ADC-Bilanz: Warum Frankfurt dem ADC gut tat

Montag, 17. Mai 2010
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Die Nägel sind verteilt, die Partys vorüber, der Kater auskuriert. 9000 Gäste machten Frankfurt ein Wochenende lang zur Kreativhauptstadt der Republik. HORIZONT-Chefredakteur Volker Schütz erklärt, warum Frankfurt dem ADC gut getan hat. 1.Mediale Sympathisanten. Noch nie zuvor hatte ein Jahrestreffen der deutschen Kreativen im Vorfeld eine so breite Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Medien erhalten. Schon während des Städte-Pitchs hatte sich eine Frankfurter Allianz, vorangetrieben von den ADC-Vorständen Stephan Vogel und Claus Fischer mächtig ins Zeug gelegt. Eine von HORIZONT produzierte ADC-Festivalzeitung brachte die Welt der Werbung auch den Lesern von „FAZ", „Frankfurter Rundschau" und „Frankfurter Neue Presse" nahe. Der von den Frankfurter Printmedien und AS&S Radio, Radio BOB, dem Fachverband Aussenwerbung und Media Frankfurt getragene Juryempfang am Donnerstag war trotz lausiger Temperaturen das richtige Warming up für ein gelungenes Wochenende. Und auch Oberbürgermeisterin Petra Roth zeigte vollen Einsatz und Omnipräsenz bei den diversen Veranstaltungen.

2. Kreativer Output. 2009 war wahrscheinlich nicht das beste Jahr in der Geschichte der deutschen Kreativen: Gut, dass die Jury keinen Grand Prix vergeben hat. Die verteilten Nägel waren aber eine realistische Leistungsschau, die bestätigten, was schon seit drei Jahren absehbar ist: Digital wird immer wichtiger, wirklich integrierten Kommunikationsstrategien (Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken, CNN) gehört die Zukunft. Das sind keine neuen Erkenntnisse, aber nach diesem ADC-Treffen dürften sie endgültig auch bei jedem Mainstream-orientierten Marketer (die freilich in viel zu geringer Zahl in Frankfurt waren) angekommen sein. Auch Lästermaul Amir Kassaei, der aus der Ferne - sozusagen aus dem Off - via Twitter und Facebook  mal über die Jury, mal über die ganze Veranstaltung, mal über die Lage der Kreativnation lästerte, sollte ein Einsehen haben und eingestehen: So schlimm war es nun nicht. Btw: Wo war denn DDB überhaupt dieses Jahr beim ADC? Es war nicht viel zu hören und zu sehen von DDB in diesem Jahr.

3. Die Jugend. Es war ein kluger Schachzug, die Juniordays und den ADC für Erwachsene zeitgleich am selben Ort stattfinden zu lassen. Agenturen haben Nachwuchsprobleme: Werbung ist längst nicht mehr der Wirtschaftszweig, in den jeder coole, intelligente junge Mensch unbedingt einsteigen will. Es wird auf Dauer nicht genügen, dem Nachwuchs Agenturen und Werbung mit Verweis auf geile Partys schmackhaft machen zu wollen, wie dies GWA-Präsident Peter John Mahrenholz jüngst getan hat. Kreativunternehmen brauchen Argumente, um den Nachwuchs zu ködern: Das ADC-Festival bietet den richtigen Rahmen dafür. Allerdings haben nicht nur Agenturen und ADC Nachholbedarf in Sachen Nachwuchs. Auch die Jungkreativen selbst müssen mehr bieten, als andächtig die gut gemeinte Beschimpfung durch Blogger-Star Sascha Lobo hinzunehmen. Der warf den Junioren beim Futurekongress - zu Recht - fehlende Web-2.0-Tauglichkeit vor. Lobos Vortrag wurde brav beklatscht. Mit braven Menschen allein wird man dauerhaft keine guten Kampagnen machen können.

4. Das Wetter. Das Wetter war mies, keine Frage. Aber es war auch nicht viel schlechter, als dies Hamburger Kreative im Hochsommer gewohnt sein dürften. Das Werbefestival in Cannes hatte in den 90er Jahren einmal das Motto: No beach, just work. Das schlechte Wetter in Frankfurt führte dazu, dass die Veranstaltungen fast alle - sofern sie nicht unter dem luftigen Dach der Greentowers stattfanden - gut besucht waren. Eben: No beach, just work. Gefeiert wurde dann erst nach getaner Gedankenarbeit.

5. Die Stadt. Viele Frankfurt-Hasser pflegen ihr Frankfurt-Vorurteil, weil sie sich nie außerhalb der Flughafen-Terminals A und B bewegt haben. Die an unterschiedlichen Orten  ausgetragenen Stadtgespräche zwang die Kreativen zum häufigen Ortswechsel: Frankfurt wurde erlebbar für Hamburger, Münchner und Berliner. Und wenn im nächsten Jahr das Wetter besser ist, kann am Main und in den Äppelwoi-Kneipen noch ganz anders gefeiert werden.

Die Chancen 2011. Der ADC in Frankfurt - das war produktives Aufeinandertreffen. Dennoch müssen im nächsten Jahr zwei Dinge verbessert werden. Zum einen der Termin. Frankfurt ist deshalb für den ADC ein gutes Pflaster, weil in der Rhein-Main-Region im Gegensatz zum armen, aber sexy Berlin Markenartikler beheimatet sind. Die muss man dazu bewegen, beim ADC dabei zu sein. Funktionieren wird dies aber nur, wenn kein Feiertag, kein Brückentag das große Aufeinandertreffen von Kreation und Marketing-Geld torpediert. Also, liebe Frankfurter Messe: Der ADC will kommen, aber bitte nicht an Christi Himmelfahrt. Cannes hat es geschafft, sich von einem um sich selbst kreisenden Werbefestival zu einem internationalen Marken- und Kreativtreff zu entwickeln. Das sollte auch das Ziel hierzulande sein. Das zweite gewichtige Pfund, das ausgebaut werden sollte, sind die schon erwähnten Juniordays. Der Jugend gehört die Zukunft, haben schon unsere Eltern gesagt. Dies sollte sich auch der Art Directors Club zu Herzen nehmen - und sich überlegen, was man auf diesem Gebiet im nächsten Jahr noch tun kann.

ADC in Frankfurt - uns hat's gefallen. Und wir freuen uns aufs nächste Jahr. vs
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