Bilanz: Grey muss Federn lassen

Dienstag, 04. Dezember 2012
Grey-Gruppenchef Uli Veigel
Grey-Gruppenchef Uli Veigel

Die Pleite von Schlecker hat sich spürbar auf die Agentur Grey ausgewirkt. Wie die WPP-Tochter heute im Rahmen ihrer Jahrespressekonferenz bekannt gab, hat sie 2012 rund 3 Prozent ihres Umsatzes verloren - und das, obwohl eigenen Angaben zufolge gruppenübergreifend 30 neue Aufgaben von bestehenden Kunden und 32 (!) Neukunden gewonnen werden konnten. Auf der Verlustseite stehen neben Schlecker auch Rewe, Neckermann.de, Doc Morris und Glaxo Smith Kline. "2012 war wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde - wobei Mr. Hyde den größeren Anteil hatte" sagt Gruppenchef Uli Veigel. Die diversen Verluste haben dazu geführt, dass Personal abgebaut werden musste. Derzeit beschäftigt die Grey-Gruppe 383 Mitarbeiter, das sind 8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Allein für Schlecker waren 15 Mitarbeiter tätig. Konkrete Umsatz- und Ertragszahlen nennt die WPP-Agentur unter Berufung auf den Sarbanes-Oxley Act nicht.

Lichtblicke für Grey hat es gegen Jahresende gegeben. So konnte sich die Agentur nach einem internationalen Pitch den Etat von Siemens-Wettbewerber General Electric für dessen Sparte Healthcare MR (Magnetresonanz) sichern. Außerdem wurde die Gruppe vom Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger beauftragt, eine Kampagne zur Neuausrichtung der deutschen Zeitungen zu entwickeln. Zudem machen sich die Verantwortlichen Hoffnungen auf weiteres Neugeschäft. Man befinde sich derzeit in 16 Pitches, teilt Gruppen-CEO Veigel mit.

Derweil geht der Um- und Ausbau des Angebots weiter. Neu ist eine Kooperation mit dem Data-Spezialisten Plenum USA. Von dieser Zusammenarbeit erhofft sich Veigel Impulse im Bereich Business Intelligence. Zuvor war man bereits bei der Online-Mediaagentur K102 eingestiegen und hat die bisherige Beteiligung Frey G2 komplett übernommen. Sie firmiert nun unter Grey Shopper. Derzeit screent die Gruppe den Markt nach Verstärkungen im Bereich Social Media und Digital Tools.

Unterdessen wurde das Frankfurter Grey-Büro geschlossen und der dort betreute Seat-Etat nach Düsseldorf verlagert. Auch das Berliner Büro wurde heruntergefahren und zu einem "kreativen Hub" umfunktioniert. Der wichtige Kunde Allianz wird inzwischen auch aus Düsseldorf betreut.

Beim Ausblick für das kommende Jahr gibt sich Gruppenchef Veigel zurückhaltend. 2013 werde ein sehr schwieriges Jahr für den gesamten Kommunikationsmarkt, teilt er mit. Von den optimistischen Vorhersagen des Agenturverbands GWA, dessen Mitglieder von einem Umsatzzuwachs von 4,5 Prozent ausgehen, distanziert er sich. Dennoch gehe man "verhalten optimistisch" in das kommende Jahr. mam
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