Jette Farwick, achtung!

Jette Farwick, achtung!

Modernes Arbeiten Büro oder Baby? Beides.

Montag, 18. April 2016
Elternzeit und Agenturjob - normalerweise passt das (leider) oft nicht zusammen. Anders bei Jette Farwick. Die 37-jährige Account Directorin Digital bei Achtung steht kurz vor der zweiten Elternzeit. Vor der ersten war sie erst konsterniert, dann aber happy, wie sie in ihrem Gastbeitrag auf HORIZONT Online berichtet. 
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Elternzeit Jette Farwick


2012 wurde ich schwanger. Zu dieser Zeit war ich Account Direktorin unseres Digitalteams. Da ich wahnsinnig gern arbeite, stand für mich von Anfang an fest, dass ich als Mutter schnell wieder zurück in die Agentur und zu meinem Team wollte, am besten direkt nach dem Mutterschutz. Mein Leben sollte sich trotz Kind nicht großartig verändern. 

Natürlich hatte ich den Masterplan für die Rückkehr schon vor dem Mutterschutz bis ins letzte Detail ausgearbeitet. Das Gespräch mit dem für Personal und Finanzen zuständigen Geschäftsführer lief allerdings etwas anders, als ich mir das vorgestellt hatte. Anstatt meinen Masterplan zu besprechen, legte mir unser Geschäftsführer nahe, doch erst einmal mein Kind zu bekommen. Für einen Plan sei auch danach noch Zeit. Ich sollte mich einfach melden, wenn ich meine ersten Erfahrungen mit dem Leben als Mutter gemacht habe. Puh! Ich war überrascht. Eher sogar konsterniert. 
Jette Farwick mit ihrem Sohn Luuk
Jette Farwick mit ihrem Sohn Luuk (Bild: privat)
Heute sehe ich das anders, denn dieses Angebot war Gold wert. Schließlich verändert ein Kind einfach alles. Ich meine: ALLES! Aus der Agentur war ich Stress, Hektik und viel Arbeit gewohnt. Also dachte ich, ein Kind wuppt sich ähnlich „leicht“.

Weit gefehlt! An eine Rückkehr direkt nach dem Mutterschutz war gar nicht zu denken. Zum Glück also, dass es keinen ausgeklügelten Masterplan mit strenger Agenda gab! Letztendlich bin ich erst 4 Monate später wieder in die Agentur gekommen – mit erheblich reduzierter Stundenzahl. Einen Tag pro Woche rauschte ich in die Agentur und erledigte einen Meeting-Marathon mit meinem Team. Den Rest der Woche war ich mobil für die Agentur und mein Team da.

Für mich der perfekte Mix: Mama sein und gleichzeitig am Puls bleiben. Gerade die Entwicklungen und Trends im Digitalen hätte ich sonst mit Sicherheit nicht so leicht im Blick behalten. So konnte ich am Ball bleiben, und die Aufstockung auf 30 Stunden nach einem Jahr Elternzeit erforderte so gut wie keine Umstellung. Für mich: the perfect match. Ohne die Offenheit und die Experimentierfreudigkeit der Agentur wäre das nicht möglich gewesen.  

Vergleichbare Geschichten kenne ich übrigens bedauerlicherweise keine. Eher das Gegenteil: Viele Freundinnen von mir kehrten nach langen Verhandlungen doch nicht zurück an ihren Arbeitsplatz, obwohl sie gerne weitergearbeitet hätten. Stattdessen wurden ihnen „großzügige“ Angebote gemacht, damit sie erst gar nicht zurückkommen. Oder ihnen wurden Konstellationen präsentiert, die für sie im neuen Lebensabschnitt nicht umsetzbar waren. 

Aktuell stehe ich 8 Wochen vor meiner nächsten Elternzeit und plane bereits gemeinsam mit der Agentur wie meine Rückkehr dieses Mal aussehen könnte. Ich „plane“. ;-)

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