Aleksander Ruzicka fordert 80 Millionen Euro von Aegis

Freitag, 18. Dezember 2009
Aleksander Ruzicka klagt an allen Fronten
Aleksander Ruzicka klagt an allen Fronten

Der ehemalige Chef der Wiesbadener Mediaagentur-Gruppe Aegis Media beschäftigt immer mehr Gerichte – und Rechtsanwälte. Mittlerweile haben drei Kanzleien ein Mandat des inhaftierten Aleksander Ruzicka übernommen. Nach wie vor arbeitet sein bisheriger Strafverteidiger Marcus Traut für ihn. Wie bereits vermutet, vertritt nun zusätzlich Gunter Widmaier den früheren Agenturmanager in dem beginnenden Revisionsverfahren vor dem Karlsruher Bundesgerichtshof (BGH). Widmaier gilt in Juristenkreisen als Experte auf diesem Gebiet. In dem Verfahren wird er von seinem Kanzleikollegen Ali Norouzi unterstützt.

Wie der „Wiesbadener Kurier“ berichtet, haben Widmaier und Norouzi die Revision im Rahmen einer Verfahrensrüge eingereicht. Der Hauptvorwurf darin lautet, dass das Wiesbadener Landgericht über zahlreiche Beweisanträge, die Ruzickas Verteidiger Traut gestellt hat, hinweggegangen sei. Die dortige sechste Strafkammer unter Vorsitz von Richter Jürgen Bonk hatte Ruzicka am 12. Mai nach mehr als 60 Prozesstagen zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass sich Ruzicka in 68 Fällen der besonders schweren Untreue schuldig gemacht und seinen früheren Arbeitgeber Aegis Media um 35 Millionen Euro geprellt hat. Ob dieses Urteil rechtskräftig ist, wird der Bundesgerichtshof wohl erst im Sommer 2010 entscheiden. Sollte der BGH das Urteil des Landgerichts bestätigen, bleibt Ruzicka nur noch der Weg vor das Bundesverfassungsgericht.

Doch damit nicht genug. Wie Ruzicka in einem Brief an HORIZONT mitteilt, will er auch zivilrechtlich gegen Aegis Media vorgehen und seine Abfindung einklagen. "Wir haben Aegis aufgefordert, meine vertraglich garantierte Kompensation in Höhe von 80,6 Millionen Euro zunächst teilweise auszuzahlen, bevor wir den seitens Aegis zu vertretenden Schaden geltend machen", schreibt er. Laut Auskunft des Wiesbadener Landgerichts, wo diese Zivilklage eingereicht werden muss, liegt bis dato noch kein Schreiben Rechtsanwalt Roland Paule vor, der Ruzicka in dieser Angelegenheit vertritt.

Für Ruzicka ist Eile geboten, denn Ende 2009 des Jahres läuft die Verjährungsfrist von drei Jahren ab, in der er seine Ansprüche geltend machen kann. Rechtsanwalt Paule deutet gegenüber HORIZONT.NET aber an, dass die Klage noch bis Jahresende erhoben wird. Sobald eine Klage eingereicht wird, müssen allerdings im Voraus die Gerichtskosten beglichen werden. Sie richten sich nach dem Streitwert. Sollte Ruzicka tatsächlich 80,6 Millionen Euro Abfindung einklagen, müsste er vorab Gerichtsgebühren in Höhe von mehr als 274.000 Euro entrichten. Dazu kommen die Anwaltskosten, die sich ebenfalls aus der Streitsumme ergeben.

Wer diese Summen für Ruzicka bezahlt und vor allem, woher sie stammen, ist unbekannt. Außerdem wartet auf ihn noch der Zivilprozess, in dem Aegis seinerseits 20 Millionen Schadensersatz von Ruzicka einfordert. Da das schriftliche Urteil des Untreueprozesses nun vorliegt, kehrt sich die Beweislast in diesem Zivilverfahren um, so dass nun Ruzicka seine Unschuld beweisen muss.

Doch das wird nicht der letzte Folgeprozess im Fall Ruzicka bleiben. Im Frühjahr 2010 werden sich auch der ehemalige Carat-Chef und Mitbegründer der Mediaagentur HMS Heinrich Kernebeck und der Anwalt W. vor Richter Bonk verantworten müssen. Mit Ruzicka und dem ehemaligen Aegis-Chefeinkäufer David Linn, der nach einem umfänglichen Geständnis zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt wurde, wurden auch sie von der Staatsanwaltschaft in dem Untreueverfahren angeklagt.

Das Verfahren gegen Kernebeck wurde zunächst vom Landgericht abgelehnt, muss aber auf Geheiß des Frankfurter Oberlandesgerichts (OLG) aufgenommen werden. Auch ihm wird Untreue zum Nachteil von Aegis Media vorgeworfen. Laut OLG-Beschluss sei Kernebeck als Geschäftsführer eines Tochterunternehmens von Aegis Media im Sinne der Anklageschrift hinreichend tatverdächtigt. Mit ihm muss Anwalt W. auf die Anklagebank, dessen Prozess bereits zu Beginn der Hauptverhandlung gegen Ruzicka und Linn abgetrennt wurde. Er wird der Beihilfe zur schweren gemeinschaftlichen Untreue bezichtigt. ejej
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