Cannes Lions 2005: Die brasilianische Epoche ist vorbei

Mittwoch, 29. Juni 2005

Die Press & Outdoor-Juroren favorisieren Anzeigen mit intelligenter Bild-Headline-Mechanik / Deutsche Agenturen holen elf Löwen Elf Löwen für Deutschland haben nicht ausgereicht, um den im Vorjahr erreichten 1. Platz in der Länderwertung der Press & Outdoor Lions zu verteidigen. In diesem Jahr dominierten französische Agenturen wie TBWA Paris, BETC Euro RSCG und DDB Paris den Wettbewerb. Der Press Grand Prix für EMI sowie mehrere Gold-, Silber- und Bronzelöwen für Kunden wie Pedigree, Sony Playstation und Zeiss bescherten TBWA Paris zudem den Titel Agentur des Jahres. In der Länderwertung liegt Frankreich damit an erster Stelle, gefolgt von Brasilien, Großbritannien und Singapur. Deutschland steht auf Rang 5.

Für den deutschen Juror Amir Kassaei kann Deutschland im internationalen Vergleich zwar mithalten, zur wahren Spitze würden jedoch noch etwa 20 Prozent fehlen. "Oft liegt es noch nicht mal an den Ideen, sondern an deren Exekution", kritisiert der DDB-Kreativchef die handwerkliche Qualität der deutschen Arbeiten. Im Hinblick darauf rage TBWA Paris deutlich hervor und verdiene zu Recht so viele Auszeichnungen wie in diesem Jahr. Kassaei zeigt sich aber zuversichtlich, dass Deutschland im Press & Outdoor-Bereich schnell aufholen wird.

Die erfolgreichsten deutschen Agenturen im Press & Outdoor-Wettbewerb sind DDB und Grabarz & Partner mit je einer Silber- und einer Bronzemedaille sowie Ogilvy & Mather mit drei Bronzemedaillen. Außerdem auf dem Siegertreppchen: KNSK mit einem silbernen Löwen, Scholz & Friends mit zwei bronzenen Statuetten und Springer & Jacoby mit einem bronzenen Löwen.

Besondere Trends gibt es in diesem Jahr nicht zu beobachten.. In den vergangenen Jahren wurden häufig Kampagnen ausgezeichnet, die getreu der "brasilianischen Methode" funktionierten – also Bildwitz plus Logo unten rechts zeigten. Inzwischen favorisieren die Juroren Anzeigen, die über eine intelligente Bild-Headline-Mechanik verfügen. Der Press Grand Prix ist ein gutes Beispiel dafür: Man muss sich mit der Headline beschäftigen, um den Sinn der Kampagne zu entschlüsseln. Kassaei ist überzeugt davon, dass "die brasilanische Epoche" vorbei ist und neue Wege in der Printkommunikation gefunden werden müssten.

Inzwischen nehmen auch kleine Nationen ihre Chance wahr, ein Stück vom Cannes- Kuchen abzubekommen. So ging der Outdoor Grand Prix in diesem Jahr nach Chile: Ogilvy & Mather, Santiago, holte den Preis für ein Lego-Motiv. "Es ist toll, dass die ganze Welt an Cannes teilnimmt", resümiert Jury- Chairman John Hunt. Gerade im Print-Bereich hätten auch kleine Nationen, in denen die Budgets gering sind, tolle Chancen, ungewöhnliche Arbeiten zu realisieren. Insgesamt sei die Qualität an der Spitze besser geworden, das Gros der Einreichungen lasse jedoch weiterhin stark zu wünschen übrig, so Kassaei

Die 8 Prozent, die es auf die Shortlist geschafft haben, hätten es jedoch verdient, weil sie sich deutlich vom Mainstream abheben. Im Vergleich zum Vorjahr wurden etwa gleich viele Arbeiten prämiert: In diesem Jahr gab es bei den Press & Outdoor Lions insgesamt 128 Löwen, im Vorjahr waren es 120. Die Zahl der Einreichungen kletterte von 9979 im Vorjahr auf 11366 in diesem Jahr. bu
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