Frank Behrendt, Fischer-Appelt

Frank Behrendt, Fischer-Appelt

Frank Behrendt Es ist doch nur Fußball

Donnerstag, 10. April 2014


Der Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga spielt sich auf mehreren Ebenen ab: Zum einen ist da das Geschehen auf dem Spielfeld, zum anderen müssen sich die abstiegsbedrohten Vereine abseits des Rasens mit aufgebrachten Fans und Medien befassen. Oberste Regel dabei: "Am Ende sollte und muss - auch kommunikativ - zu etwas mehr Gelassenheit gemahnt werden", sagt fischerAppelt-Vorstand Frank Behrendt in seiner Kolumne für HORIZONT.NET.

Am Ende einer Saison ist immer das gleiche Phänomen zu beobachten: Trainer, Spieler, Fans der abstiegsbedrohten Vereine flippen aus. Dadurch, dass es durch die bayerische Übermacht keinen Kampf um den Fußballthron mehr gibt, liegt die Spannung vor allem im Keller. Speziell, da diesmal nicht nur die Underdogs ums Überleben in Liga 1 kämpfen, sondern diverse Dinos der Bundesliga. Für so manchen Fan scheint der mögliche Abstieg gleichbedeutend mit dem finalen Weltuntergang zu sein. Zu beobachten in Hannover am eigenen Stadion, als der aufgebrachte Mob das Team von Hannover 96 nach der Rückkehr vom Derby gegen Braunschweig nicht sonderlich freundlich in Empfang nahm.

„Kein Wunder, dass so mancher bei der einen oder anderen mehr oder weniger dämlichen Frage irgendwann die Pappe auf hat.“
Die Niederlage gehört zum Sport, versuchen die Jugendtrainer den Nachwuchskickern von früh an einzubläuen, wenn die Tränen nach dem Misserfolg im Kreispokal kullern. Ja, theoretisch ist verlieren wichtig, aber gewinnen ist in unserer Welt, die die Sieger liebt, eben richtiger. Einen Höllenjob machen in diesen Abstiegswochen die Trainer. Sie sind Dompteure, Vermittler, Retter oder Sündenböcke - je nachdem. Sie werden gefeuert, weil man schlecht die ganze Mannschaft vor die Tür setzen kann, auch wenn sie es oft eher verdient hätte als der Trainer. Der Nachfolger nutzt oft am Anfang das Überraschungsmoment und erzielt ein paar Achtungserfolge. Ist der Effekt verpufft, kehrt meist wieder Tristesse ein. En vogue ist inzwischen sogar das Feuern des Feuerwehrmannes. Das war früher auch seltener, dass man den in der laufenden Saison geholten Retter mangels ausreichen Erfolges dann bald wieder entließ. So mancher Verein hat mittlerweile mehr Trainer als Stürmer auf der Payroll.

Auch kommunikativ ist Trainer sein heute kein Sonnenschein-Job mehr. Pressekonferenzen vor den Spielen, nach den Spielen. Zuerst zu Sky direkt aus der Coachingzone an den Analyse-Desk am Spielfeld wegen der Erstverwertungsrechte. Dann rüber zu den Mikros von Sport1, später in der Mixed Zone zu den weiteren Verwertungspartnern. Und am Ende zum Rest vom Schützenfest, der Lokaljournaille. Kein Wunder, dass so mancher bei der einen oder anderen mehr oder weniger dämlichen Frage irgendwann die Pappe auf hat. Am Ende sollte und muss - auch kommunikativ - zu etwas mehr Gelassenheit gemahnt werden. Immer mehr Vereine, Spieler und Trainer nutzen mittlerweile versierte PR-Profis als Sparringspartner, um auch kommunikativ das Niveau zu erreichen, das in anderen Bereichen des Vereins inzwischen herrscht.

„Die für viele schönste Nebensache der Welt - die Betonung liegt dabei auf neben - sollte eine ebensolche bleiben.“
Abstiegskampf ist am Ende auch Krisenkommunikation. Und die hat es in sich. Denn kein Unternehmen hat auch derart gewaltbereite Fans wie die Vereine, die es im Zaum zu halten gilt. Ein extrem schmaler Grad, der neben der Beherrschung des kommunikativen Handwerks auch ein besonderes Fingerspitzengefühl erfordert. Ja, es geht um viel Geld. Ja, Fans sind emotional. Und richtig, ein Abstieg ist nicht der Hit. Aber: Am Ende ist es nur Fußball. Entertainment, Unterhaltung. Die für viele schönste Nebensache der Welt - die Betonung liegt dabei auf neben - sollte eine ebensolche bleiben.

Ich war am vergangenen Freitagabend in Duisburg in der Arena. Da kennt man sich aus mit Abstiegen. Inzwischen leben die Zebras zwangsumgesiedelt im Zoo der 3. Liga. "Liebe kennt keine Liga", stand auf den Spruchbändern der Fans nach dem Lizenzentzug. 90 Minuten sangen sie jetzt unaufhörlich aus ganzer Brust: "Champions League kann jeder, Scheiß auf 1.Liga, ihr seid unsere Sieger: MSV." Beeindruckend, denn das Ergebnis war ein 0:0 und Auf oder Absteigen können die Gestreiften in dieser Saison nicht mehr. Die Mannschaft wurde dennoch minutenlang nach dem Abpfiff gefeiert, einfach so. 12.000 Fans gingen friedlich in weiß-blau nach Hause und der Sonnenuntergang über dem Revier war malerisch. So schön kann Fußball sein.

Der Autor Frank Behrendt ist Vorstand bei fischerAppelt
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