ADC: Amir Kassaei rechnet ab

Donnerstag, 24. September 2009
Wirft Kollegen mangelndes Engagement vor: Amir Kassaei
Wirft Kollegen mangelndes Engagement vor: Amir Kassaei

Er ist ein Freund deutlicher Worte. Amir Kassaei, Noch-Vorstandssprecher des ADC und Kreativchef von DDB, nimmt im Interview mit HORIZONT zu seinem Abgang beim Verband kein Blatt vor den Mund. Seine Aussagen gleichen einer Abrechnung. "Manchmal war es wie bei dicken Kätzchen vorm Kamin, denen unbehaglich wird, wenn einer das Fenster aufmacht und kalte Luft reinlässt", sagt der streitbare Kreative über die Arbeit im ADC-Vorstand. Zudem wirft er einigen Kollegen mangelndes Engagement vor. Kassaei: "Ins Olympiabecken zu pinkeln ist einfacher, als darin einen Weltrekord zu schwimmen. Soll heißen: Wenn man etwas bewegen will, muss man sich auch wirklich anstrengen - und nicht nur darüber reden." Hauptgrund für seinen Entschluss, das Amt niederzulegen, sei das gestörte Vertrauensverhältnis. "Es wurden mehrfach Interna aus Vorstandssitzungen in die Öffentlichkeit getragen - mit dem Ziel, mir und dem ADC zu schaden."

Nicht nur den Kollegen beim ADC schenkt Kassaei ein, auch der GWA kommt nicht gut weg: "Die entscheidende Frage ist: Gehen wir ehrlich mit der fundemental veränderten Situation für uns um - oder wollen wir uns weiterhin in die Tasche lügen und uns ins Reich des Tiefschlafs schummeln wie der GWA?"

Mit seiner Bilanz als Vorstandssprecher zeigt sich Kassaei zufrieden, trotz seines Rücktritts nach noch nicht einmal einem Jahr. "Unter dem Strich haben wir eine Menge auf den Weg gebracht. Man kann mir vielleicht vorwerfen, dass ich polarisiere, aber nicht, dass sich im letzten Jahr inhaltlich nichts getan hat." Als Beispiel nennt er die Diskussion um relevante Kreation, die auch internationale Wettbewerbe aufgegriffen hätten, die geplanten Veränderungen in der Vorstandstruktur und beim ADC-Wettbewerb. 2010 sollen neue Kategorien für Produktdesign und Prototypen eingeführt werden.

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Das komplette Interview lesen Sie in Ausgabe 39/2009 vom 24. September.

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Auch wenn Kassaei zu seinem Rücktritt steht, lässt er eine Hintertür offen: "Ich bin niemand, der leere Drohungen ausspricht. Aber man weiß sowieso erst im Nachhinein, was man an dem einen oder anderen gehabt hat. Wenn die Mitglieder mich eines Tages rufen sollten, sehen wir weiter. Ich bin und bleibe aber für viele Leute zu polarisierend."

Kassaei war Anfang August nach einem vorstandsinternen Streit zurückgetreten. Ein Nachfolger für ihn wird auf der ADC-Jahreshauptversammlung Anfang November in Hamburg gewählt. mam 

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