ADC-Festival 2012: Bilanz dreier toller Tage

Montag, 14. Mai 2012
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Ein Grand Prix, 19 goldene, 77 silberne und 128 bronzene Nägel wurden beim ADC-Treffen vergeben. Auch das Festival selbst hätte in diesem Jahr einen Nagel verdient gehabt. Konzept, Atmosphäre und Preisträger haben gepasst - die Bilanz dreier toller Tage.
1. Die Stadt. Im dritten Festivaljahr am Main sind Deutschlands Kreative - endlich - in Frankfurt angekommen. In den Jahren zuvor ätzten viele Hamburger, Berliner und Münchner immer wieder und ungefragt über die vermeintlich so unkreative Bankerstadt und langweilten einheimische Kreative und Frankfurt-Kenner mit Lobgesängen auf, je nach Herkunft, Außenalster, Prenzlauer Berg oder Schwabing. Spätestens beim Medienempfang am Donnerstag bei Bier und gigantischem Rundumblick lobten selbst die schnöseligsten Nord- und Süddeutschen den ganz eigentümlichen Flair der Stadt zwischen Alt-Bornheim und Sachenhausen. Frankfurt ist eine kleine, kompakte Metropole und die tollen ADC-Tage kompakt in der Messehalle 5 abzuhalten, war eine richtige Entscheidung.  

So wie der ADC von Frankfurt - und der Unterstützung durch Politik, Wirtschaft und Medien (die von HORIZONT produzierte ADC-Zeitung wurde in sämtlichen Frankfurter Tageszeitungen beigelegt und bescherte dem ADC bei einer Auflage von rund 800.000 Exemplaren enorme Publicity jenseits der Werbeprofis) - profitierte, profitiert seit drei Jahren die Flughafen-, Messe- und Bankenstad vom Flair, einmal im Jahr Deutschlands kreative Hauptstadt zu sein. Man kann sich daran gewöhnen.

Frankfurts Chancen, auch in den kommenden Jahren ADC-Gastgeber zu sein, stehen wahrscheinlich nicht schlecht. „Wir haben uns hier extrem wohlgefühlt", sagt ADC-Präsidiumssprecher Jochen Rädeker. Es wird vor allen Dingen darauf ankommen, mit welchen (Finanz-)Forderungen  der ADC die interessierten Städte konfrontiert und ob der künftige Frankfurter Oberbürgermeister, der Sozialdemokrat Peter Feldmann, Kreativität so wichtig erachtet wie es der CDUler Markus Frank, einer der treibenden Kräfte, seit Jahren getan hat.

2. Die Preisträger. Eigentlich vergeht keine ADC-Preisverleihung ohne Diskussionen über Goldideen, vermeintlich fragwürdige Juryentscheidungen und manches bierselige Gejammere über die vermeintlich unberechtigte Bevorzung von Konkurrenzarbeiten.  In diesem Jahr ist das Geraune hinter den Kulissen und der öffentlich wirksame Eklat (bislang) ausgeblieben. Die stärkste Schlagzeile lieferte Jochen Rädeker mit seine Statement, dass ein Großteil der kommerziellen Kommunikations Schrott sei. Wirklich überraschend ist das nicht. Im wirklichen Leben geht es auch nicht anders zu. Deutschland hat Millionen Fußballer und Abertausende Fußballvereine. Brilliant spielen aber nur ganz wenige Teams der Bundesliga (derzeit eigentlich nur eines, Borussia Dortmund).

Dass der ADC-Jahrgang 2012 ein guter ist, verdeutlichen die Anzahl der goldenen, silbernen und bronzenen Nägel und die Gewinnerarbeiten selbst. Die Jury hat sich beste Mühe gegeben, relevante Arbeiten auszuzeichnen. In den meisten Fällen ist ihr das gelungen. Und mit Heimat wurde die Agentur zum großen Abräumer, die wie kaum eine andere in den vergangenen Jahren Kreativen, Kunden und Konsumenten bewiesen hat, dass Werbung intelligent, vielschichtig, spannend und relevant sein kann.

3. Der ADC. Verband und die das Festival organisierende Geschäftsstelle haben sich in bester Verfassung präsentiert. Ok, der Kongress hätte inhaltlich etwas dichter sein können. Und dass sich die eminent wichtige Diskussion über das Urheberrecht sich im Programm nicht widerspiegelte, ist mir unverständlich und war ein Fehler. Hier hat der ADC es verpasst, und den Schulterschluß mit Künstlern jenseits der kommerziellen Kommunikation zu suchen und so ein klares politisches Statement abzugeben. Immerhin hat ADC-Rädeker bei der Preisverleihung in einer engagierten Rede deutlich gemacht, dass Kreation ohne funktionierendes Urheberrecht undenkbar ist: Ideen mögen das Geld von morgen sein, aber Ideen brauchen Geld, um überhaupt Wirksamkeit zu entfalten. Fazit: Es hat Spaß gemacht - 2013 gerne wieder in der Stadt der Banken, Businessmenschen und Äppelwoi-Fans.vs
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