Spießer Alfons

Spießer Alfons

Spießer Alfons Werber fragen, der Spießer antwortet

Donnerstag, 13. Oktober 2016
Alfons wiederholt sich zum wiederholten Male in Wiederholung: Werbung, die der Fragen würdig ist, ist fragwürdige Werbung. Zumal, wenn der Verbraucher mit den Fragen alleingelassen wird!
Themenseiten zu diesem Artikel:

Union Investment BamS FAZ SZ


Werbung soll ja eigentlich die Fragen des Konsumenten beantworten. Häufig jedoch tut sie das Gegenteil, indem sie Fragen aufwirft. Und was noch kurioser ist: Die Werber lassen den Verbraucher ohne Antworten zurück.

Betrachten wir als erstes Beispiel eine Anzeige von Brita, wo man uns Tischwasserfilter verkaufen möchte. Und Brita erzählt dem Konsumenten: "Kaffee besteht zu 98 % aus Wasser", um dann zur Frage zu kommen: "Warum filtern wir nur den Kaffee?" – siehe die Abbildung!
Ja warum filtert Brita eigentlich nur den Kaffee?
Ja warum filtert Brita eigentlich nur den Kaffee?
Das hat den Spießer neugierig gemacht, der nun wissen wollte, warum Brita denn nur den Kaffee filtert. Aber Pusteblume: Im Kleingedruckten steht zwar, dass man "perfektes Kaffeearoma" mit Brita genießen kann, aber warum Brita nur den Kaffee filtert, erfährt der Anzeigenleser nicht.

Eine andere Frage, die den Spießer aber weitaus mehr beschäftigt, die stammt von Vagisan und lautet: "Kommt die Tagescreme für die Vagina?" – wenn Ihr bitte mal einen Blick auf die diesbezügliche Anzeige werfen wollt!
Und wann kommt die Moccacreme für die Torte?
Und wann kommt die Moccacreme für die Torte?
Ja, das ist die Frage, die man sich im ganzen Lande stellt: "Kommt die Tagescreme für die Vagina?" Was glaubt Ihr denn, liebe HORIZONT-Leser: Kommt sie, oder kommt sie nicht …? In der Anzeige des Herstellers Dr. Wolff wird die Creme Vagisan präsentiert, die vermutlich eine Nachtcreme für die Vagina ist, welche Evas Tochter offenbar nicht als Tagescreme verwenden kann, denn sonst würde sich die Eingangsfrage ja gar nicht erst stellen.

"Kommt die Tagescreme für die Vagina?" Die Dame im Anzeigenfoto können wir dazu leider nicht befragen, obwohl unter dem Foto steht: "Skandinavierinnen gehen mit intimen Themen offener um" – aber am Rande des Bildes ist ausdrücklich vermerkt: "Bild dient lediglich Illustrationszwecken. Bei der abgebildeten Person handelt es sich um ein Fotomodell."

Womit klar zum Ausdruck gebracht wird: Keine Skandinavierin mit Scheidentrockenheit war bereit, sich in einer Anzeige für Vagisan zur Verfügung zu stellen. So viel zur Offenheit in Skandinavien bei Themen, die sich zwei Handbreit unterm Nabel abspielen.

Die Kampagne von Union Investment, wo schon seit langem Alltagsfragen aufgeworfen werden, hat Spießer Alfons noch nie verstanden. Schaut Euch das Sujet dort unten an, wo die Frage gestellt wird: "Warum hatte man früher eigentlich Sparstrümpfe zum Sparen?" Und wenn der Anzeigenleser das wissen will, dann erfährt er: "Wir können nicht alles erklären, aber wie man heute zeitgemäß Geld ansparen kann, schon."
Warum wissen die Fachleute von Union Investment das nicht?
Warum wissen die Fachleute von Union Investment das nicht?
He, wenn die Union Investoren nicht mal erklären können, warum man früher Sparstrümpfe hatte, wieso kann dann der Leser glauben, dass die Damen und Herren sich in Fragen des Geldes auskennen, die weitaus schwerer zu beantworten sind als die besagte ...?!

Spießer Alfons beantwortet die Frage nach dem Sparstrumpf wie folgt: Dass unsere Urgroßmütter ihr Geld in einem Strumpf gesteckt haben, lag einzig und allein daran, dass die Scheine sonst lose unter der Matratze herumgeflogen wären.

Anderes Thema, und zwar Verlagswerbung. Wenn Spießer Alfons an die Zeit zurückdenkt, wo er als Werbeleiter in Großverlagen die deutsche Verlagswerbung dominiert hat (und dabei als arbeitgeberfreundlicher Mitarbeiter in vier Jahrzehnten genau null Fehltage aufweisen konnte), dann erinnert der Spießer sich noch gern an die Jahre, in denen er für die "Bild"-Zeitung gearbeitet hat, die damals eine Auflage von über 5 Millionen Exemplaren gedruckt hat, und zwar täglich.

Auf die gute alte Gutenberg-Zeit folgte dann das Internet-Zeitalter, was zur Folge hat, dass das Boulevardblatt heute Jahr für Jahr einen Wald von Bäumen einspart. Holz, das man nun teilweise zur Eigenwerbung der Zeitung einsetzt, wenn Ihr Euch bitte mal die holzschnittartige Darstellung in der unten gezeigten Annonce anschauen wollt, liebe Lesergemeinde, die Teil einer Kampagne ist!
Alfons sieht rot: Ein Holzschnitt im Internet-Zeitalter!
Alfons sieht rot: Ein Holzschnitt im Internet-Zeitalter!
Auf eine solche Idee wäre Spießer Alfons zu seiner damaligen Zeit als Werbeleiter der "Bild"-Zeitung nie gekommen. Aber in der Gutenberg-Zeit, wo man die Anzeige als "Königin aller Werbemittel" bezeichnet hat, da wussten die Werbegestalter auch noch, wie man Anzeigen mit Inhalten füllt statt allein mit roter Druckfarbe. Und dass so was auch heute noch geht, zeigen die Anzeigen vom Schwesterblatt "Bild am Sonntag".

Auch die Werbung für den deutschen "Playboy" hat der Spießer über viele Jahre gestaltet und geschaltet. Zur damaligen Zeit wusste man, dass viele Leser am Kiosk die "FAZ" oder die "Süddeutsche Zeitung" gekauft haben, nur um darin den "Playboy" mit nach Hause zu tragen. Und heute? Heute schämt sich keine junge Frau, wenn sie den "Playboy" zusammen mit Dildo und Kondomen aufs Kassenband im Supermarkt legt.
Out of Time: Welcher Mann kauft Playboy heimlich?
Out of Time: Welcher Mann kauft Playboy heimlich?
Die aktuelle Anzeige vom "Playboy" mit der Alibi-Headline: "Ich bin mal kurz Zigaretten holen, Schatz ..." ist folglich nicht mehr zeitgemäß. Es ist im Gegenteil eher so, dass ein Mann sich heute schämt, wenn er Zigaretten holt; und weshalb der Spießer die "Playboy"-Anzeige mal ein bisschen umgestaltet hat – wenn Ihr Euch das Resultat bitte anschauen wollt, liebe Lesergemeinde!
Wer schämt sich heute nicht mehr, Zigaretten zu kaufen?
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