ADC-Umzug: Das halten Deutschlands Kreative vom Festival-Standort Hamburg

Mittwoch, 22. August 2012
Die Branchenvertreter fordern für das ADC-Festival in Hamburg neue Impulse
Die Branchenvertreter fordern für das ADC-Festival in Hamburg neue Impulse

Es war DIE Neuigkeit am Dienstag: Das ADC-Festival wird im nächsten Jahr nicht mehr in Frankfurt stattfinden, sondern in Hamburg. Heftig kommentiert wurde die Entscheidung insbesondere auf der Facebook-Seite von HORIZONT. Die Vorfreude auf Hamburg ist groß, wie die folgende HORIZONT.NET-Umfrage unter Branchengrößen ergab. "Nägel und Perle? Ich bin dafür!" freut sich Eric Schoeffler, Kreativchef der DDB Tribal Group. Die meisten, wie beispielsweise Hans-Joachim "Bulle" Berndt und Agenturgründer Florian Grimm (GGH) sprechen Frankfurt aber ein dickes Lob für die vergangenen drei Jahre aus. Die Hansestadt im Norden trete in große Fußstapfen. Auch Amir Kassaei sieht in der Wahl keine Kritik an der Mainmetropole, sondern eine Entscheidung für Hamburg als Medienstandort.

Doch fast alle erwarten - und fordern - neue Impulse. "Frankfurt hat den ADC seriöser, ernsthafter und substanzieller gemacht", so Stefan Kolle, Gründer von Kolle Rebbe. Für Hamburg mahnt Heye-Kreativchef Mathias Jahn "mehr Kreativ als Event" an.

Kolle sieht in der Hamburg-Wahl zudem eine große Möglichkeit, wieder mehr Nachwuchs zum Festival locken zu können: "Nur wenige Junioren sind nach Frankfurt gefahren, denn keiner kannte dort jemanden, bei dem er mal zwei Tage umsonst übernachten kann." Umfrage: jf/jm

Lesen Sie auf den folgenden Seiten die Antworten von Oliver Rosenthal (Ogilvy One), Stefan Kolle (Kolle Rebbe), Amir Kassaei (DDB), Ralf Schipper (Tempomedia), Michael Kutschinski (Ogilvy One), Stefan Oliver Schmidt (Dieckertschmidt), Eric Schoeffler (DDB Tribal), Mathias Jahn (Heye), Martin Pross (Scholz & Friends), Ralf Heuel (Grabarz), Hans-Joachim Berndt (Filmhaus), Christian Daul (Scholz & Volkmer), Raban Ruddigkeit (Ruddigkeit Corporate Ideas), Florian Grimm (Grimm Gallun Holtappels), Sven Küster (Hi-Res), Alexander Ellendt (Vogelsänger Film) und Benjamin Lommel (Lommel Ludwig).

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Oliver Rosenthal, Ogilvy One in Frankfurt

"Ich war von der letzten ADC Preisverleihung in Frankfurt positiv überrascht, inhaltlich wie formell - wenn das in Hamburg weitergeführt wird, freue ich mich auch auf die Hansestadt. Grundsätzlich gehört ein Festival wie der ADC für mich nach Berlin."

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Stefan Kolle, Kolle Rebbe in Hamburg

"Hamburg ist die Werbe und Medienmetropole Deutschlands, hier sind die meisten Agenturen und Verlage. Nach Hamburg gingen in den letzten 10 Jahren die meisten Kreativpreise. Deshalb passt der ADC gut an die Elbe. Frankfurt hat den ADC seriöser, ernsthafter und substanzieller gemacht, vor allem im Vergleich zu Berlin.

Es gab aber ein wichtiges Problem: Nur wenige Junioren sind nach Frankfurt gefahren, denn keiner kannte dort jemanden, bei dem er mal 2 Tage umsonst übernachten kann. Den ADC zu besuchen, war für junge Leute deshalb einfach zu teuer. Das wird in Hamburg besser, einfacher und günstiger. Denn die Mission des ADC lautet: Junioren für gute Kreation zu begeistern und Kunden für das Thema zu sensibilisieren.

Am Ende des langen Tages fürchte ich, es geht den meisten Besuchern beim ADC vor allem um eines: um die Partys und ums Feiern. Und da scheint mir Deutschlands Party Metroplole Nummer 1 Berlin, obwohl ich Hamburg liebe und hier wohne, immer noch die erste und beste Adresse. Irgendwie habe ich das Gefühl, da gehört der ADC eigentlich hin."

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Amir Kassaei, DDB Worldwide in New York

"Hamburg war schon bei der ersten Ausschreibung vor drei Jahren ein heißer Favorit. Deshalb ist die Entscheidung nicht gegen Frankfurt, sondern für Hamburg als Medienmetropole. Unabhängig vom Ort muss aber der ADC das dringende Problem der Relevanz des Wettbewerbs und Kongresses lösen, um nicht auch noch die restliche Glaubwürdigkeit zu verlieren und ihren eigentlichen Sinn und ihre Daseinsberechtigung zu verspielen."

