Uwe Kohrs, GPRA

Uwe Kohrs, GPRA

Verbands-Debatte "Wir brauchen keine aufgeblähte Struktur, sondern mehr Tempo"

Montag, 23. November 2015
GWA-Chef Wolf Ingomar Faecks hat kürzlich einen Dachverband für die Kommunikationsbranche gefordert. GPRA-Chef Uwe Kohrs hält davon wenig. In seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online erläutert er, warum.

Man reibt sich verwundert die Augen über die jüngst angestoßene Debatte zur Zusammenarbeit der Verbände in der Branche. Da ruft der Kollege Oliver Klein zur Gründung eines Einheitsverbandes auf, weil das andernorts ja auch so funktioniert. Alle Beteiligten betonen den Handlungsbedarf und die Bereitschaft; und aus den Silos sollen alle auch kommen, fordern die, die selbst am tiefsten drin sind. Frei nach dem Motto „Raus aus den Silos – rein in den programmatischen Einheitsbrei“. Oder wohin soll die Reise gehen? Bei aller Freude über die neuerliche Aufmerksamkeit, die den Verbänden geschenkt wird, bleibt dies doch bislang eher im Unklaren. Und wer glaubt, mit einer Dachorganisation allein inhaltliche Markt- und Positionierungsprobleme lösen zu können, liegt ganz falsch.

Kooperation braucht mehr als nur gemeinsame Interessen, sondern eine programmatische Basis, auf der man zielgerichtet kooperiert und die Interessen aller Mitglieder wahrnimmt. Dabei haben die Verbände die Aufgabe, sich der strittigen zukunftsorientierten und vor allem auch der Konflikt-Themen anzunehmen. Hierbei zu kooperieren und gemeinsam zu agieren, ist eigentlich längst Tagesgeschäft zwischen vielen Verbänden. Dass der GWA hier künftig dabei sein will, ist ein positives Zeichen. Aber eine träge und aufgeblähte Struktur braucht dabei keiner. Wir brauchen mehr Handlungsfähigkeit, Schnelligkeit und Schlagkraft, um Interessen gemeinsam wirkungsvoll vertreten zu können und Dinge im besten Sinne von allen zu verändern. Dazu brauchen wir bei allen Verbänden echte Kooperationsbereitschaft, um konkrete Projekte miteinander umzusetzen.

Wie wäre es also als Nagelprobe und Einstieg, wenn die Verbände sich gemeinsam zusammentäten, um in Sachen Silodenke ein Zeichen zu setzen und einen Award der gesamten Kommunikationswirtschaft auflegten, der mit einer kompetenten Jury dafür sorgt, dass wir bei Awards einmal internationales Niveau erreichen und eine echte und überzeugende Leistungsschau der gesamten Kommunikationsbranche realisiert wird? Hier ein starkes Zeichen in den Markt zu senden, das für entsprechende mediale Aufmerksamkeit sorgt, würde allen Disziplinen und deren Verbänden gut zu Gesicht stehen. Und es wäre ein guter Grund, intensiv miteinander auf Augenhöhe zu reden und etwas für die gemeinsamen Mitglieder zu bewegen.
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