"Banale Diskussionen": Star-Designer Mirko Borsche rechnet mit dem ADC ab

Freitag, 24. August 2012
Art Director Mirko Borsche hält die Fahne für Gedrucktes hoch
Art Director Mirko Borsche hält die Fahne für Gedrucktes hoch
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Mirko Borsche ADC iPad Doppelcovern Krise Deutschland Facebook


Von Woche zu Woche überzeugt Mirko Borsche mit seinen Doppelcovern für das "Zeit Magazin" - zuletzt sorgte der Titel "Das ist übrigens ein Penis", auf dem ein männliches Geschlechtsteil zu sehen war, für Furore. Dass Facebook das Motiv zensierte, störte Borsche nicht, ihm sei es am wichtigsten, dass der Leser am Ende ein gutes Printprodukt in den Händen halte, sagt er gegenüber HORIZONT. Als Art Director der "Zeit" und des "Zeit Magazins" muss der Designer die Fahne für Gedrucktes hochhalten - im HORIZONT-Interview erklärte Borsche aber auch, warum sich traditionelle und neue Medien nicht ausschließen und welche Magazine die Krise überleben werden. Außerdem spricht der Kreative über den iPad-Hype und rechnet mit dem ADC ab.
Dieses Cover war Facebook Ende Juli zu viel der Männlichkeit
Dieses Cover war Facebook Ende Juli zu viel der Männlichkeit
"Ich finde es total toll, Sachen in der Hand zu haben und mag es wahnsinning, Gedrucktes zu fühlen", sagt Borsche im Rahmen der Serie "Deutschlands beste Kreative". Natürlich befinde man sich in einer Zeit, in der alle sparen wollen, gibt er zu. Wenn man aber andereseits mal schaue, wie viele unabhängige Printverlage mit kleinen avantgardistischen Magazinen und Büchern in letzter Zeit auf den Markt gekommen sind, dann merke man: "Das Digitale schafft Print nicht ab, sondern unterstützt es." Gute Chancen, die Printkrise zu überleben, haben demnach Produkte mit einer starken Autorenschaft und einer erkennbaren Herkunft. Qualität auf inhaltlicher und gestalterischer Ebene werde eine noch wichtigere Rolle spielen als bisher, denn alles andere könne man sich aus dem Web ziehen. "Die etwas günstiger produzierten Titel dagegen, die nur nach Auflage schielen, werden alle ein Riesenproblem bekommen", so Borsche.

Bei allem Lob für Print muss sich der Inhaber des Bureau Mirko Borsche in München zwangsläufig mit der Gestaltung für digitale, vor allem mobile Geräte auseinandersetzen. "Wir bieten in diesem Bereich alles an", so Borsche. Das iPad halte er aber für überbewertet. Bevor er seinen Kunden eine teure App für das Gerät vorschlage, wolle er die Entwicklung lieber noch etwas weiter abwarten. "Das iPad ist wie das Internet vor 15 Jahren", so der Kreative. "Jeder will es haben, aber keiner weiß, wie es funktioniert."

Borsche kann es sich leisten, abzuwarten, er lebt von seinen Printarbeiten und sahnt dazu noch einen Preis nach dem anderen ab. Und das, obwohl er selbst überhaupt nicht bei Wettbewerben einreicht. "Ich möchte nicht wissen, wieviel Geld uns Patz 5 im Ranking gekostet hätte, wenn wir die Teilnahme- und Preisgebühren selbst bezahlt hätten."

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Das vollständige Interview mit Mirko Borsche lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 34/2012 vom 23. August.

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Für absurd hält Borsche nicht nur das System von Kreativwettbewerben, sondern auch das Geplänkel bei einigen Vereinen, die sie ausrichten. Aus dem ADC etwa ist er dieses Jahr ausgetreten, ihn hätten die Betriebsbehäbigkeit des Clubs und die Schwerpunkte in den Debatten gestört. "Die immer gleichen Diskussionen um so banale Themen wie Rankingpunkte, Goldideen oder der Umgang miteinander im Vorstand, war ich am Ende leid. Es gibt so viel wichtigere Dinge, die die Branche beschäftigen sollten, vor allem, wenn die kreative Elite Deutschlands zusammenkommt." Ihn würde beispielsweise interessieren, was seine Kollegen denken, wo es in Zukunft hingeht. "Immerhin befinden wir uns mitten in einer Wirtschaftskrise und viele Unternehmen werden ihre derzeitige Aufstellung überdenken müssen. " jf
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