Agenturgipfel: Hitzige Debatte um das Thema Trading

Dienstag, 17. Januar 2012
Agenturgipfel: Chefredakteur Scharrer mit Blomenkamp, Bölte, Kluge, Müller-Using und Strerath (v.l.)
Agenturgipfel: Chefredakteur Scharrer mit Blomenkamp, Bölte, Kluge, Müller-Using und Strerath (v.l.)


Eigentlich wollten die Teilnehmer des "Agenturgipfels" beim Deutschen Medienkongress nur am Rande über das Reizthema Trading reden. Gekommen ist es aber doch ganz anders. Die Diskussion über den Handel von Mediaagenturen mit Werbeplätzen dominierte das Gespräch der Agenturchefs Jürgen Blomenkamp (Group M), Andreas Bölte (Aegis Media), Manfred Kluge (Omnicom Media Group), Thomas Strerath (Ogilvy) und Mathias Müller-Using (Nordpol), moderiert von HORIZONT-Chefredakteur Jürgen Scharrer.
Group-M-Manager Blomenkamp nutzte die Gelegenheit, noch einmal darauf hinzuweisen, dass er Trading nicht als „strategische Zukunft unseres Geschäfts“ sieht – wenn man es im Sinne einer Handelsaktivität versteht. Schon gar nicht dürfe man Trading mit Targeting in einen Topf schmeißen. Aber: Um Targeting - also das Mittel, um Werbeplätze zu „veredeln“ und zielgruppenindividuell zuzuschneiden - überhaupt vernünftig machen zu können, müsse man die Möglichkeit haben, unabhängig einzukaufen, so Blomenkamp.

Der im vorigen Jahr öffentlich entstandene Eindruck war jedoch ein anderer. Nicht nur Wettbewerber und Vermarkter hatten den Eindruck gewonnen, dass Group M das Thema Trading nutzen will, um seine Marktführerposition weiter auszubauen. Befeuert wurde dieser Eindruck von Aussagen des Group-M-Managers Georg Berzbach. Er hatte im Interview mit HORIZONT Verlagen das Angebot gemacht, Teile der Anzeigenvermarktung für sie zu übernehmen. In der Konsequenz hieße das, dass die Medien die Preishoheit über ihre Werbeplätze an die Mediaagenturen abtreten. Sowohl bei den Medienvermarktern als auch bei einigen Werbungtreibenden stieß der Vorschlag auf wenig Gegenliebe.

Jetzt rudert Blomenkamp zurück – zumindest öffentlich: "Wir werden keine Vermarkter." Das habe auch nie jemand behauptet, sagt er in der Runde der Agenturchefs. Allerdings hatten wohl auch seine Kollegen aus anderen Mediaagenturen das bislang anders verstanden. „Die zentrale Frage ist, ob man in die Vermarktung einsteigen will. Wir haben da eine klare Position: Wir wollen das nicht. In Bezug auf die Group M hört man unterschiedliche Signale“, sagt Aegis-Chef Bölte. Auch Omnicom-Manger Kluge lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen, den Marktführer zu attackieren: „Man muss sich erst einmal im Klaren darüber sein, wohin man fahren will, bevor man wahllos das billigste Benzin zusammenkauft.“ Soll heißen: Im Vordergrund muss stehen, eine (Media-)Strategie entwickeln. Erst dann kommt die Umsetzung ins Spiel. Bölte und Kluge appellieren indirekt an die Group M, ihre Marktmacht nicht zu missbrauchen. „Der Preis von Größe ist Verantwortung“, zitiert Bölte einen Ausspruch von Winston Churchill. mam
Meist gelesen
stats