Cannes Lions: Florian Weischer kritisiert Zurückhaltung deutscher Teilnehmer

Mittwoch, 16. Juni 2010
Florian Weischer
Florian Weischer

Die Zahl spricht Bände: Gerade einmal 150 Delegierte aus Deutschland haben sich bis Ende voriger Woche für die Cannes Lions akkreditiert - rund ein Drittel weniger als im Krisenjahr 2009. Zu Spitzenzeiten waren über 650 Teilnehmer aus hiesigen Agenturen dabei. Der Grund: Die Kreativschmieden müssen auch weiterhin den Gürtel enger schnallen und ordentlich einsparen. Das sorgt natürlich für Verdruss beim Veranstalter und dessen Partnern. Hinzu kommt ein spezifisch deutsches Problem, das vor allem Florian Weischer, Geschäftsführer des deutschen Cannes-Lions-Repräsentanten Werbe Weischer, auf die Palme bringt: Viele Kreative fahren trotz allem nach Cannes - ohne sich jedoch für das Seminar- und Kongressprogramm zu akkreditieren. In einem Gastkommentar macht Weischer seinem Unmut Luft:


"Die Strandurlauber in Cannes können einem wirklich leid tun. Erst das große Unwetter vor ein paar Wochen, das große Teile der gepflegten Croisette-Strände verwüstete und nun auch noch eine Invasion der Deutschen am Plage du Festival. Denn nach Cannes fährt auch dieses Jahr eine große Gruppe von Werbern, Producern, Dienstleistern. Nur anmelden zum Kern des Geschehens, dem Festival selbst, tun sie sich nicht.

Da müssen eben die Geschäfte am Beach gemacht werden. Das aber bestimmt mit deutscher Gründlichkeit und schon vor dem Frühstück reservierten Liegen in der ersten Reihe. Die armen Touristen.

Mir tun ehrlich gesagt die deutschen Werber etwas mehr leid, die offenbar im vorauseilenden Sparzwang sich nicht mehr trauen, laut und deutlich zu sagen: Ja, ich fahre hin, um zu Lernen, zu Arbeiten und um meine Kunden zu treffen. Die Kunden sind ja - wenn es so weiter geht - in der Mehrheit. Zumindest aus deutscher Sicht.

Die haben ganz offensichtlich verstanden, dass gerade Zeiten des Wandels der richtige Moment sind, um all diesen gravierenden Veränderungen, die die Welt der Kommunikation vor ganz neue Herausforderungen stellen, mit offenen Augen und Ohren und wachen Sinnen zu begegnen. Ganz sicher auch mit der Demut, von den Besten weltweit zu lernen. Das brauchen deutsche Werber ganz offenbar nicht. Sie haben ja den Strand und die Liege in der ersten Reihe. Und das ganz für sich. Florian Weischer"


Mehr zum Thema Cannes und die wenigen offiziellen Anmeldungen deutscher Werber lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 24/2010, die am 17. Juni erscheint.

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