Frank Behrendt, Fischer-Appelt

Frank Behrendt, Fischer-Appelt

Edeka Was der #Heimkommen-Spot mit mir macht

Donnerstag, 03. Dezember 2015
Edeka und Jung von Matt ist mit dem Weihnachtsspot #Heimkommen ohne Zweifel ein echter Viralhit gelungen. Frank Behrendt, Vorstand bei Fischer Appelt, gehört zu den zahllosen Menschen, in denen der Werbefilm etwas bewegt hat. In seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online erklärt er, warum.

Millionen haben ihn schon gesehen, es wird mit feuchten Augen geschaut, kollektiv geklatscht und sich selbstverständlich auch aufgeregt: "Darf man das machen?" "Ist das nicht pietätlos?" Ja/Nein/Vielleicht - egal: Für meinen Geschmack muss es viel mehr solche Spots geben, die eine Problematik durch eine überraschende und polarisierende Geschichte thematisieren, um uns zum Nachdenken zu bewegen. In diesem Fall über die emotionale Verelendung unserer immer digitaler tickenden Wohlstandsgesellschaft. Der Clip mit dem traurigen alten Mann, dessen Schauspieler in Wirklichkeit über 30 Jahre glücklich verheiratet ist und Weihnachten immer im Kreis der Familie feiert, wie "Bild" herausfand, macht etwas mit uns: Er berührt. Er löst Reaktionen aus. Allein dafür gebührt dem großartigen Kreativen Jens Pfau von der Kreativ-Edelschmiede Jung von Matt ein Dankeschön. Und Edeka ein großes Lob für den Mut, einen solchen Spot on air zu schicken und sich auch der Kritik zu stellen.
Jens Pfau, stellvertretender Geschäftsführer von Jung von Matt/Alster
© JvM

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#Heimkommen ist ein Impuls, um innezuhalten und nachzudenken. Über uns und unser tägliches Tun. Setzen wir die richtigen Prioritäten? Denken wir nicht überwiegend an uns und viel zu wenig an andere? "Bild"-Kolumnist Franz-Josef Wagner geht in seinem Beitrag noch einen Schritt weiter, indem er über die echten Insassen in Altersheimen schreibt und fragt: "Wer trocknet diesen einsamen Männern und Frauen die Tränen?"

Ich gebe es zu: Als ich seinen Kommentar zum Edeka-Spot im Flieger las, habe ich eine Gänsehaut bekommen. Weil er Recht hat. Es gibt ganz viele Familien, die Weihnachten als generationenübergreifendes Fest der Gemeinsamkeit zelebrieren. Auch bei mir daheim feiern Großeltern, Kinder und Enkelkinder alle zusammen unter dem Baum. Wunderbar, ich liebe diese romantisch-tradierten Momente seit ich denken kann und möchte sie nie missen. Aber es gibt auch die anderen - nicht nur im Spot - sondern auch im realen Leben. Überall.

Wagner hat mich mit seiner Frage ins Herz getroffen und ich bin keiner, der das aushält, ich mache dann was. Und so war ich gerade in einem Altersheim bei uns in Köln. Ich bin zur Heimleitung gestiefelt und ich habe sie gefragt, wie es mit den einsamen Bewohnern dort aussieht. Nach einigen Standard-Floskeln, dass die Gemeinschaft alle auffängt und so weiter, kam dann doch heraus, dass viele einsame alte Leute von ganz einfachen Dingen träumen: Gespräche, Lachen, Wärme durch Worte.

Wir haben dann gemeinsam einen Plan gemacht. Handschlag, läuft. Und zwar wie folgt: Alle zwölf Wochen im neuen Jahr komme ich künftig vorbei und gestalte einen unterhaltsamen Abend. Ich werde den ergrauten Damen und Herren zum Beispiel ihre Lieblingsbücher aus der Kindheit vorlesen. Ein Student - der sein freiwilliges soziales Jahr in dem Altersheim verbringt und mir beim Warten über den Weg lief - wird das mit Gitarre und Gesang begleiten. Und ich werde eine kleine unterhaltsame Talkrunde mit Bewohnern moderieren, denn die älteren Leute haben viel zu erzählen.
Edeka Weihnachtsspot Opa
© Edeka

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Einen potentiellen "Talk-Gast" durfte ich schon kennenlernen: Hans, 83, ein früherer Vertreter für Gewürze. Er erzählte mir von seiner Kindheit in Karlsruhe, von Fahrten nach Italien und wie er einmal Heinz Erhard in einem Hotel traf und die ganze Nacht mit ihm Karten spielte. Ich hätte ihm Stundenlang zuhören können - Filmreifes Reality-Storytelling. Um es gleich vorweg zu sagen: Davon werde ich keine Bilder twittern und auch keine Periscope Filmchen machen. Darum geht es mir hier nicht. Ich möchte einfach etwas tun und Menschen, die zu wenig Freude haben, unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger.

Klar hätte ich das schon früher machen können und ich habe auch des öfteren schon daran gedacht. Aber jetzt mach ich es. Und der finale Impuls kam durch den Edeka-Spot und den zotteligen täglichen Mahner FJ Wagner. Ich freue mich jetzt schon auf die Abende mit den Silberpappeln im neuen Jahr und ich bin mir sicher, dass ich von denen ganz viel lernen kann und dann immer ganz beschwingt #heimkommen werde.

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