CEO Dickjan Poppema: "Grey hat ein wenig Speck angesetzt"

Donnerstag, 28. Februar 2013
Grey-Chef Dickjan Poppema nimmt Stellung (Foto: Susanne Günther)
Grey-Chef Dickjan Poppema nimmt Stellung (Foto: Susanne Günther)

Bei Grey in Düsseldorf herrscht Unruhe. Am vorigen Wochenende wurde bekannt, dass mit Werbeagenturchef Christian Hupertz, Finanzchef Andreas Janssen und Kreativchefgleich drei Führungskräfte von Bord gehen werden. Seitdem fragen sich nicht nur die Mitarbeiter, wie es bei der WPP-Agentur weitergeht. Nach der Ablösung von Gruppenchef Uli Veigel durch Dickjan Poppema Ende 2012 ist mit einer Neuausrichtung der Agentur und nicht zuletzt mit Sparmaßnahmen zu rechnen. Erster Schritt: Das Berliner Büro wird geschlossen. Es war aus der von Grey übernommenen Agentur Atletico hervorgegangen. Zuletzt war dort noch eine Handvoll Mitarbeiter beschäftigt. Im Interview mit HORIZONT nimmt Gruppenchef Poppema Stellung zur aktuellen Situation.

Bei Grey gehen drei Führungskräfte. Laufen Ihnen die Manager weg? Nein, die Motivationen der einzelnen Manager sind völlig unterschiedlich. Roland Vanoni zum Beispiel hat sich schon vor einiger Zeit entschieden, seinen Lebensmittelpunkt ins Ausland zu verlegen. Er ist übrigens auch noch lange nicht weg. Er ist noch ein ganzes Jahr da und wird uns weiterhin mit voller Kraft unterstützen - auch bei der Suche nach einem adäquaten Nachfolger und darüber hinaus.

Mit Ihrer Person beziehungsweise Ihrer Installierung als CEO haben die Abgänge nichts zu tun? Meiner Meinung nach war das in allen drei Fällen nicht der Anlass. Auch die Gespräche, die wir geführt haben, lassen nicht darauf schließen. Am besten wäre, Sie fragen die Kollegen selbst.

Dennoch verbreiten einige Akteure, dass nach der Ablösung des bisherigen Gruppenchefs Uli Veigel nun quasi alles zusammenbricht. Fehlt Ihnen die Akzeptanz in der Agentur? Bis dato habe ich für meinen offenen und ehrlichen Kurs sehr viel Zuspruch bekommen. Manchmal allerdings ist Ehrlichkeit hart. Grey wird auch die aktuellen Wechsel überstehen und gestärkt daraus hervorgehen. Aber Grey braucht auch einen Umbruch, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Als wie groß erleben Sie denn noch die Verbundenheit der Mitarbeiter mit dem früheren CEO Veigel? Lassen Sie mich die Frage so beantworten: Die Mitarbeiter sind der Agentur verbunden.

Welchen Anteil hat London beziehungsweise die Europa-Zentrale an den aktuellen Personalien? Manche glauben, Hupertz, Janssen und Vanoni gehen, weil sie den neuen Kurs nicht mittragen wollen. Nein, das ist nicht der Grund für ihr Ausscheiden. Noch einmal: Roland hat ganz private Gründe, da geht es darum, wo er künftig mit seiner Familie leben will. Andreas hat ebenfalls private, aber völlig andere Gründe und Christian hat schon im 4. Quartal 2012 angefangen, seine Zukunftspläne zu schmieden. Da war mein Vorgänger noch im Amt.

Sind weitere Abgänge im Management absehbar? Was ist zum Beispiel mit COO André Schieck? Ich gehe davon aus, dass mein jetziges Team so an Bord bleibt. Über André wird immer wieder spekuliert, aber er versicherte mir und der gesamten Grey-Mannschaft diese Woche nochmals, dass er keine Kündigungsabsicht hat.

Roland Vanoni gilt als "Mr. Allianz". Wie stark hängt der Etat an seiner Person - und wie wollen Sie Ersatz für ihn finden? Unser Mr. Allianz führt den Etat seit Jahren und genießt großes Vertrauen. Der Plan ist, dass er dem Etat auch nach seinem Ausscheiden in Düsseldorf im Februar 2014 treu bleibt - als eine Art "Creative Godfather" für Allianz. Ein Aufstieg sozusagen (lacht).Sie hatten jetzt gut zwei Monate Zeit, sich die Agentur anzuschauen. Welchen Eindruck haben Sie gewonnen? Grey ist eine Kommunikationsagentur mit einem starken Fokus auf strategische Markenführung. Das ist der Ursprung von Grey und da liegt auch ihre Existenzberechtigung - wie ich nun sehe völlig zurecht. Die Agentur hat mich im Bereich Digital und Brand Design bis dato am meisten überrascht. Wir haben da großartige Fähigkeiten, die ich so aus anderen Agenturen nicht kenne.

Wirtschaftlich scheint die Situation nicht ganz so großartig zu sein. Es heißt, die Agentur habe zuletzt keinen Profit mehr erzielt. Die Agentur hat wirtschaftlich klares Entwicklungspotenzial. Das werden wir nun anpacken.

Wohl auch mit Einsparungen, oder? Von anderen Networks weiß man, dass sie einen harten Sparkurs fahren müssen. Gilt das auch für Grey? Wie jede andere große Agentur hat auch Grey Deutschland ein wenig Speck angesetzt. Die Mutter hat uns nun ein Jahresabo für den Fitness-Club geschenkt. Jetzt geht es rauf aufs Laufband.

Allerdings ohne Grey Berlin. Sie schließen das Büro. Warum? Die Berliner Niederlassung war in dieser kleinen Größe wirtschaftlich nicht sinnvoll. Zuletzt wurden dort keine Kunden mehr betreut, sondern Berlin war eher eine kreative Außenstelle für Grey Düsseldorf.

Sie haben bei Amtsantritt gesagt, dass Sie Grey wieder stärker über seine alten Stärken im Bereich Markenführung und Strategie positionieren wollen. Was konkret haben Sie vor? Ich werde intern zu sinnvollen Maßnahmen greifen, die ich extern aber erst dann kommuniziere, wenn sie auch wirksam werden.

Unter der bisherigen Führung hat Grey zuletzt wieder einige Etats gewonnen. Verschafft Ihnen das etwas Luft, auch personell? Wir haben in der Tat einiges an Neugeschäft gewonnen, das ist immer toll. Wir sollten versuchen, dies mit der bestehenden Mannschaft zu stemmen - soweit wir das inhaltlich auch können. Falls nicht, werden wir selbstverständlich einstellen.
Interview: Mehrdad Amirkhizi  
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