Aufregung um Turner-Werbeplakat in Stuttgart

Montag, 06. August 2012
Um dieses Turner-Plakat geht es (Foto: Turner.de)
Um dieses Turner-Plakat geht es (Foto: Turner.de)


Der Oberbürgermeister-Wahlkampf in Stuttgart nimmt trotz Sommerferien Fahrt auf. Man kann förmlich zusehen, wie nach und nach mit härteren Bandagen gekämpft wird. Vor allem die beiden aussichtsreichsten Bewerber Sebastian Turner, der für die CDU antritt und von FDP und Freien Wählern unterstützt wird, sowie der Grünen-Kandidat Fritz Kuhn
beharken sich in schöner Regelmäßigkeit. Aktuell entzündet sich die Aufregung an einem Riesen-Wahlplakat von Turner. Kritiker werfen dem Ex-Werber Turner (Scholz & Friends) und seinem Wahlkampfteam eine undurchsichtige Finanzierung vor und werfen die Frage nach der Unabhängigkeit des Kandidaten auf. Doch worum geht es eigentlich? Turner hat eine Plakatfläche, die laut Listenpreis rund 80.000 Euro im Monat kostet, für zwei Wochen kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen. Von wem, wurde zunächst sogar von seinem eigenen Sprecher missverständlich dargestellt. Zwar wird die Fläche von der Firma Ilg Außenwerbung in Stuttgart vermarktet, Eigentümer ist aber die Immobiliengesellschaft Schwäbische Wohnungs AG.

Deren Geschäftsführer Tobias Fischer war es denn auch, der Turner bei einem von dessen Wahlkampfautritten kennengelernt und die Werbefläche als Unterstützungsmaßnahme angeboten haben soll - für einen Zeitraum von 14 Tagen. Den Gegenwert, der aus dem Lager des Kandidaten mit 7500 Euro beziffert wird, habe der Unterstützerverein "Bürger-OB Sebastian Turner" als Spende verbucht. Solche Spenden sind ab einer Höhe von 10.000 Euro im Jahresbericht zu veröffentlichen, ab einer Höhe von 50.000 Euro sofort.

Unabhängig davon stellt sich die Frage nach dem tatsächlichen Wert der Zuwendung. Dabei spielt das Thema Rabatte eine zentrale Rolle. Die für die Plakatfläche genannten 80.000 Euro pro Monat sind der Bruttopreis, also ohne Abzug jeglicher Rabatte und Provisionen. Für einen Zeitraum von 14 Tagen ergäbe sich demnach eine Summe von 40.000 Euro brutto. Eine Überlassung der Fläche für 7500 Euro entspräche einem Rabatt von knapp 80 Prozent. Laut Einschätzung von Branchenkennern ist diese Höhe in Einzelfällen durchaus vorstellbar - vor allem wenn die Fläche ansonsten ungenutzt bleibt.

Für das Thema Rabattpolitik im Bereich Außenwerbung interessiert sich im Stuttgarter OB-Wahlkampf aber wohl zu recht kaum jemand. Stattdessen nutzt die Konkurrenz die Steilvorlage aus Turners Umfeld, das sich in diesem Fall nicht gerade geschickt verhalten hat. Offenbar hat man übersehen oder billigend in Kauf genommen, dass die eigentlich für die Vermarktung der Fläche zuständige Firma Ilg Außenwerbung Vertragspartner der Stadt Stuttgart für die Beklebung von Litfaßsäulen ist. Die Stadt ist mit 60 Prozent an den Umsätzen von Ilg beteiligt. Keine unheikle Situation also für jemanden, der Stadtoberhaupt werden will.

Der Kandidat der Linken Hannes Rockenbauch fordert Ex-Werber Turner bereits zum Verzicht auf die Kandidatur auf. Auch Grünen-Bewerber Kuhn lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen. Der CDU-Kandidat habe einen Fehler gemacht, dazu müsse er nun auch stehen, zitiert die Stuttgarter Zeitung Kuhn. Jetzt verstehe er Turners Motivation für den Vorschlag, eine Beschränkung der Wahlkampfkostenbudgets zu vereinbaren. Schließlich könne dieser seine Ausgaben niedrig halten, weil er sich beschenken lasse.

Bemerkenswert: Kritik kommt zum Teil auch aus dem Lager der Unterstützer. Dort ist von "äußerst ungeschicktem Vorgehen" des Kandidaten die Rede. Turners Sprecher Stefan Schorn weist die Kritik zurück und will nichts von einem möglichen Interessenkonflikt oder gar einem Regelverstoß wissen. mam 
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