Christian Rätsch, Saatchi & Saatchi

Christian Rätsch, Saatchi & Saatchi

Recruiting Wie Agenturen den Kampf um Talente gewinnen können

Donnerstag, 29. Juni 2017
Agenturen suchen ständig nach neuen Talenten, finden aber keine. Aus Sicht von Christian Rätsch, CEO von Saatchi & Saatchi und Vorstand des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen (GWA) im Bereich Talentförderung, müssen Führungskräfte daher umdenken und sich auch bei der Mitarbeitersuche an den digitalen Wandel im Arbeitsalltag anpassen. Wie sich die Agenturen im Wettbewerb um die Talente durchsetzen können, erklärt Rätsch in seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online.

Die Kreativbranche steht Kopf, ihr Stammkapital "Mensch" lässt sich nicht mehr binden.

Wer kennt den Ratschlag nicht, dass man im Beruf Durchhaltevermögen zeigen muss. Ein Lebenslauf voller Wechsel machte bis vor kurzem noch misstrauisch. Heute sind vielseitige Stationen völlig normal. Denn nicht die lückenlose Chronologie im Curriculum Vitae entscheidet, sondern vielmehr die Projekte und der inhaltliche Tiefgang, den Kandidaten vorzuweisen haben. Waren früher die Agenturmarken im Lebenslauf Empfehlung für einen Kandidaten, sind es heute die persönlich eingesetzten Fertigkeiten, erfolgreiche Marketingmaßnahmen und bemerkenswerte Lösungen, die das Licht der Welt erblickt haben.
„Ein Lebenslauf voller Wechsel machte bis vor kurzem noch misstrauisch. Heute sind vielseitige Stationen völlig normal.“
Christian Rätsch
Die Digitalisierung hat den Arbeitsmarkt in Agenturen unter Druck gesetzt. Mit dem Anspruch ausgestattet, Kunden in „Online-Fragen“ bestens bedienen zu können, müssen sich die Marketing-Dienstleister selbst überholen, um einen beraterischen Vorsprung vor ihren Kunden zu haben. Doch die haben längst nachgerüstet. Ein Trend zu Inhouse-Agenturen, kreativen Ausgründungen von Dax-Konzernen, wieder aufkeimendes Start-Up Fieber und die großen Digitalplayer verstärken den Talentwettbewerb. Hinzu kommen die Unternehmensberatungen, die das große Geschäft in der Digitalisierung suchen und verstanden haben, dass Powerpoint-Konzepte auf wenig Respekt stoßen. In einer digitalen Welt zählt Umsetzung mehr als das Konzept. Man lernt auf dem Weg. Dazu braucht man Mitarbeiter, die es gewöhnt sind, kreative und digitale PS auf die Straße zu bringen.
Christian Rätsch 2016
© Saatchi & Saatchi

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In einem solch volatilen Umfeld sind Führungskräfte gefordert. Sie müssen begreifen, dass die Mitarbeiter als Angestellte gar nicht das Ziel verfolgen, über Jahre einem Arbeitgeber zu dienen, sondern sich freiwillig und auf Zeit diesem anschließen. Daher gilt es, die Mitarbeiter an spannende Themen und sinnstiftende Projekte heranzuführen.

Ein Umdenken ist auch bei der Mitarbeitersuche gefragt. In der Vergangenheit wurden Stellen beschrieben und Profile berücksichtigt, die der Stellenblaupause am nächsten kommen. Dieses Modell ist nicht mehr zeitgemäß. Heute definiert das Talent die Stelle selbst und drückt ihr den persönlichen Stempel auf. Doch solche Entfaltungsräume setzen enorme Flexibilität und agile Arbeitsweisen in den Agenturen voraus.
„Heute definiert das Talent die Stelle selbst und drückt ihr den persönlichen Stempel auf.“
Christian Rätsch
Die Digitalisierung hat auch in der Agenturwelt zu Flüchtigkeit geführt. Daher ist ein Perspektivwechsel gefordert: Statt Weisungen müssen Leader Menschen befähigen. Gesucht sind Lenker, die Menschen integrieren können. Wer in Zukunft Menschen befähigt, statt sie zu bevormunden, erntet Anerkennung und Loyalität. Wer das nicht versteht, erlebt Nomaden 4.0 – sie ziehen dahin, wo es Spannendes zu tun gibt. 

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