ADC-Chef Rädeker: Vorwürfe sind "komplett dahergeschrieben"

Donnerstag, 04. August 2011
ADC-Chef Jochen Rädeker
ADC-Chef Jochen Rädeker

ADC-Vorstandssprecher Jochen Rädeker ist ein besonnener Mann. Kritik am Kreativclub sieht er in der Regel entspannt. Aufgeregt hat ihn zuletzt aber der Bericht "Aus Rot wird Schwarz" sowie der dazugehörige Kommentar "Tollhaus ADC", der in HORIZONT-Ausgabe 30/2011 erschienen ist. Die dort formulierte Kritik weist er entschieden zurück. Im Interview erläutert er, was genau ihn auf die Palme gebracht hat und wie er selbst die Lage im Club einschätzt.
Sie haben sich über die ADC-Berichterstattung in HORIZONT von voriger Woche empört. Was genau kritisieren Sie?
Mich hat wirklich sehr geärgert, dass Sie dem Vorstand und mir persönlich einen Schlingerkurs und Führungsschwäche vorwerfen. Das halte ich für komplett dahergeschrieben.

Dann legen Sie mal mit Ihrer Gegenrede los.
Ich bin angetreten mit einem ganz klaren Ziel: Öffnung, Neustrukturierung und Positionierung des Clubs. Auf meine Initiative hin haben wir, nachdem wir massive Verluste eingefahren haben, das Festival neu ausgeschrieben. Das hat uns bereits im ersten Jahr einen deutlich sechsstelligen Betrag eingespart. Danach haben wir uns das Thema Clubstruktur vorgenommen, indem wir die Regionen um die Fachbereiche ergänzt haben. Im Folgejahr haben wir uns darauf konzentriert, eine drohende Finanzkrise für den ADC zu verhindern. Das haben wir geschafft. Wir haben Schluss gemacht mit der Saturiertheit der vergangenen Jahre.

Fertig?
Noch nicht. Wir haben jetzt Tabuthemen wie die Bürostruktur angepackt und uns einvernehmlich von der Geschäftsführung getrennt. Wir haben ein komplett neues Organisationsmodell erarbeitet, das den Club zukunftsfähig macht. Mit anderen Worten: Kein Vorstand hat den ADC mehr verändert, härter durchgegriffen, mehr Reizthemen angepackt und mehr gearbeitet als wir. Ich habe allerdings auf die branchenübliche Großmäuligkeit verzichtet. Vielleicht war das ein Fehler. Aber was daran Führungsschwäche und Schlingerkurs sein soll, müssen Sie mir schon erklären.

Das mache ich gerne. Schlingerkurs nenne ich zum Beispiel, wenn man öffentlich erklärt, der ADC schreibe mit dem Festival rote Zahlen – und plötzlich feststellt, dass man doch einen Gewinn erzielt hat. Oder wenn man erst andeutet, die Berliner Geschäftsstelle einzudampfen, wenig später aber erklärt, das Büro und die Geschäftsführung zu stärken.
Es ist richtig, dass ich bei der Pressekonferenz zum ADC-Festival von roten Zahlen gesprochen habe. Zum damaligen Zeitpunkt musste ich auch noch davon ausgehen. Es fehlte allerdings der finale Kassensturz. Durch unsere massiven Sparmaßnahmen, auch im Nachgang, haben wir es geschafft, ein leichtes Plus zu erzielen – und zwar nicht plötzlich, sondern durch harte, kontinuierliche Arbeit. Wir reden übrigens nicht von Millionengewinnen, sondern von Bereichen, in denen der Unterschied zwischen roten und schwarzen Zahlen nicht sehr groß ist.

Wenn die finalen Zahlen nicht vorlagen, wäre es dann nicht Ihre Pflicht gewesen, nicht von roten Zahlen zu reden? So etwas kann sich geschäftsschädigend auswirken.
Noch einmal, zum damaligen Zeitpunkt musste ich davon ausgehen, dass es auf rote Zahlen hinausläuft. Das war im Übrigen auch die Auskunft, die ich seinerzeit von Festival-Direktor und ADC-Geschäftsführung bekommen habe. Ich gebe aber gerne zu, dass ich meine Aussage in diesem einen Fall korrigieren muss – und ich freue mich riesig darüber, dass ich das machen kann.

Festival-Direktor Claus Fischer freut sich offenbar nicht ganz so, er schmeißt den Job hin.
Claus Fischer hat fantastische Arbeit geleistet. Dass er mit diesem guten Ergebnis abtritt, ist ganz normal. Er muss sich auch mal um seine eigene Agentur kümmern, wie alle, die mit dem Ehrenamt für den Club an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gehen.

Sie erwarten jetzt kein Mitleid, oder?
Nein. Ich finde es nur bitter, dass die Presse immer auf die Kritiker schaut und nicht über positive Dinge berichtet. Ein Beispiel: Über 96 Prozent der ADC-Mitglieder und 90 Prozent der anderen Besucher wollen nächstes Jahr wieder zum Festival kommen. Es ist sehr leicht, alles kaputt zu schreiben – vor allem, wenn man auf die 3,5 Prozent Berufsnörgler hört, denen die Lachsschnittchen und der Champagner gefehlt haben. Das zu einem Zeitpunkt zu tun, wo die Differenzen, die bei radikalen Reformen immer auftreten, einvernehmlich beendet sind, ist nicht nur leicht, sondern billig.

Billig und – mit Verlaub – bequem finde ich eher, Kritik mit dem Verweis auf Berufsnörgler abzutun, denen der Schampus gefehlt hat. Aber lassen Sie uns über Herrn Fischer reden. Sie sagen, es sei ganz normal, dass er jetzt abtritt. Das meinen Sie nicht im Ernst, oder? Sie wissen doch genau, dass er geht, weil er genervt ist von den ständigen Querschüssen, auch aus dem Vorstand.
Herr Fischer geht nicht. Er bleibt Frankfurter Sektionsvorstand und Kontaktperson für unsere Festivalpartner. Das Amt des Festival-Direktors hat er aber in der Tat niedergelegt – weil er erfolgreich war und weil er eine riesige Arbeitsbelastung hatte. Das ist aus meiner Sicht auch absolut verständlich. Aber klar: Wenn jemand einen Hammerjob macht, aber trotzdem immer wieder von der Presse und einigen Mitgliedern unfair kritisiert wird, dann verliert man auch die Lust. mam

Das vollständige Interview lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 31/2011 vom 4. August.
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