Aleksander Ruzicka: "Ich muss um 16 Uhr zu Hause sein"

Freitag, 17. August 2012
Aleksander Ruzicka vor seiner Befragung (Foto: Paul Müller)
Aleksander Ruzicka vor seiner Befragung (Foto: Paul Müller)

Mit Spannung war er erwartet worden - der Auftritt von Aleksander Ruzicka im Rechtsstreit vor dem Wiesbadener Landgericht zwischen der Mediaagentur Carat und den früheren Chefs der Agentur ZHP. Von Reinhard Zoffel und Volker Hoff fordert die Aegis-Tochter im Nachgang der Ruzicka-Affäre 2,5 Millionen Euro Schadensersatz. Der 2009 wegen schwerer Untreue zu mehr als elf Jahren Haft verurteilte frühere Aegis-Chef trat diesmal als Zeuge auf. Nachdem ihm die Handschellen abgenommen worden waren, machte er zunächst Angaben zu seiner Person. Der 51-Jährige führt derzeit in der Justizvollzugsanstalt Darmstadt als Chefredakteur die Gefangenenzeitung "gerecht?". Bei seiner vorherigen Station in der JVA Weiterstadt war er als Co-Trainer einer physiotherapeutischen Schwimmgruppe tätig, wie er seinerzeit in einem Interview sagte.

In der Sache blieb Ruzicka bei den Aussagen, die er auch schon während seines Strafprozesses gemacht hatte. So betonte er mehrfach, dass er mit dem eigentlichen Einkauf von Werbezeiten als Chef von Aegis Media für Zentraleuropa nichts zu tun hatte. Gleichwohl habe er durch seine langjährige Tätigkeit für Carat beziehungsweise Aegis Media (ab 1985) und den Job als Holdingchef Einblick in das Thema gehabt.

Ruzicka hatte sich detalliert auf die Befragung vorbereitet und zahlreiche Unterlagen mitgebracht - und anderem frühere Allgemeine Geschäftsbedingungen der TV-Vermarkter sowie Jahresvereinbarungen von Aegis mit diesen. Seine Ausführungen waren zum Teil sehr ausführlich, sodass seine Befragung mehr als vier Stunden dauerte. Ruzicka selbst schien das nicht viel auszumachen. Scherzhaft wies er nur auf das Timing für seinen Rücktransport ins Gefängnis hin: "Ich muss um 16 Uhr zu Hause sein."

Mit seinen Ausführungen stützte er im Wesentlichen die Position von ZHP und widersprach zugleich den Aussagen der Zeugen von IP Deutschland und Seven-One Media. So sei es keineswegs ungewöhnlich gewesen, dass ein Kunde der Größe von ZHP sehr hohe Rabatte bekommen konnte. Bei ZHP hätten diese bis zu 97 Prozent betragen. Ein Kunde wie Bonduelle habe bis zu 92 Prozent Nachlass bekommen, erklärte Ruzicka. Auch betonte der frühere Mediamanager noch einmal, dass aus seiner Sicht Carat beziehungsweise Aegis nie über eigene Freispotkontingente verfügt habe, sondern diese von den Vermarktern immer nur kundenbezogen gewährt wurden.

Die Kommerzialisierung solcher Freispots habe darin bestanden, durch deren Vermittlung an Werbungtreibende ein Sonderhonorar für die Mediaagentur zu erwirtschaften. So habe die Gruppe 2006 mit einem Freispotvolumen im Wert von insgesamt etwa 110 Millionen Euro Sonderhonorare in Höhe von 17 Millionen Euro generiert. Die durchschnittliche Rate, die man dabei pro Kunde für die Agentur erzielt hat, lag Ruzicka zufolge bei 13 bis 14 Prozent. Im Fall von ZHP bei 20 Prozent. Der Kunde sei für Carat also sehr attraktiv gewesen.

Ohnehin seien kleinere Kunden in diesem Zusammenhang beliebter als große, weil sie weniger Druck auf die Honorare ausübten und eher bereit seien, Freispots auch in schlechten Umfeldern abzunehmen. "Je kleiner ein Kunde, desto interessanter ist er für die Mediaagentur", so Ruzickas These. Die Zusammenarbeit mit ZHP war ihm zufolge noch aus einem anderen Grund wichtig für Carat: Von den Kontakten der ZHP-Chefs in politische Kreise habe man sich zusätzliche Aufträge versprochen.

Für wie glaubwürdig das Gericht die Aussagen von Ruzicka hält, wird im Herbst bekannt. Am 2. November will die 2. Zivilkammer unter Vorsitz von Richterin Martina Müller eine Entscheidung verkünden. mam        
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