Amir Kassaei teilt gegen Serviceplan, Nordpol und Miami Ad School aus

Freitag, 24. August 2012
DDB-Kreativchef Amir Kassaei schimpft einmal mehr über Zombiekreation (Foto: H. Schneider)
DDB-Kreativchef Amir Kassaei schimpft einmal mehr über Zombiekreation (Foto: H. Schneider)

Amir Kassaei ist ein Freund klarer Worte - und der Provokation. Das hat der weltweite Kreativchef von DDB jetzt einmal mehr unter Beweis gestellt. In einem ausführlichen "Sommergespräch" mit dem österreichischen Werber Marco de Felice für Standard.at über das schlechte Abschneiden der Alpenrepublik bei Olympia und beim Werbefestival in Cannes teilt Kassaei kräftig aus. Vor allem bei seinem Lieblingsthema Relevanz von Werbekreation kennt er keine Gnade. Auch hiesige Agenturen kriegen ihr Fett weg, so zum Beispiel der in diesem Jahr erfolgreichste deutsche Cannes-Teilnehmer Serviceplan: "Nichts gegen Alexander Schill, den ich von meinen S&J-Zeiten sehr gut kenne. Nur: Ich kann eine Agentur wie Serviceplan nicht als Kreativagentur bezeichnen, nur weil sie mit selbstgemachten Basteleien bei Kreativwettbewerben gewinnt. Die reale Arbeit der Agentur ist diametral entgegengesetzt", sagt Kassaei. Und weiter: "Ich hätte kein Problem, wenn Serviceplan zwei gute Kampagnen im Jahr machen würde für große Marken in Deutschland, die wirklich Märkte bewegen, auch handwerklich grandios - und daneben diese Zombiekreationen. Wenn aber eine Agentur ihren Ruf hauptsächlich davon holt, dass sie angeblich für eine Solarfirma in Österreich einen Geschäftsbericht druckt, der nur bei Tageslicht zu sehen ist, frage ich mich: Wieso soll ich diese Agentur ernst nehmen?"

Einmal in Fahrt, teilt Kassaei auch an anderer Stelle aus und geht dabei weit in die Vergangenheit zurück. 2007 hatte die Hamburger Agentur Nordpol mit einem bewegenden Spot zum Thema Windenergie um ein Haar den Film-Grand-Prix in Cannes gewonnen. Der DDB-Mann hat seine eigene Sicht auf diese Arbeit: "Weißt du, wie dieser Film entstanden ist?", fragt er de Felice. "Da war ein freier Kreativer, der mit dem Spot von Agentur zu Agentur gerannt ist und irgendwann bei Nordpol landete. Die haben den Film gemacht, sehr schön umgesetzt. Haben so einen Pseudo-Windkraft-Verband gefunden, den es wahrscheinlich nicht mehr gibt", behauptet Kassaei.

Schuld an dem seiner Auffassung nach falschen Verständnis von Werbung und Kreation sind für ihn nicht zuletzt die Ausbildungsstätten: "Bei der Miami Ad School würde ich ein dickes Fragezeichen machen. Da bezweifle ich, dass den jungen Leuten das Richtige gelehrt wird. Ich glaube man bringt denen bei, Zombiekreationen sehr schnell zu produzieren. Wenn du dir diese Miami-Ad-School-Absolventen ansiehst, die sind im ersten und zweiten Jahr, was Preise anbelangt, erfolgreich, aber dann versagen sie bei den realen Briefings." Überhaupt sei die junge Generation nicht mehr so besessen und leidenschaftlich, findet Kassaei.

Auch die eigene Agenturgruppe DDB verschont der 43-Jährige nicht mit Kritik: "Unsere österreichische Agentur berichtet der deutschen Führung. Ich kann den Deutschen den Auftrag geben, in Österreich mit der Agentur das Ziel zu verfolgen (substanzielle Kampagnen zu entwickeln, die Redaktion). Das könnte ich machen. Aber wenn die Deutschen das selber nicht immer hinkriegen, wird es schwierig."

Das vollständige Gespräch lesen Sie hiermam 
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