Mehrdad Amirkhizi

Mehrdad Amirkhizi

Führungswechsel bei Ogilvy Einfach ist mehr – oder auch nicht

Freitag, 21. Juli 2017
Mit der neuen Aufstellung bei Ogilvy soll alles einfacher werden – getreu dem von der Agentur entwickelten Aldi-Slogan: "Einfach ist mehr": Silos weg, Strukturen so unkompliziert wie möglich, flache Hierarchien. Unter dem internen Leitmotto "Next Chapter" wird auch die Führung in Deutschland umgebaut. Statt mit einem CEO an der Spitze, agiert die Gruppe nun mit einem Führungsteam.

Dem Gremium gehören Strategiechefin Monika Saeger, Ogilvy-One-Chef Chai Sinthuaree, die beiden Kreativchefs Stephan Vogel (Ogilvy & Mather) und Michael Kutschinski (Ogilvy One) sowie Finanzchef Helmut Hechler an. Dass es mit der Vereinfachung dann doch nicht ganz so leicht ist, sieht man schon an der Nomenklatur. Saeger trägt den Titel "Sprecherin der Geschäftsführung", Sinthuaree ist "CEO". Was genau der Unterschied ist, erschließt sich nicht sofort. Auf Nachfrage heißt es, Saeger soll eher als "Außenministerin", der Ogilvy-One-Manager mehr nach innen wirken.
Ob das so viel einfacher ist, als ein Modell mit einem alleinverantwortlichen CEO, muss sich herausstellen. Genauso muss sich zeigen, wo und wie Ogilvy durch die neue Aufstellung besser wird – beim Produkt, an der Kundenfront, im Neugeschäft und als Arbeitgeber. Das finale Modell soll im Herbst vorgestellt werden. Fest steht dagegen, dass der bisherige CEO Ulrich Klenke nicht mehr Teil der Führung ist. Er hat seinen Vertrag gekündigt und wird die Agentur verlassen.

Die offizielle Begründung dafür lautet: wegen unterschiedlicher Auffassungen über die strategische und organisatorische Ausrichtung von Ogilvy. In der Tat schien Klenke schon bei der Präsentation der Umbaupläne durch Networkchef John Seifert Anfang des Jahres nicht gerade begeistert. Es dürfe keine "Group Soup" entstehen, bei der alles zusammengemixt werde, ließ er in einem Interview mit HORIZONT verlauten. Womöglich hat ihm die jetzt angepeilte Struktur nicht gepasst, auch nicht in Bezug auf seine eigene Rolle.

Vielleicht haben die beiden Themen aber auch weniger miteinander zu tun, als es scheint. Dass Klenke bei Ogilvy unter Druck stand und sich die Wege trennen werden, war gerüchteweise schon länger zu hören. Seine Performance und Präsenz waren in der Gruppe nicht unumstritten. Auf der Habenseite steht zweifelsohne der Gewinn des lukrativen und weithin sichtbaren Etats von Aldi Süd. Zudem mehrere andere Neugeschäfte, allerdings nicht von dieser Größe und Strahlkraft. Solche Mandate liegen aber auch nicht auf der Straße, muss man fairerweise sagen.

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© Allianz

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Kritischer ist dagegen Klenkes Auftreten als Chef einer der führenden Agenturgruppen in Deutschland zu beurteilen. Als der Ex-Bahn-Marketingmanager den CEO-Posten bei Ogilvy antrat, war damit auch die Erwartung verbunden, dass die hiesige Agenturszene ein weiteres profiliertes Gesicht bekommt. Jemand, der sich traut, auch gegenüber Kunden klare Ansagen zu machen. Jemand, der dazu beiträgt, Werbedienstleister aus der Lieferantenecke herauszuholen. Nach etwas mehr als zwei Jahren im Amt muss man jedoch sagen, dass Klenke relativ blass geblieben ist.

Wie sich Ogilvy unter ihm wirtschaftlich entwickelt hat, lässt sich nur spekulieren. Konkrete Zahlen meldet die Agentur schon seit Jahren nicht mehr. Aus dem Umfeld der WPP-Tochter ist aber zu hören, dass aktuell deutlich weniger Leute in der Gruppe arbeiten als vor zwei Jahren. Nicht so gut wie erhofft lief es mit dem Kunden Allianz. Der Versicherungskonzern hat zuletzt angekündigt, sich für weitere Agenturen zu öffnen. Auch bei L’Oréal kam Ogilvy nicht so zum Zug wie gedacht. Der mit großen Ambitionen gestartete Content Cube ist in der Realität sicher ein bis zwei Nummern kleiner ausgefallen als ursprünglich konzipiert. Derzeit lässt der Beauty-Konzern um sein Content- und Media-Mandat pitchen. Das angekündigte Content-Joint-Venture mit der Media-Schwester MEC kam nie zustande.

Wie es für Klenke jetzt weitergeht, muss man sehen. Eine Rückkehr auf Kundenseite scheint wohl genauso vorstellbar wie ein anderes Engagement in der Agenturbranche. Ihm bleibt zu wünschen, dass er in neuer Funktion wieder mehr Impulse geben kann. Das Gleiche gilt für das "neue" Ogilvy-Management, das - außer der 2016 von Klenke verpflichteten Strategiechefin Saeger - so neu gar nicht ist. Die meisten Akteure sind bereits seit vielen Jahren in verantwortlicher Position im Haus.

Die deutsche Ogilvy-Gruppe war von starken Führungspersönlichkeiten geprägt: Hans Lange, Lothar Leohard, Thomas Strerath. Ulrich Klenke in dieser Reihe zu nennen, fällt allein schon aufgrund der Kürze seiner Amtszeit (rund zwei Jahre) schwer. Bleibt abzuwarten, ob man das jetzt formierte Team-Management beziehungsweise die beiden herausgehobenen Köpfe Saeger und Sinthuaree einmal im selben Atemzug mit den bekannten Ogilvy-Chefs nennen kann. mam
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