Arne Friedrich, Jung von Matt/stars

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Eurobest Ein N00b in Rom - und warum Werbung nicht schlimmer als Fußball ist

Freitag, 09. Dezember 2016
Seit dem 1. Dezember ist Ex-Fußballprofi Arne Friedrich Unitleiter bei Jung von Matt/Stars, der neu gegründeten Markenberatung für Sportler. Klar, dass der 37-jährige einstige Nationalspieler jetzt auch Termine wahrnehmen muss, von denen er zuvor noch nie etwas gehört hat. Seine erste Dienstreise führte Friedrich nach Rom zum Eurobest Festival. Für HORIZONT Online hat er seine Erlebnisse aufgeschrieben.
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Eurobest Festival N00b Jung von Matt Arne Friedrich


Rom, die ewige Stadt: Gladiatorenkämpfe, Caesar, das WM-Finale 1990, Eurobest Festival. Moment mal, Eurobest? Ich denke, an dieser Stelle kommen nicht nur Fußball-Experten ins Stocken. Was ist denn bitte das Eurobest Festival? Vor etwas mehr als einer Woche hat mich Toan, mein Gründungspartner bei JvM/stars, gefragt, ob ich Lust hätte, nach Rom zu fliegen, um bei einem Kreativfestival dabei zu sein. Er beschrieb es salopp als „eins der größten Dinger in der Werbebranche nach Cannes“. Neben vielen Vorträgen und Podiumsdiskussionen gebe es auch eine „fancy“ Award-Zeremonie, wo kreative Arbeiten aus der ganzen Welt gekürt würden. Außerdem fand Toan, dass ich dort „sicherlich was lernen“ und Einblicke in die Welt der Kreativen gewinnen könnte - „quasi wie ein Super-Seminar!“. Dass er selbst noch nie dagewesen war und keinen einzigen der Programmpunkte kannte, schien ihn von seiner Überzeugungsarbeit nicht abzuhalten. Und auch Raphael hielt es für eine total gute Idee. Natürlich war er selbst auch noch nie da, aber ich merkte schnell, dass Werber vielleicht so ticken. Im Fußball werden ja auch manchmal Spieler verpflichtet, die man noch nie gesehen hat. Dann stellt sich vielleicht heraus, dass ein Spieler 10 Zentimeter kleiner ist als angegeben. Aber gut: Ich bin ja ein Neuling in der Branche und Lust hatte ich eh. Ich hab mir das also nicht zweimal sagen lassen und spontan meine Flüge gebucht. Schließlich liebe ich es, zu lernen, mich neuen Feldern zu öffnen und auch zu networken. Außerdem stand Rom eh noch auf meiner To-Do-Liste. Von daher ging’s mit großer Vorfreude los. Einzig die Frage nach dem Dress Code blieb etwas ungeklärt: Was zieht man unter all diesen Kreativen eigentlich an? Eine Frage, die sich schnell erübrigt hatte. Ein Werbefestival ist keine Fifa-Gala. Mit Casual war ich gut dabei, die erste Hürde war also einfach zu bestehen.

Nach meiner Ankunft und Registrierung habe ich dann direkt die ersten deutschen Werber kennengelernt, die alle wissen wollten, was ich konkret bei Jung von Matt mache, wie es zu dem Kontakt kam und wieso überhaupt diese Branche. Ich werde mich wohl darauf einstellen müssen, dass das noch öfter kommen wird, ähnlich wie bei Jugendlichen jetzt zu Weihnachten, die Onkel, Tante und Oma immer wieder dasselbe erzählen.

Aber dann ging’s schon los in die ersten Sessions. Ich habe mich in so ziemlich alle Vorträge gestürzt, schließlich war ich total gespannt, welche Informationen ich mitnehmen könnte. Dabei habe ich beeindruckende Vorträge gehört wie „Women Not Objects“ von Madonna Badger, wo ich an das eine oder andere Instagram-Sternchen denken musste.
„Ein Werbefestival ist keine Fifa-Gala.“
Arne Friedrich
Spannend fand ich auch die Vorträge, in denen es um Experimentieren und Scheitern ging – vor allem Scheitern als wichtiger Bestandteil von Erfolg. Oder was zu beachten ist bei der Zusammenstellung eines Teams. Die Bandbreite der Themen war also riesengroß. Und ständig las und hörte man Wörter wie „Storytelling oder „Sensploration“.

Alles im Marketing scheint einen eigenen Namen zu haben und manchmal dachte ich, dass es drei Begriffe für ein und dieselbe Sache gibt. Richtig interessant wurde es natürlich bei der Awardshow. Und interessant war es tatsächlich: Die Location war natürlich schon toll und einige der Redner waren es ebenso. Was mich aber besonders erstaunt hat, war die schiere Anzahl der Awards. Ich dachte zunächst, dass nur ein paar verteilt werden – also für diese wirklich großen, großen Arbeiten, die die ganze Welt kennt. Wie halt bei den Oscars, wo man die Nominierten und die Filme vorher irgendwie auf dem Radar hat. Im Wirklichkeit waren es aber nicht nur ein paar – sondern ganz schön viele Arbeiten. Größtenteils auch welche, die ich bei der Zeremonie zum ersten Mal gesehen habe. Dass man die internationalen Arbeiten nicht kennt, hat mich nicht verwundert. Es waren aber auch mehr einige deutsche Arbeiten dabei von denen ich noch nie was gehört habe. Das war zum einen natürlich inspirierend, aber irgendwo auch kleinteilig. Insgesamt scheinen Awards wohl auch eine Wissenschaft für sich zu sein, wie ich aus dem einen oder anderen Gespräch raushörte.

Im Großen und Ganzen war es aber eine tolle Gelegenheit, die Ansätze der Werber kennen zu lernen. Und dazu hatte ich noch die Möglichkeit, bei Lunch und Dinner in die kulinarische Welt Italiens einzutauchen. Und wer mich kennt, weiß: Ich liebe guten Espresso und Pasta. Und ab jetzt auch gute Ideen!
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