es dreimal Silber und viermal Bronze. Das ist eine deutlich bessere Ausbeute als 2007, als nur einmal Silber und einmal Bronze gewonnen wurde. Mit den acht Löwen liegt Deutschland hinter Brasilien (13) und Frankreich (12) zusammen mit Indien auf Platz 3 der Länderwertung. Insgesamt vergab die Jury einen Grand Prix, neunmal Gold, 29-mal Silber und 54-mal Bronze. Auffällig ist das schwache Abschneiden der erfolgsverwöhnten Agenturen aus den USA und Großbritannien. Für die USA gab es nur drei Bronze-Löwen, Großbritannien ging sogar vollkommen leer aus. „Offenbar war keine Arbeit gut genug“, begründet Jurypräsident Craig Davis, Kreativchef von JWT, das Resultat für diese Länder.

Aus deutscher Sicht können sich die Agenturen DDB (Arbeit: „Einparkhilfe“; Kunde: Volkswagen), Ogilvy Frankfurt („Matchbox“; Mattel) und Kemper Trautmann („Comedy Central“; MTV) über je einen Silber-Löwen freuen. Bronze sicherten sich Scholz & Friends für Weru, KNSK für Dolormin sowie noch mal DDB für Volkswagen („RNS 510 Navigation“). Auch wenn diese Bilanz insgesamt in Ordnung ist, dürften die Erwartungen bei einigen Agenturen vorher höher gelegen haben. So hatte DDB mehr als 100 Arbeiten in dieser Kategorie ins Rennen geschickt. Dafür ist die Ausbeute mit einem Silber- und einem Bronze-Löwen relativ bescheiden. Noch schlechter sieht es für Jung von Matt aus. Die Agentur hatte 83 Press-Arbeiten eingeschickt, davon schaffte es aber gerade mal eine auf die Shortlist.

Die deutsche Jurorin Ulrike Wegert von KNSK zeigt sich trotzdem zufrieden mit dem Abschneiden der Deutschen: „Das Ergebnis kann sich sehen lassen – vor allem im Vergleich zu den USA und Großbritannien.“ Gleichzeitig weist sie – genauso wie Jurypräsident Davis – darauf hin, dass die Herkunft der Arbeiten keine Rolle gespielt hat. „Wir haben in der Regel gar nicht gewusst, woher eine Anzeige kommt“, so Wegert. Von dem Gesamtniveau der Arbeiten zeigt sich die Kreative beeindruckt. Es könne keine Rede davon sein, dass Print tot sei. Vor allem der Grand Prix zeige, welche Kraft nach vor von Anzeigen ausgehen könne. „Das ist eine Arbeit, die Kopf, Herz und Bauch trifft“, sagt die deutsche Jurorin.

Gemeint ist die Anzeigenkampagne für Energizer-Batterien von DDB South Africa in Johannesburg. Die Motive stellen dar, welchen Unsinn Kinder anstellen können, wenn den Batterien ihres Spielzeug der Saft ausgeht. Laut Auskunft von Jurypräsident Davis war diese Arbeit klarer Gewinner des Grand Prix. Zwar habe es noch zwei andere Anwärter gegeben, letztlich habe sich aber die Energizer-Arbeit klar durchgesetzt. Ein andere Kandidat für den Grand Prix, der bereits Gold sicher hatte, wurde aus dem Wettbewerb zurückgezogen. Hier konnte der Verdacht nicht ausgeräumt werden, dass die Anzeige nie erschienen war.



Alle weiteren News vom Cannes-Festival 2008 finden Sie unten im Info-Kasten unter "Verwandte Themen".
Meist gelesen
stats