Frank Behrendt, Fischer-Appelt

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#Zeitschenken Warum Edeka und Jung von Matt ins Schwarze treffen

Donnerstag, 17. November 2016
Edeka und Jung von Matt haben im vergangenen Jahr mit #Heimkommen einen echten Viralerfolg gelandet. Kann der diesjährige Weihnachts-Spot #Zeitschenken daran anknüpfen? Frank Behrendt, Senior Advisor bei Fischer-Appelt und Autor des Buches "Liebe dein Leben und NICHT deinen Job", hat keine Zweifel daran, dass Edeka damit den Nagel auf den Kopf trifft, wie er in seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online schreibt.
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EDEKA Jung von Matt Frank Behrendt Michael Ende


Vor 43 Jahren erschien Momo, das Meisterwerk von Michael Ende. Sieben Millionen Mal wurde es bislang verkauft und hoffentlich auch gelesen. Verstanden haben es offenbar nicht so viele. Denn sonst müsste es keine Kampagnen geben, die Menschen auffordern, ihre Zeit besser zu nutzen und auch denen zu schenken, die sie wirklich verdienen. "Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte", lautet der Untertitel des Buches von Ende. Heute heißt es bei Edeka im neuen Spot der Kreativ-Schmiede Jung von Matt postmodern #Zeitschenken.

In Edekas Kampagne steht die Entschleunigung im Mittelpunkt
© Edeka

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Ich bin ehrlich: Ich mochte den Spot vom ersten Moment an. Er erzählt einfach wieder die Wahrheit, lässt uns mit einem Nicken und einem "Stimmt-eigentlich-Gefühl" zurück. Ob wir nun deshalb künftig Edeka unsere Einkaufszeit schenken, sei dahingestellt, aber den Kindern – und nicht nur denen – sollten wir in der Tat mehr Aufmerksamkeit in einer immer schneller tickenden Welt schenken.

Der Spot mit dem Edeka-Opi aus dem letzten Jahr hat mich seinerzeit in ein Altersheim getrieben. Dort bin ich seither im regelmäßigen Turnus Talkmaster und bereite den Senioren Freude. Sie entlohnen mich für meine Auftritte reich, denn ihre Geschichten sind pure Inspiration und ihre Dankbarkeit ist berührend.

Vielleicht schafft es auch dieser Spot wieder, einen Impuls zu setzen. Nicht bei mir, denn meine persönliche Haltung stellt das Leben, meine Familie, meine Kinder und auch Menschen überhaupt ohnehin an die erste Stelle. Aber das ist nicht selbstverständlich, wie ich heute früh an der Grundschule meiner Kinder leider feststellen musste. Am Freitag ist wieder der bundesweite Vorlesetag www.vorlesetag.de - eine tolle Initiative von "Zeit", Stiftung Lesen und Deutsche Bahn. 110.000 Vorleserinnen und Vorleser machen schon mit, aber es könnten noch viel mehr sein. „Nur wenige Väter haben sich gemeldet“, sagte mir unsere Klassenlehrerin der Biberklasse traurig.

Auch an meiner Schule sind viele Manager und Führungskräfte unter den Papas. Und die haben keine Zeit? Wir reden von einer einzigen Stunde plus An- und Abfahrt. Ich bin mal besonders hart: Wer das nicht einrichten kann, ist kein guter Manager, denn er kann offenbar seine Zeit nicht effizient planen. Ein kürzeres Meeting, eine verschobene Mittagspause, eine kurze Telefonkonferenz statt großer Rederunde und schon könnte es doch klappen mit etwas freier Zeit. Und die kann man dann verschenken. Zum Beispiel an Kinder, denen man in der Schule aus seinem Lieblingsbuch von früher vorliest. „40 Minuten lesen, 20 Minuten mit den Kindern über das Buch sprechen“, heißt es in meinem Briefing für Freitag. Ich lese das kleine Gespenst von Otfried Preussler, das habe ich immer schon gemocht und den Uhu Schuhu werde ich mit tiefer Stimme sprechen. Ich freue mich jetzt schon.

Diese Lese-Stunde ist ein Geschenk - auch für mich. Gespräche mit Kindern sind übrigens oft inspirierender als so manches Seminar oder Fachgespräch. Deshalb mein Appell an alle, die auch den neuen Edeka-Spot gut finden: Macht was aus der Botschaft. Nicht nur liken, sharen und nicken, sondern MACHEN! Und meinen gestressten männlichen Artgenossen ohne freie Zeitfenster am Vorlesetag empfehle ich bei der Gelegenheit mal wieder Momo zu lesen. Es lohnt sich. 

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