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Ralf Schipper, Tempomedia in Frankfurt

"Für den Standort Frankfurt finde ich es sehr schade, dieses Festival zu verlieren - zumal ich den Eindruck habe, dass es hier sehr gut angenommen worden ist und auch von Seiten der Stadt Frankfurt viel getan wurde, um die Organisatoren zu unterstützen.

Der ADC ist eine Leistungsschau kreativer Ideen und wir alle wissen: Kreativ sein bedeutet, sich ständig weiter zu entwickeln und nach neuen Ufern zu schauen - nie zu rasten. Vielleicht begründet sich darin zwingend ein Locationwechsel von Zeit zu Zeit. Ich denke, die Latte liegt sehr hoch, freue mich aber auf ein ADC Festival 2013 in Hamburg und bin gespannt, was da Neues, Anderes, Ungesehenes auf uns zu kommt."

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Michael Kutschinski, Ogilvy One in Frankfurt

"Ich kenne beide Konzepte nicht ausführlich. Aber, das bessere Konzept möge gewinnen. So war es wohl. Und natürlich versprechen wir uns neue Impulse. Wie auch immer diese aussehen.

Mir persönlich ist es völlig egal, wo der ADC stattfindet. Ich habe mich für Frankfurt gefreut, weil Frankfurt unterschätzt wird. Ebenso freue ich mich auf Hamburg, immer noch meine Perle, die 13 Jahre meine Heimat war."

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Stefan Oliver Schmidt, Dieckertschmidt in Berlin

"Ich bin Frankfurter. Und habe Frankfurt als ADC-Austragungsort sehr gemocht. Wie viele Frankfurter (außerdem bin ich katholisch!) komme ich mit diesem Trocken-Brot-Calvinismus in Drögland nicht so zurecht. Schlecht ist an Hamburg, dass es jetzt keinen Ebbelwoi mehr in Reichweite geben wird. Toll ist, dass wahrscheinlich hochgestellte Polohemdkragen und Goldknopf-Sakkos super sitzen werden."

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Eric Schoeffler, DDB Tribal in Düsseldorf

"Nägel und Perle? Ich bin dafür! Ich freue mich über die Vergabe der "Spiele" nach Hamburg. Die Stadt und gerade die Kultursenatorin engagieren sich jetzt seit einigen Jahren für unsere Branche, von daher bin ich sicher, dass wir einiges von Hamburg erwarten dürfen. Frankfurt hat einen fetten Applaus verdient, denn trotz all dem Standort-Gemoser wurde drei Jahre lang ein gutes Festival abgeliefert.

Trotzdem fühlt es sich gut an, dass die wichtigste deutsche Kreativshow in einer Kreativhochburg stattfindet. Vielleicht ist das Festival ja die erste Veranstaltung, die in der Elbphilharmonie stattfindet. Glaube, Liebe, Hoffnung. Ha Ha, ich freu mich drauf!"

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Mathias Jahn, Heye & Partner in München

"Die Entscheidung für Hamburg finde ich richtig. Der Wechsel von Berlin nach Frankfurt war gut und hat das Festival inhaltlich vorangebracht – von Kongress bis Awardverleihung. Und nach 3 Jahren kann gern der nächste Schub kommen. Aber dann mehr Kreativ als Event, bitte. Kompakt, lässig, kommunikativ. Was in Hamburg besser laufen könnte? Mehr Improvisation. Wobei ich nicht sicher bin, ob das als besser oder schlechter zählt."

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Martin Pross, Scholz & Friends in Berlin

"Als Frankfurt 2009 antrat, das ADC-Festival zu beherbergen, haben viele gedacht, sie hätten sich verhört. Die Stadt war eher die Heimat vom Blauen Bock - aber dann hat Frankfurt die Erwartungen übertroffen. Bei Hamburg ist es andersrum. Die Medien- und Agentur-Hauptstadt mit Glamourfaktor muss ihrem Ruf gerecht werden. Wir freuen uns drauf!"

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Ralf Heuel, Grabarz & Partner in Hamburg

"Eigentlich halte ich die gesamte Diskussion um den Veranstaltungsort für überbewertet. Ich finde wichtiger, was auf einem Kreativfestival stattfindet, als wo es stattfindet.

Wenn es allerdings um Hamburg geht, sehe ich das natürlich ganz anders. Nirgendwo anders kann ein solcher Event stattfinden."

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Hans-Joachim Berndt, Filmhaus Duck Soup in Berlin

"Danke erstmal an Claus Fischer, Stephan Vogel, Horizont, Deutsche Bank und alle hessischen Helferlein, die das so toll gemacht haben. Ihr wart großartig. Hamburg wird es schwer haben, dass zu toppen.

