Cannes: Einmal Gold, 3mal Silber und einmal Bronze für deutsche Agenturen

Montag, 28. Juni 1999

Es geht also doch: ein goldener Löwe, drei silberne und ein bronzener - so liest sich die Bilanz des 46. Filmwettbewerbs in Cannes aus deutscher Sicht, die beste übrigens seit Jahren. Überraschend mit Gold ausgezeichnet wurde der Anti-Gewalt-Spot „Spaziergang" (Regie: Nico Beyer) für den SWR, den Ogilvy & Mather, Frankfurt, kreiert und Neue Sentimental Film, Berlin, produziert hat. Ein Film, mit dem niemand so richtig gerechnet hatte. Weshalb auch schon Stimmen laut wurden, die sagen, der Film habe nur so hoch gescort, weil O&M-Chef Delle Krause in der Jury gesessen hat. „Alles Quatsch", winkt Krause ab. „In der Jury wird jeder Film diskutiert und nicht gemauschelt." Silber gab's dreimal: Für den Zak-Film „Handicap" (Regie: Caspar Hogerzeil) gegen rechte Gewalt. Viele hatten das Anti-Nazi-Commercial als würdigen Gold-Löwen im Kalkül, zumal es bei der Präsentation auf der Shortlist großen Applaus für den Spot gab. Das zweite Silber ging an Springer & Jacoby, Hamburg, und deren Lufthansa-Spot „New York, New York" (Produktion: Laszlo Kadar, Hamburg, und Radical Media, New York). Hier überzeugte die konsequente Umsetzung des Claims „You see the world the way you fly". Auch dieser Film war im Vorfeld nicht als potentieller Löwen-Gewinner gehandelt worden. Daß in Cannes die überraschenden und simplen Ideen gewinnen, beweist das dritte Silber: der von S&J für Markenfilm konzipierte Spot „Fast forward" (Produktion: Markenfilm, Wedel). Das Commercial war als Werbung für die Wedeler auf der „Shots"-Rolle zu sehen. Während im normalen Abspieltempo alles auf Buchstabensalat hinausläuft, erschließt sich der Sinn des Spots nur im Vorspulmodus. Erst dann ist zu lesen: „A big hello from Markenfilm, Germany." Bleibt noch der Bronze-Löwe. Der ging an Jung v. Matt, Hamburg, für den „Bild"-Spot „Interview" (Produktion: Chips & Clips, Hamburg) - jenes herzerfrischende „Äh, äh"-Gestammel deutscher Sportpromis. Leer ausging der S&J-Film „Stille" für Mercdes-Benz, den viele sogar schon als Goldgewinner hatten. Der diesjährige Grand Prix und der Journalisten-Preis gingen an die englische Agentur Lowe Howard-Spink für die "The Independent"-Kampagne. Neben dem Grand Prix verteilte die Jury 22 Gold-Awards, unter anderem gewannen Abbott Mead Vickers mit "Guiness", DDB mit Budweiser, Result DDB mit VW Lupo, Wieden & Kennedy mit "Nike"und Cliff Freeman and Partners mit Outpost.com. Zudem vergab die Jury 31mal Silber und 48mal Bronze. Erfolgreichste Nation sind die USA. Amerikanische Agenturen gewannen 6mal Gold, 7mal Silber und 9mal Bronze. Als Agentur des Jahres wurde DM9DDB Publicidade in Brasilien ausgezeichnet. Den Palme d'Or, die Auszeichnung für die beste Filmproduktion, nahm Propaganda/Satellite Films entgegen.
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