Norbert Lindhof, Aller Best

Norbert Lindhof, Aller Best

Norbert Lindhof zur Pitchhonorar-Debatte "Macht doch einfach nicht mit"

Freitag, 27. November 2015
Vor wenigen Tagen haben sich zahlreiche Agenturmanager gegenüber HORIZONT Online zu Wertschätzung von Agenturarbeit und Kostenloskultur geäußert. Dabei monieren die Agenturen einmal mehr auch die geringen oder sogar fehlenden Pitchhonorare. Hört auf mit dem Gequengel, fordert Norbert Lindhof, Geschäftsführer der Pitchberatung Aller Best, in seinem Gastkommentar und hat auch gleich eine simple Lösung parat.

In vielen Fällen kommt der Wiederholung bekannter Themen ja eine besondere Bedeutung zu. In der Rhetorik ist das sogar ein sehr wirksames Mittel, um die Inhalte noch besser in den Köpfen der Zuhörer zu verankern. Wer aber in unruhiger See ständig um "Hilfe" ruft, sich aber gar nicht retten lassen will oder selber etwas für seine "Rettung" tut, wird über kurz oder lang überhört. So oder so ähnlich ist das mit den mit steter Regelmäßigkeit immer wieder aufflackernden Statements zu den Pitchhonoraren.
„Nur klagen und meckern bringt nichts.“
Norbert Lindhof
Warum quengeln viele Agenturchefs immer wieder über die Höhe oder nicht bezahlte Pitches rum? Es gibt doch ein ganz einfaches Mittel. Macht doch einfach nicht mit! Sagt einfach Nein, wenn eine Anfrage kommt, die die Leistung der Agenturen ignoriert und nicht die geforderte "Wertschätzung" erfüllt.

Nur klagen und meckern bringt nichts. Das machen ja inzwischen schon Generationen von Agenturleitern. (Auch ich kenne das noch aus meiner Zeit als Agenturchef und GWA-Vorstand vor zehn, 15 Jahren.) Wenn man etwas ändern will, muss man das, was man nicht will, doch einfach nicht tun.

Larissa Pohl, Stefan Schmidt, Robin Karakash, Thomas Eickhoff, Marny Bachmann - v.l.
Bild: Agenturen / eigene Zusammenstellung

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Agenturen und Anbieter mit Selbstbewusstsein (meist einhergehend mit einer guten Geschäftsentwicklung) sind da auch viel weniger anfällig, als Agenturen, denen es "gerade mal nicht so gut geht". Es hilft nur nichts, öffentlich zu jammern und im realen Leben dann nichts von dem umzusetzen, was in der Presse zitiert wurde. Ja, mehr noch, mit Gratis-Ideen und "nur-mal-so-als-Anregungs-Kampagnen-Entwürfe" ungefragt auf die Schreibtische der Marketingverantwortlichen zu platzen. Das verdirbt mindestens genauso die Sitten, wie die eine oder andere Anfrage.

Wie sollen denn potentielle Auftraggeber reagieren, wenn ihnen förmlich die "Kostet-nix-Kreation" nur so aufgedrängt wird? Welches Wertschätzungsgefühl soll denn ein CMO haben, wenn immer wieder von Agenturen ungefragt und kostenfrei Vorschläge auf seinem Schreibtisch landen? Er muss doch davon ausgehen, dass die Agenturen selbst keine richtige Werteinstellung zu ihren Produkten haben. Kreation auch mal eben so zu haben ist.

Ob Verband – schwieriger wegen der Kartellfrage – oder Agenturen selbst. Sie haben es in der Hand. Sie können durch ihr Verhalten etwas verändern. Nicht indem man darüber lauthals lamentiert, sondern indem man selbst eine Wertschätzung für sein Haus und sein Produkt entwickelt. Und Werte, echte Werte, werden von jedem Marketingverantwortlichen auch anerkannt. Norbert Lindhof
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