Beklemmende Installation: Amnesty International lässt Menschen verschwinden

Dienstag, 11. Oktober 2011
-
-

Was kreative Werbung angeht, kann Amnesty International in diesem Jahr bereits einige Erfolge vorweisen. Die von TBWA fürs iPad entwickelten Anti-Folter-Anzeigen gehören zu den wenigen Werbemitteln, die speziell auf das Apple-Tablet zugeschnitten waren. Und für den TV-Spot "Death Penalty" erhielt die Menschenrechtsorganisation im Mai sogar einen goldenen ADC-Nagel. Die jüngste Kampagne von Amnesty International widmet sich einem Thema, das sich für Werbezwecke auf den ersten Blick kaum eignet: Dem Verschwinden von Menschen. Gemeinsam mit Mediaplus hat Amnesty dennoch einen Weg gefunden, Verbraucher auf diesen wenig greifbaren Missstand aufmerksam zu machen.

Der Startschuss für die Kampagne fiel am Flughafen in München, wo in der Schalterhalle am Terminal 2 kürzlich eine Aktion der besonderen Art stattfand. Mittels Kamera, Riesenmonitor und technischer Tricks ließen Amnesty International und die ortsansässige Agentur Mediaplus Menschen sprichwörtlich verschwinden. Dafür war allerlei technischer Aufwand nötig: So wurde die Kamera auf einer stark frequentierten Galerie mit Restaurants und Bars hinter einem Monitor so befestigt, dass sie die vom Bildschirm verdeckten Realbilder wartender Menschen in der Schalterhalle originalgetreu einspielen konnte. "Mittels Masken aus Bildern der menschenleeren Halle, von der Tageszeit her unterschiedlichen Beleuchtungszuständen und Bildmischtechniken zwischen Live-Bild und Bildmasken konnten wir ganz gezielt Personen auf dem Monitor verschwinden lassen", erklärt Ekki Frenkler, Kreativchef der Mediaplus Gruppe, die Vorgehensweise.

Aus der Aktion entstand am Ende ein Kampagnenvideo, das Amnesty nun via Social Media verbreitet. "Jeden Tag verschwinden Menschen. Mit einer Spende helfen Sie diese wiederzufinden", buhlt die Menschenrechtsorganisation in dem Film um die Unterstützer der Verbraucher - und bietet ihnen gleich ein innovatives Tool an, um sofort zur Tat zu schreiten. So wird am Ende des Spots ein QR-Code eingeblendet, mit dem Smartphone-Nutzer auf die Webseite von Amnesty International gelangen. Dort finden sie weitere Informationen zur Kampagne und erfahren zudem, wie sie die Organisation mit Spenden unterstützen können. Der Film ist unter anderem auf Youtube und auf der Homepage von Amnesty International zu sehen. mas
Meist gelesen
stats