Spießer Alfons

Spießer Alfons

Spießer Alfons Das doppelte WOW ist ziemlich haarig

Donnerstag, 02. Juli 2015
Warum die Werbung auf den Hund gekommen ist, obwohl sie eigentlich zur Katze gehen müsste, erfahrt Ihr im nachfolgenden Wortlaut!

Was unterscheidet den Deutschen Schäferhund von einer Englischen Bulldogge? Antwort: Es ist die Schnauze. Denn aus der Schnauze des Schäferhundes vernehmen wir ein "Wau!", wohingegen die Bulldogge ein "Wow!" von sich gibt. Aber Scherz mit Schnauze beiseite, denn es geht hier ja schließlich um eine ernstzunehmende Angelegenheit, nämlich um Wirtschaftswerbung. Und dort, in der deutschsprachigen Werbung, gibt es reichlich englisches Wow, das fast ausschließlich in Versalien gedruckt wird.
Eine Agentur mit WOW, die zeigt: Wir sind auf den Hund gekommen!
Eine Agentur mit WOW, die zeigt: Wir sind auf den Hund gekommen! (Bild: dfv)
Zunächst einmal ist da WOW, die "Leitagentur für strategische Unternehmenskommunikation", die damit auf den Hund gekommen ist, den sie im Firmenschilde führt. Und dann gibt es auch noch WOW, was die Abkürzung ist von: Werbung OverWallis. Diese Schweizer Agentur macht "Beratung und professionelle Abwicklung aller Arten von Werbemaßnahmen". Zusammengefasst können wir also sagen: Werbung mit WOW.
Ohne Hund aber mit WOW: Werbung aus der Schweiz!
Ohne Hund aber mit WOW: Werbung aus der Schweiz! (Bild: dfv)
Wie aber sieht Werbung mit WOW aus? Der spießige Leser erkennt es auf der vor ihm liegenden Seite: Ob Baumarkt oder elektrische Zahnbürste, ob Bekleidungshaus oder Reisebüro, ob Hamburger oder Online-Auktionen: Überall ist Werbung mit WOW zu sehen.
Werbung mit WOW! Und das Schönste: Man kann es auch von rückwärts lesen!
Werbung mit WOW! Und das Schönste: Man kann es auch von rückwärts lesen! (Bild: dfv)
Subway verspricht: "Wow für frische 2 Euro"
Subway verspricht: "Wow für frische 2 Euro" (Bild: dfv)
Ebay hat das "Wow der Woche"
Ebay hat das "Wow der Woche" (Bild: dfv)
Kuoni sagt: "Tschüss Grau - Hallo Wow"
Kuoni sagt: "Tschüss Grau - Hallo Wow" (Bild: dfv)
Oral B bietet die "Wow Experience"
Oral B bietet die "Wow Experience" (Bild: dfv)
Und dann ist da sogar Nivea, die Kultmarke von Beiersdorf, die nicht nur ein Klassiker unter den deutschen Marken ist, sondern auch regelmäßig ganz oben in den Image-Rankings steht. Und Nivea, "Deutschlands vertrauenswürdigste Marke", macht Werbung mit WOW, und zwar  für Gesicht und Körper – siehe  Anzeige!
Deutschlands Kultmarke Nr. 1: Nivea mit WOW!
Deutschlands Kultmarke Nr. 1: Nivea mit WOW! (Bild: dfv)
Ein anderer Klassiker ist Schwarzkopf, wo sogar ein "doppeltes WOW" in die Werbung gesetzt wird, wenn Ihr Euch das mal anschauen wollt! Allerdings: Wenn Spießer Alfons die Anzeige von Schwarzkopf betrachtet, dann wirkt das doppelte WOW ziemlich haarig. Und besonders Frauen mit  Kurzhaarfrisur werden zum angepriesenen Haarspray greifen, um das Volumen zu zaubern, welches die Werbung ihnen verspricht. Und das ist zweckmäßig, nämlich an kühlen Tagen, wo die Blondine keinen Schal oder Kragen braucht, weil die eigene Haarpracht den Hals wärmt. Und was die Frisur betrifft: Vor so einem Aufbau gruselt es bestimmt viele Männer – Spießer Alfons mit eingeschlossen.
Haarig: Schwarzkopf mit Blondschopf und doppeltem WOW!
Haarig: Schwarzkopf mit Blondschopf und doppeltem WOW! (Bild: dfv)
Was aber ist der Unterschied zwischen Werbung mit WOW und Werbung ohne WOW? Nun, "Wow!" bedeutet von vorn wie rückwärts gelesen: "Oha!" Oder auch: "Toll!" Woraus wir schlussfolgern: Werbung ohne WOW ist nicht toll.

Und hier ist ein spießiger Hinweis an alle Werbetexter, die dem WOW noch eins draufsetzen wollen, ähnlich, wie damals aus dem einfachen "geil" ein "affengeil" geworden war, das schließlich in "oberaffentittengeil" geendet hat: Mit einem zusätzlichen "Oh", also "Oh wow!" entsteht eine Begeisterung, die wir in deutscher Sprache kennen als: "Boah ey!"

Ach ja, und noch etwas: Schon vor Jahren erklärte Ogilvy & Mather, dass der Konsument kein Hund mehr ist, sondern Lieschen Müller & Gottlieb Schulze sind in der zunehmenden Medienflut zu Katzen mutiert.

Was das meint? Nun, früher haben die Werber uns Verbraucher wie Hunde behandelt, sprich: Sie wurden nach den Erkenntnissen des russischen Forschers Iwan Petrowitsch Pawlow dressiert. Heute dagegen lassen Menschen sich nicht mehr so einfach dressieren wie ein Köter, sondern sie sind so eigenwillig geworden wie die Katzen, die sich keiner Dressur unterwerfen sondern machen, was sie wollen – mit Ausnahme von Raubkatzen, die sogar durch einen Feuerreifen springen, obwohl ihnen das überhaupt nicht behagt.

Doch hier geht es nicht um Raubkatzen, sondern um Stubentiger, sprich: Otto & Ottilie Normalverbraucher. Und was folgern wir daraus schluss? Der Spießer folgert: Werbung mit WOW kann gar nicht mehr funktionieren; die Werbetexter müssen völlig neu denken! Was meint: Statt Werbung mit englischem WOW sollten die Konsumpoeten mit einem deutschen MIAU kommen, um wieder mehr Beachtung zu finden mit ihren Werbebotschaften! Außerdem: Katzen-Content ist schon seit langer Zeit gefragt, da sollte auch das Marketing die Miezen contentmäßig aufnehmen!

Und wie schrieb doch schon der berühmte Dichter Nebel in seinem Tatsachenroman "Auch ein Wauwau hat eine Muschi"? Er schrieb im Kapitel "Tierische Kommunikation" den Hinweis: "Hunde lassen sich an der Leine führen, Katzen nicht. Und Menschen gehen nur an der Leine, wenn sie einen Hund dran haben ... oder in Hannover spazieren gehen."
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