Spießer Alfons

Spießer Alfons

Spießer Alfons Kopf unter Wasser macht echt sprachlos

Mittwoch, 21. Dezember 2016
Es gibt viele Gründe für Sprachlosigkeit. Wir können vor Glück genauso sprachlos sein wie vor Angst oder Verlegenheit. Und auch sprachlos im Reich der Fische!
Themenseiten zu diesem Artikel:

Gutenberg Emirates Facebook Der Stern Audi Virtual Reality


Dass Werbung sprachlos machen kann, hat die spießige Lesergemeinde schon häufiger erkannt, wenngleich Ihr wisst, dass der Spießer auch zu Werbung, bei der dem Betrachter die Worte fehlen, immer noch Vokabeln gefunden hat, um das Sprachlosmachende wortreich zu kommentieren.
Und nun betrachtet bitte die Anzeige von Emirates, liebe Freunde der Werbung! Hier wird das Sprachlose in Wort und Bild dokumentiert. Wir lesen: "Der Indische Ozean wird Sie SPRACHLOS machen". Und gleichzeitig sehen wir auch, warum der Indische Ozean uns sprachlos machen wird. Denn wer mit dem Kopf ins Wasser taucht, bekommt Probleme beim Sprechen und ist ähnlich sprachlos wie ein Karpfen in Blau zu Silvester.
Sprachlos unter Wasser. Wer’s nicht glaubt, kann es auch daheim mit seinem Kopf im Aquarium selber ausprobieren!
Sprachlos unter Wasser. Wer’s nicht glaubt, kann es auch daheim mit seinem Kopf im Aquarium selber ausprobieren!
Und dann ist dort noch ein Spruch am Fuße der Anzeige und also lautend: "Erleben statt besuchen". Auch dieses Wort macht den Spießer nahezu sprachlos, denn wie kann der Tourist den Indischen Ozean erleben, wenn er ihn nicht besuchen soll? Vielleicht nur den Hinflug mit Emirates buchen und dort bleiben bis ans Ende aller Tage ...? Spießige Ergänzung: Dass auch die Ostsee genauso wie der Baggersee sprachlos machen kann, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Aus gegebenem Anlass blickt der Spießer am Ende seines 49. Jahrgangs zurück auf die gute alte Zeit von Gutenberg, wo das gedruckte Wort noch das A und O in der Kommunikation gewesen ist und die Anzeige als "Königin der Werbemittel" bezeichnet wurde. Das ist sie eigentlich immer noch, denn letzten Endes lockt der stationäre Handel seine Kunden nach wie vor mit Anzeigen zum Point of Sale und nicht mit viralem Spektakel. Und warum selbst Facebook in Print wirbt, hat der Spießer Euch ja in seiner 2.125. Folge erklärt.

Ein Grund für den Rückblick des Spießers auf das Werk von Gutenberg sind auch zwei Anzeigen, die vor langer Zeit in HORIZONT  gestanden haben und dem Spießer nach Jahren immer noch in lebhafter Erinnerung geblieben sind – siehe "Stern" und Audi!
Stern-Stunde: Woran denkt die Leserin, wenn sie an HORIZONT denkt ...?
Stern-Stunde: Woran denkt die Leserin, wenn sie an HORIZONT denkt ...?
Audi setzte Alfons in einen Audi, nicht wissend, dass der Spießer seit vielen Jahren im Audi sitzt!
Audi setzte Alfons in einen Audi, nicht wissend, dass der Spießer seit vielen Jahren im Audi sitzt!
Abgesehen davon, dass der dort eingesetzte Promi honorarfrei mitgewirkt hat, so zeigt der Spießer mit dem Nachdruck der beiden Anzeigen symbolisch an, dass gute Printwerbung auch nach Jahren nicht in Vergessenheit gerät. Eine Erkenntnis, die wir schon bei einem Kollegen von Alfons nachlesen können, nämlich bei Johann Wolfgang, der diese Faustregel bereits im Jahre 1808 veröffentlicht hat und also lautend: "Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen."

Und mit diesem Wort, liebe Lesergemeinde, schließt nicht nur der 49. Jahrgang von Spießer Alfons, sondern auch der letzte in HORIZONT. Das Wort am Ende der spießigen Kolumne hat Chefredakteur Dr. Uwe Vorkötter, der dem Spießer wie folgt geschrieben hat:

"Seit 19 Jahren erscheint der Spießer Alfons in HORIZONT – zuverlässig wie ein guter alter Bekannter, amüsant, kritisch, präzise. Das ist wahrhaft ein großes journalistisches Werk, das Sie mit dieser Kolumne vollbracht haben. Trotzdem haben wir uns entschieden, den Spießer zum Ende dieses Jahres auslaufen zu lassen. Nicht weil er schlecht oder langweilig geworden wäre. Sondern weil sich das Umfeld, in dem Ihre Kolumne erscheint, von Grund auf geändert hat.

Wir schreiben Woche für Woche über die Digitalisierung des Marketings, über virale Kampagnen, Influencer Marketing, Virtual Reality und vieles andere mehr. Print- und klassische Out-of-Home-Werbung, die Domänen des Spießers, haben an Bedeutung eingebüßt. Deshalb wollen wir uns von der Kolumne verabschieden – zugunsten neuer Formate, die sich mit den aktuellen Themen von Marketing, Agenturen und Medien auseinandersetzen.

Mir ist klar, dass damit ein Stück journalistischer Zeitgeschichte in unserer Branche zu Ende geht.“

Damit verabschiedet sich Spießer Alfons von seiner geschätzten Lesergemeinde mit einem Wort von Dichter Nebel und also lautend: "Kommunikation hat Berge versetzt – vom Gutenberg bis zum Zuckerberg." 

Postskriptum: Ein Trost für alle Hardcore-Fans von Spießer Alfons: Ihr findet den 50. Jahrgang im Spießer-Blog www.spiesser-alfons.de, der im kommenden Jahr online sein wird.
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