Stefan Setzkorn, Honey

Stefan Setzkorn, Honey

Zum ersten Todestag Wie Prince zur unsterblichen Marke wurde

Freitag, 21. April 2017
David Bowie, Leonard Cohen, George Michael - im vergangenen Jahr starben so viele große Pop-Musiker wie wohl nie zuvor. Stefan Setzkorn hat dabei kein Tod so sehr berührt wie der von Prince. Seit er 16 Jahre alt war, hat der Managing Director von Honey alle Alben des Superstars gekauft, über 800 Songs angehäuft und unzählige seiner Konzerte besucht. In seinem Gastbeitrag bei HORIZONT Online erklärt Setzkorn, warum er nicht nur den Musiker bewundert, sondern vor allem auch großen Respekt vor dem Marketing-Genie Prince hat.
Themenseiten zu diesem Artikel:

Stefan Setzkorn Honey


Prince war immer eine Marke. Eine, die sich stets wandelt, aber sich doch im Kern treu bleibt. Angefangen vom High-Heel-Glitzerfummel-Outfit bis hin zur Stimme und den Gitarrenriffs, die man nach nur zwei Sekunden sofort als erkennbares Soundlogo nutzen könnte. Vor allem das Erscheinungsbild der Marke Prince war für viele grenzwertig, aber wenn das Produkt stimmt, kann sich eine Marke eben alles erlauben.
Prince war eine Lovebrand. Das sieht man schon daran, dass seine Fans über Jahrzehnte wirklich jeden Irrsinn mitmachten. Platten nur noch übers Internet bestellen, zu Zeiten als das noch wirklich, wirklich kompliziert war? Sehr gern! Teilweise eher unhörbare CDs kaufen und Freunden gegenüber behaupten, da seien doch ein paar wirklich gute Nummern drauf? Ehrensache! Selbst als Arter beide Augen zudrücken, wenn das nächste Album mit irgendwie halb-esoterischem Katastrophen-Cover erschein? Auf jeden Fall! Ihm das gewöhnungsbedürftige "Lovesymbol", die Thomas-Sabo-Variante unter den Rock-Logos, nicht nur verzeihen, sondern sogar T-Shirts damit tragen? Natürlich, was denn sonst!

Überhaupt, das Lovesymbol. Es ist bis heute das einzig echte Logo, das ein Musiker je so durchgängig benutzt hat, und das auch tatsächlich als Logo entwickelt wurde. Gitarre, Mikroständer, Bühne – die Form des Logos fand sich überall wieder. Genaugenommen hat Prince mit seinem Lovesymbol sogar das Emoji erfunden: O(+>. Wie dieses Logo entstand, ist ein Lehrstück aus dem Buch "Marke beweist Haltung".
„Vor allem das Erscheinungsbild der Marke Prince war für viele grenzwertig, aber wenn das Produkt stimmt, kann sich eine Marke eben alles erlauben“
Stefan Setzkorn
1993 geriet Prince in Streit mit seiner Plattenfirma Warner. Es ging um seine künstlerische Freiheit. Um den Vertrag zu umgehen, legte Prince seinen Namen ab und veröffentlichte seine Alben selbst im Netz. Als "Lovesymbol". Er nutzte diesen Streit, um im Gespräch zu bleiben. Damit man über seinen Kampf gegen die Musikindustrie trotz Namenlosigkeit sprechen konnte, nannte er sich TAFKAP (The Artist Formerly Known As Prince), und ritzte sich gleich noch das Wort SLAVE in die Wange. Guter Content besteht eben auch immer aus Bildern. Um die Fans trotz fehlenden Marketings seitens der Plattenfirma zu binden, setzte er als einer der ersten Musiker ein CRM-Programm für seine Fans auf. Mitglieder des NPG-Music-Clubs bekamen unzählige, exklusive Extras nach Subscribtion-Modellen, die Prince immer wieder neu definierte. Er veröffentlichte „Planet Earth“ als Gratis-Beilage der Mail on Sunday, um die Wertlosigkeit von Datenträgern und den Wert von Musik zu thematisieren. Das „Black Album“ zog er kurz vor Veröffentlichung zurück, was es auf dem Schwarzmarkt zu einem der meistegesuchten Bootlegs der Welt machte. Beide Aktionen haben ihm weltweit mehr und bessere Presse eingebracht, als die Alben sonst je bekommen hätten (und auf beiden ist natürlich je eine wirklich gute Nummer drauf).
"The New Yorker" widmet Prince die Titelseite der am 2. Mai erscheinenden Ausgabe
Bild: New Yorker Twitter

Mehr zum Thema

R.I.P. Prince So reagieren Marken und Agenturen auf den Tod des Pop-Superstars

Mit dieser Mischung aus Genalität, Schöpfergeist, unverwechselbarem Stil, Ikonisierung, echter Haltung, Größenwahn, kalkulierten Skandalen und einem durchgehenden Narrativ wurde Prince zur unsterblichen Marke. Zu einer, die übrigens sogar ihre eigene Coporate Colour hatte. Als die Nachricht von Prince Tod am 21. April 2016 die Menschen erreichte, hüllte sich die Welt in Lila.
Meist gelesen
stats