Alles nur Hallodris? Warum Werber so einen schlechten Ruf haben

Donnerstag, 11. November 2010
Ralf Nöcker: "Die Leute wissen zu wenig über Werber"
Ralf Nöcker: "Die Leute wissen zu wenig über Werber"

Das Bild der deutschen Werber sieht düster aus, die Imagewerte sind im Keller. Aber woran liegt das und was kann man dagegen tun? HORIZONT hat sich in der Kreativ-Branche umgehört. Nur Versicherungsvertreter sind noch unbeliebter als Werber und selbst Telekom-Mitarbeiter haben ein besseres Image. Das ergibt sich aus der Bürgerbefragung öffentlicher Dienst 2010, die seit 2007 jährlich von Forsa im Auftrag des Beamtenbundes durchgeführt wird. Demnach genießen Mitarbeiter in Werbeagenturen nur bei 14 Prozent der Bevölkerung hohes Ansehen - damit ist die kreative Zunft seit 2007 um weitere 4 Prozentpunkte gefallen.

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Doch was ist der Grund für so viel Unmut? Ralf Nöcker, Geschäftsführer des GWA, sieht zwei Hauptursachen: "Das Problem ist, dass die Leute viel zu wenig über Werber wissen. Ihr Bild setzt sich aus Klischees zusammen, die sie aus Beigbeders Roman 'Neununddreißigneunzig' haben: Werber nehmen Drogen, feiern rauschende Partys in Cannes und sind Hallodris." Wie viel harte Arbeit hinter Kreation steckt, wüsste hingegen kaum jemand. "Würden die Leute einen Tag lang bei einer Werbeagentur hinter die Kulissen schauen, würden sie den Beruf ganz anders einschätzen."

Außerdem habe der Durchschnittsbürger ein sehr diffuses Bild von Werbung, so Nöcker: "Werbung gilt als doof, langweilig und nervig, deshalb hat die Berufsgruppe der Werber auch ein schlechtes Image. Würde man die Leute jedoch fragen, wie sie den Typen finden, der hinter der interaktiven Tipp-Ex-Kampagne steht, würden sie ihn vermutlich ein kreatives Genie nennen."

Oliver Klein, Inhaber von Cherrypicker, ist sich sicher, dass mit Lobbyarbeit einige Imagehürden überwunden werden könnten: "Die Werbebranche ist ein Potpourri aus verschiedenen Berufsfeldern ohne klares Profil und ohne zentrale Branchenvertretung. Deshalb ist es auch so schwierig, der Öffentlichkeit klarzumachen, welche Rolle Werbung für unsere Gesellschaft und Wirtschaft spielt. Man müsste es schaffen, dass die Leute erkennen, dass das mediale Angebot, wie wir es alle kennen, ohne Werbung gar nicht möglich wäre."

Bei Scholz & Friends sieht man das Problem auch an der Fragestellung der Studie: "Man muss bedenken, dass das Berufsbild des Werbers heute viel differenzierter ist als früher. Der Begriff des Mitarbeiters in einer Werbeagentur, wie er in der Befragung steht, ist hingegen sehr pauschal formuliert", so Pressesprecher Markus Mayr. "Wäre zum Beispiel nach dem Ruf von Designern oder Website-Konzeptionern gefragt worden, würde das Ergebnis sicher ganz anders aussehen."

Laut der Bürgerbefragung öffentlicher Dienst ist das Ansehen der Werber seit 2007 um vier Prozentpunkte zurückgegangen - für Nöcker jedoch kein Grund zur Beunruhigung: "Das schlechte Ansehen von Werbern ist kein Trend, sondern eine stabile Haltung, die wir schon seit Jahren beobachten. Für die vier Prozent Rückgang seit 2007 habe ich keine Gründe, es gab keine Skandale in der Branche, durch die sich das Image verschlechtert haben könnte. Meiner Meinung nach sind das marginale Veränderungen, denen man nicht zuviel Bedeutung zumessen sollte." sw

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