Hamburg wird anders, nicht besser, denn Hamburg hat sein eigenes Gesicht. Ich als Hamburger bin gespannt, was da abgeht - auch für den neuen Vorstand des ADC als Hamburger eine Challenge! Ich wünsche unserem ADC nur das Beste!"

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Christian Daul, Scholz & Volkmer in Wiesbaden

"Ich persönlich finde es zwar schade, dass Frankfurt raus ist, weil das Festival hier zuletzt sehr gut da stand und vor der Haustüre auch praktisch war. Dass Hamburg als Kreativhauptstadt auch ein guter Gastgeber sein wird, ist für mich sicher und ich bin ja auch gerne in der Stadt. Es ist gut, wenn das Festival alle paar Jahre rotiert, dann kommen neue Impulse und wir sind eben ein föderales Land. Ich erwarte, dass es wieder eine gute Jurierungsstruktur und Lokation gibt und auch die Verleihung einen würdigen Rahmen findet.

Ich würde mich auch weiterhin freuen, wenn bei ADC-Events selbst überraschende Ideen auftauchen wie zum Beispiel die Nagelwand, denn der Schuster darf ja auch mal schöne Schuhe haben. Ein Programm wie 2012 mit werthaltigem Input für das Großhirn wäre ebenfalls sehr willkommen - dann aber gerne so, dass man räumlich und akustisch klare Grenzen zieht. Besser wird der Hafen sein und schlechter die Hochhäuser."

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Raban Ruddigkeit, Ruddigkeit Corporate Ideas in Berlin

"Das ist natürlich eine richtige Entscheidung. Aber wie die meisten richtigen Entscheidungen ist sie auch – richtig langweilig. Wäre Berlin die bessere Wahl? Das glaube ich auch nicht mehr. Ich plädiere eigentlich für ein ganz anderes Konzept: Das ADC-Festival sollte durch alle deutschen Städte wandern und so jedes Jahr einen neuen Grund bieten, vorbeizuschauen. Kreativität kommt von Veränderung!"

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Florian Grimm, Grimm Gallun Holtappels in Hamburg

"Als Hamburger Jung' und Patriot kann ich natürlich nicht unken. Aber im Vorfelde gehört es sich sowieso nicht, bei solchen Dingen zu unken. Ich erinnere an eine Menge Vorbehalte an den Standort Frankfurt, und am Ende waren die Veranstaltungen dort von vorne bis hinten großartig. Da tritt Hamburg in große Fußstapfen.

Ich persönlich sehe die ADC-Veranstaltung als Inspirationspaket und deshalb freue ich mich immer auf eine andere Stadt. Insofern war ich gar kein großer Fürsprecher für den Standort Hamburg. Aber das ist ja sehr egoistisch gedacht, man darf unsere großartige Stadt natürlich niemandem vorenthalten. Das wäre auf Dauer gemein."

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Sven Küster, Hi-Res in Berlin

"Hamburg bietet einfach viel mehr Spannung und Abwechslung und kommt einer kreativen Metropole bedeutend näher als Frankfurt. Auf dem Weg nach Berlin ist das die beste Entscheidung. Ich bin mir sicher, dass auch Hamburg eine ausgezeichnete Veranstaltung auf die Beine stellen wird.

Natürlich wünsche ich mir, dass in einer immer digitaleren Welt auch entsprechende Projekte eine größere Rolle spielen und vor allen Dingen ihre Bewertung nicht nach alten Maßstäben erfolgt. Ich freue mich auf alle Fälle auf ein paar inspirierende Tage in Hamburg und den Austausch mit Kollegen."

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Alexander Ellendt, Vogelsänger Film in Düsseldorf

"Frankfurt Ade, Hamburg Ahoi! Nun kann die Standortfrage für knapp 3 Jahre ruhen und es ist Zeit für andere Attraktionen im Zirkus ADCmus. Gut an Hamburg: Viele unaufgeregte Freunde der guten Reklame sind hier wohnhaft und werden die Ausstellung mit ihrer Anwesenheit bereichern. Und ein Abstecher ins Miniatur-Wunderland ist auch noch drin. Der Austragungsort - nicht die Stadt - wird wohl am Ende über Gelingen oder Versagen entscheiden." 

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Benjamin Lommel, Lommel Ludwig in Frankfurt

"Ich sehe den Wechsel nach Hamburg als Frankfurter natürlich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Als Frankfurter Agentur ist es eine tolle Sache, den ADC in der eigenen Stadt zu haben. Aber ein Ortswechsel bringt auch wieder neue Möglichkeiten und Eindrücke. Nach drei Jahren Hamburger Wetter in Frankfurt, freuen wir uns nun auf Frankfurter Wetter in Hamburg."

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