Agenturen planen radikale Award-Beschränkung

Freitag, 21. November 2008
Andreas Grabarz hat die Initiative angeschoben
Andreas Grabarz hat die Initiative angeschoben

Deutschlands führende Agenturen planen radikale Einschnitte bei ihren Aufwendungen für Kreativwettbewerbe. Nach Informationen von HORIZONT.NET hat sich auf Anregung der Hamburger Agentur Grabarz & Partner eine Gruppe von Kreativdienstleistern getroffen, um sich auf ein gemeisames Vorgehen zu verständigen. Ziel ist es, die Ausgaben für Award-Shows deutlich herunterzufahren. Die in den entsprechenden Rankings ganz vorne platzierten Agenturen investieren pro Jahr siebenstellige Beträge in die Teilnahme an Wettbewerben. Zu dem Kreis der Agenturen, die sich jetzt zusammengetan haben, gehören neben Initiator Grabarz & Partner die Firmen Jung von Matt, Kolle Rebbe, Springer & Jacoby und Kemper Trautmann. Auch die Networks DDB, BBDO, Ogilvy & Mather sowie die Scholz & Friends-Gruppe sollen an Bord geholt werden. Die Gespräche sind bereits in vollem Gang. Die ersten Reaktionen sind überwiegend positiv.

Auf welche Maßnahmen man sich im Einzelnen verständigt, ist noch unklar. In der Diskussion sind unterschiedliche Modelle. Das radikalste sieht vor, im kommenden Jahr nur noch die drei Wettbewerbe ADC, Cannes und Effie zu beschicken. Eine gemeinsame offizielle Erklärung der Agenturen zu diesem Thema soll in Kürze abgegeben werden.

In der Vergangenheit gab es schon einmal Versuche, sich bei der Beschickung von Wettbewerben auf eine ausgewählte Anzahl von Award-Shows zu beschränken ("Kreativ-Index"). Die Initiative war nach anfänglichem gemeinsamen Vorgehen aber daran gescheitert, dass sich immer mehr Agenturen nicht an die Absprache hielten. Diesmal könnte das aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation anders sein.

Zum einen dürften alle Agenturen heilfroh sein, wenn sie Kosten sparen können. Das gilt nicht zuletzt für die Networks, die massiv unter Druck stehen, die Vorgaben ihrer Muttergesellschaften zu erfüllen. Dort wurden in den letzten Wochen bereits diverse Sparpakete (Einstellungsstopp, keine Gehaltserhöhungen) verabschiedet. Zum anderen könnte die Maßnahme auch ein Signal in den Kundenmarkt sein. Denn in dem aufziehenden Krisenszenario dürfte es immer schwerer werden, die hohen Investitionen in Kreativwettbewerbe gegenüber den Auftraggebern zu rechtfertigen.

JvM-Chef Holger Jung hatte allerdings zuletzt in einem Interview erklärt, dass seine Agentur an den entsprechenden Ausgaben festhalten wolle. "Ausgerechnet hier zu sparen, wäre ein schwerer Fehler", sagte Jung gegenüber "Spiegel Online". Die Wettbewerbe seien Werbung für die Agentur und es gebe keine bessere Plattform, "um den Kunden unsere Leistung zu zeigen". Trotz dieser Aussagen von Jung gehört auch JvM der aktuellen Initiative an. mam  
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