Volker Schütz

Volker Schütz

WPP/Thjnk Ein Deal, der Sinn macht

Donnerstag, 13. Juli 2017
Die Übernahme von Thjnk durch WPP ist überraschend. Sie ist aber auch konsequent. Das Gründerteam der Hamburger Agentur hat von Beginn an groß gedacht. Und ist offensichtlich zu der Erkenntnis gekommen: Wer Großes vorhat, braucht im globalen Zeitalter große Partner.

Ein bisschen erinnert der bemerkenswerte Deal zwischen dem weltweit größten Agenturnetwork und dem „rising star“ (WPP-Chef Martin Sorrell) der deutschen Agenturszene an die Übernahme von SinnerSchrader durch das Beratungsnetwork Accenture im Februar dieses Jahres.

Damals hatte ich formuliert: „Zeitenwende in der Agenturszene."  Dass sich die lokale Agenturlandschaft in einem möglicherweise dramatischen Umstrukturierungsprozess befindet, wird durch den WPP/Thjnk-Deal nochmals bestärkt.

Martin Sorrell_2017
Bild: WPP

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Übernahme WPP kauft Thjnk

Was haben beide Übernahmen gemeinsam? Sowohl Thjnk als auch SinnerSchrader sind in ihrem Markt zugleich etablierte wie innovative Impulsgeber.  Sie können ein imposantes Kundenportfolio vorweisen – bei Thjnk beispielsweise Commerzbank, Ikea, McDonald’s, Thyssen Krupp. Was diese Kunden gemeinsam haben: Es sind international agierende Unternehmen, die von ihren Dienstleistern verlangen, nicht nur international zu denken, sondern international arbeiten zu können.

Matthias Schrader hatte den Verkauf im HORIZONT-Interview seinerzeit folgendermaßen begründet: „Als Agentur stellt sich die Frage: Will ich als strategischer Partner mit der Transformation der Kunden wachsen oder will ich zum Zulieferer in der zweiten Reihe werden? Wir wollen natürlich vorne bleiben und selbst steuern und dafür ist Accenture genau der richtige Partner.“

Thjnk-Mit-Chefin Karen Heumann sagt nun zum WPP-Deal: „Wir freuen uns, mit diesem strategischen Schritt unseren Kunden direkten Zugriff auf das stärkste Expertennetz der Welt geben zu können, während wir gleichzeitig unseren Kurs als Thjnk mit voller Kraft weiterverfolgen.“

Das klingt deckungsgleich. Und: Wie bei SinnerSchrader wird  sich der Thjnk-Vorstand nicht zur Ruhe setzen, sondern im Gegenteil die Agenturmarke weiter vorantreiben.

Was der Deal auch zeigt: Das in Diskussionen und Kommentaren immer wieder gern vorgetragene Schwarz-Weiss-Muster: "Network ist pfui, inhabergeführt hui" ist Schnee von gestern. Die digitale Transformation fordert Dienstleister, deren Macher aus dem klassisch kreativen Agenturumfeld kommen, genauso wie die Internet-Spezialisten (wobei diese Trennung mittelfristig ohnehin obsolet sein wird).

Doch auch die großen, vermeintlich unerschütterlichen Networks stehen vor großen Herausforderungen. Sie haben das Geld, das Netzwerk und die Technologie. Doch oft fehlt ihnen fehlt der Spirit, neu zu denken. WPP hat in seinem viertwichtigsten Markt Deutschland (nach Nordamerika, UK und China), ein Sammelsurium von großen (oder ehemals großen) Agenturmarken wie Ogilvy, Grey, JWT, Scholz & Friends.

Schwächen hatte das Sorrell-Imperium aber verhältnismäßig lange Zeit im Bereich der neuen kreativen und digitalen Dienstleister. Aus diesem Grund hatte WPP 2014 die Mehrheit am Internet-Netzwerk Syzygy erworben. Aus diesem Grund hat sich WPP nun  Thjnk einverleibt.

Der Deal macht für beide Seiten Sinn. Marketing im digitalen Zeitalter wird ungeheuer vielschichtig, aber auch ungeheuer komplex. Im Zeitalter der New Economy hätte man gesagt: "Das ist eine Win-win-Situation" – auch für die Kunden der Agentur. vs

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