13 Jahre, 6 Monate: Staatsanwalt fordert lange Haft für Ruzicka

Montag, 06. April 2009
Für Linn (links) und Ruzicka läuft die Zeit ab
Für Linn (links) und Ruzicka läuft die Zeit ab

Im Untreue-Prozess gegen die früheren Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn wurde am heutigen Montag trotz Hinhaltetaktik der Verteidigung die Beweisaufnahme geschlossen. Damit war endlich der Weg frei für das seit langem erwartete Schlussplädoyer der Anklage.  In dem abschließenden Plädoyer beantragt die Anklage für Aleksander Ruzicka eine hohe Haftstrafe: 13 Jahre und 6 Monate Haft, so lautet die Forderung des zuständigen Staatsanwalts Wolf Jördens. Die Höchststrafe für den Tatvorwurf der gemeinschaftlich begangenen schweren Untreue in insgesamt 78 Fällen liegt bei 15 Jahren.

Der Mit-Angeklagte David Linn kommt in dem Plädoyer vergleichsweise glimpflich davon: Geht es nach der Staatsanwaltschaft, soll Linn zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt werden. Zudem fordert Jördens eine Geldstrafe von 30.000 Euro.

Ob und wie lange Ruzicka tatsächlich hinter Gitter muss, ist allerdings noch offen. Am 23. April wird die Verteidigung von Linn ihr Plädoyer vortragen, am 27. April die Anwälte von Ruzicka. Erst danach wird das Urteil gefällt, voraussichtlich in der ersten Maiwoche.

Staatsanwalt Jördens begründete in seinem Plädoyer die unterschiedlichen Strafmaßforderungen für Ruzicka und Linn. Der frühere Aegis-Einkaufschefs habe sich kooperativ und geständig gezeigt, zudem habe er sich selbst gestellt und Schadenswiedergutmachung angeboten. All das sei bei Ruzicka nicht der Fall. Im Gegenteil: Sein Aussageverhalten habe sich durch Dreistigkeit und Ausweichmanöver ausgezeichnet. Zudem spreche der späte Zeitpunkt seiner Aussage Ende Oktober 2008 gegen Ruzicka.

An den dabei gemachten inhaltlichen Ausführungen des Hauptangeklagten ließ Jördens kein gutes Haar. So nannte er Ruzickas immer wieder vorgebrachtes Argument, seine Aktivitäten hätten vor allem der Informationsbeschaffung gedient, eine "phantasievolle Schutzbehauptung". In Bezug auf die Erläuterung zu den Geschäften mit ZHP sprach Jördens sogar von "dem größten Blödsinn, den ich je in einem Gerichtssaal gehört habe". Diese Bemerkung zielte auf den Ex-Agenturchef und früheren hessischen Europaminister Volker Hoff, der erklärt hatte, die Rechnungen seien nach "gefühlten Größen" erstellt worden.

Anders als bei Linn fordert die Staatsanwaltschaft, Ruzicka für jeden einzelnen der insgesamt 78 angeklagten Fälle zur Verantwortung zu ziehen. Dies sei zwingend, weil er für jeden Einzelfall die komplette Entscheidungsbefugnis gehabt habe, während Linn durch sein Nichtstun "nur" dafür gesorgt habe, dass die Gelder fließen konnten.

Der Anklagevertreter bescheinigte Ruzicka "erhebliche kriminelle Energie" bei der Schaffung und Verschleierung des von ihm etablierten Firmennetzwerkes. Außerdem habe er eine Vielzahl weiterer Personen als Strohleute oder Geldwäscher in die Sache hereingezogen. Entscheidende Triebfeder für Ruzickas Handeln sei gewesen, seinen persönlichen Lebensstandard zu steigern.

Die letztendlich ermittelte Schadenssumme liegt laut Staatsanwaltschaft bei 49 Millionen Euro. In seinem Plädoyer trug Jördens für jeden Ruzicka zur Last gelegten Fall eine Einzelstrafe vor. Dabei reichten die Einzelforderungen von sechs Monaten bis zu vier Jahren. Die Addition aller Einzelstrafen ergibt die Summe von 112 Jahren. Die Höchstgrenze bei der Bildung einer Gesamtstrafe beträgt allerdings 15 Jahre. mam



  mam/mas
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